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Kultur

Kein Wunder für Tallmansville

Bei dem schweren Minenunglück in der Kohlegrube von Tallmansville im US-Bundesstaat West-Virgina ist entgegen ersten Berichten nur ein Bergmann gerettet worden. Angehörige waren über die Fehlinformation entsetzt.

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Trauer ohne Worte

Elf noch vermisste Männer wurden rund 40 Stunden nach der Explosion in der Grube tot gefunden. Das sagte ein Sprecher der Bergbaugesellschaft am Mittwoch (4.1.2006). Damit stieg die Zahl der Toten des Unfalls auf zwölf. Der Gerettete sei in kritischem Zustand, berichtete der US-Nachrichtensender CNN. Er sei schwer verletzt, aber bei Bewusstsein in ein Krankenhaus gekommen. Angehörige der Grubenarbeiter, die kurz zuvor die falsche Nachricht vom Überleben der Gesuchten bekommen hatten, reagierten geschockt auf die traurige Botschaft. Zunächst war von zwölf Überlebenden und von einem "Wunder" gesprochen worden.

"Härtester Tag"

Ben Hatfield, Präsident der International Coal Group, Grubenglück in West Virginia, USA

Bergwerk-Chef Ben Hatfield: 'Härtester Tag' seines Lebens.

Der Sender CNN zeigte Aufnahmen von irritierten, völlig niedergeschlagenen Familienmitgliedern, die aus einer Kirche kamen. Wenig vorher waren sie in derselben Kirche nahe der Grube bei der Nachricht von der angeblichen Rettung ihrer Angehörigen und Freunde in Jubel ausgebrochen. Wie der Direktor der International Coal Group (ICG), Ben Hatfield, erläuterte, hatte es Kommunikationsprobleme zwischen den Suchmannschaften unter Tage und den Koordinatoren gegeben. So sei es zu dem Missverständnis gekommen, dass viele der Gesuchten überlebt hätten: "Auch im Krisenstab gab es zuerst die Meldung, dass es zwölf Überlebende gab. Doch dies war falsch." Hatfield sprach vom "härtesten Tag" seines Lebens.

Der Gouverneur des US-Bundesstaates West-Virginia, Joe Manchin, berichtete von der großen Verwirrung, die bei den Rettern über Tage geherrscht habe. Er entschuldigte sich bei den Angehörigen für die Fehlinformation und sagte, auch die Bergung eines Überlebenden sei "ein Wunder".

Schreckliche Falschmeldung

Seit der Explosion in dem Kohlebergwerk in Tallmansville nordöstlich von Charleston am frühen Montagmorgen hatte es bis zuletzt kein Zeichen überlebender Minenarbeiter gegeben. Messungen der Luft im Schacht der Sago-Mine zeigten nach Angaben des Gruben-Unternehmens einen tödlich hohen Gehalt an Kohlenmonoxid. Die letzten Hoffnungen hatten sich darauf konzentriert, dass sich die Männer, die in 78 Meter Tiefe und über drei Kilometer vom Einfuhrschacht entfernt eingeschlossen waren, an einer Stelle mit Luft zum Überleben verbarrikadieren konnten.

Ursache für den teilweisen Einsturz des Kohlebergwerks war vermutlich eine von einem Blitzschlag ausgelöste Explosion. In dem Bergwerk werden nach Angaben der Betreiberfirma ICG jährlich 800.000 Tonnen Kohle produziert. (kap)