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Aktuell Europa

Keine Anklage gegen Gerry Adams

Seine Festnahme hätte das fragile politische Gleichgewicht in Nordirland gefährden können. Doch nach vier Tagen ist Gerry Adams wieder frei. Anklage wurde gegen den Chef der Partei Sinn Fein nicht erhoben.

Adams war im Zusammenhang mit dem Mord an Jean McConville durch die Irisch-Republikanische Armee (IRA) vernommen worden. Das Verbrechen gehört zu den berüchtigtsten in der Geschichte des Nordirland-Konflikts. Die Nordirin und zehnfache Mutter war 1972 entführt und erschossen worden. Die IRA hielt sie für eine Informantin der britischen Armee. Ihre Leiche wurde erst 2003 gefunden.

Adams hatte stets seine Unschuld betont und sich am vergangenen Mittwoch freiwillig bei der Polizei zur Befragung gemeldet. Er sei auch nie ein Mitglied der IRA gewesen, behauptete der 65-Jährige. Seine Partei Sinn Fein gilt jedoch als politische Vertretung der IRA, die drei Jahrzehnte lang gewaltsam für den Anschluss Nordirlands an die mehrheitlich katholische Republik Irland kämpfte, bevor sie 2005 offiziell der Gewalt abschwor.

In der nordirischen Regierung teilen sich die früher verfeindeten proirischen und probritischen Kräfte der Region heute die Macht. Adams gehört zu denen, die das Karfreitagsabkommen von 1998 ausgehandelt haben, mit dem Jahrzehnte der Gewalt beendet wurden. Folgerichtig schlug seine Festnahme hohe Wellen in Nordirland.

Auf einer Stufe mit Mandela?

In der Hauptstadt Belfast demonstrierten am Samstag Hunderte Menschen. Teilnehmer trugen Plakate, die Adams mit dem verstorbenen früheren südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela zeigten. Auf einem neuen Wandgemälde (Artikelbild) wurde Adams als "Friedensbringer und Visionär" gelobt. Sinn Fein hatte seine Festnahme als Versuch bezeichnet, den Friedensprozess zu untergraben und erklärt, die Bürger sollten vor der Europawahl in drei Wochen beeinflusst werden.

Die Vernehmung von Adams beruht auf neuen Erkenntnissen, die auf Interviews mit ehemaligen IRA-Aktivisten zurückgehen. Die Polizei musste bis Sonntagabend entscheiden, ob sie den Verdächtigen auch nach vier Tagen weiter in Haft behält oder ihn freilässt. Nun heißt es lediglich, die Ermittlungsakten würden an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet.

rb/re (afp, ap, dpa, rtr)