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Globale Zusammenarbeit

Kein Weltuntergang, aber eine neue Ära!

Dieses Jahr schenkt die Welt den Mayas besondere Aufmerksamkeit. Nicht den heutigen Mayas, sondern ihren Vorfahren. Denn die haben einen Kalender entwickelt und angeblich das Ende der Welt prophezeit.

Die antiken Mayas haben die Gestirne beobachtet, die Bewegungen der Sonne, des Mondes, der Sterne. Sie haben die Zyklen des Klimas interpretiert, die Länge der Tage und der Nächte, die Wärme und die Kälte, den Regen und die Trockenheit. Dann haben sie ein Jahr definiert, eingeteilt in 18 Einheiten von 20 Tagen. Am Ende eines Jahres stehen fünf heilige Tage, in denen über die Vergangenheit nachgedacht werden soll, über die Gegenwart und die Zukunft. So dauerte ein Jahr im Kalender der Mayas 365 Tage, genauso lange wie in dem heute bei uns gebräuchlichen gregorianischen Kalender.

Zurück in die Zukunft

Doch die Mayas sind nicht nur Menschen der Vergangenheit, die einstmals in den Gebäuden gelebt haben, deren Ruinen heute Touristen aus aller Welt in Staunen versetzen. In dem mittelamerikanischen Land Guatemala stellen sie bis heute die Bevölkerungsmehrheit. Sie sprechen ihre eigenen Sprachen, treiben Ackerbau auf ähnliche Weise wie ihre Vorfahren vor über tausend Jahren und kämpfen dabei ums Überleben in einer modernen, globalisierten Welt.

Die Mayas bewahren ihre Musik und ihre Riten (Foto: DW/A. Boueke)

Die Mayas glauben an eine neue Epoche, bewahren aber ihre Tradition

Während der antike Mayakalender in Westeuropa für Aufregung sorgt, weil er angeblich voraussagt, dass am 21. Dezember 2012 die Welt untergeht, sehen viele Mayas in Guatemala diese Debatte mit großer Gelassenheit. Maria Mateo, eine Bäuerin aus dem Mayavolk der Popcomchí jedenfalls glaubt nicht, dass das Ende der Welt bevorsteht. Vielmehr meint sie, das Ende des dreizehnten Baktun sei Anlass zur Hoffnung. "Wir glauben wirklich, dass es einen Wandel geben wird, aber nicht an einem bestimmten Datum. Jede einzelne Person kann einen Beitrag zu diesem Wandel leisten. Die Menschheit muss beginnen, die Natur wirklich zu schützen. Das Volk der Mayas und vor allem die Frauen müssen sich solidarisch zusammenschließen, Kräfte bündeln und gemeinsam für unsere Mutter Erde kämpfen."

Beginn einer neuen Epoche

Für die Astronomen der antiken Mayas war ein Sonnenjahr eine Einheit eines sehr viel längeren Zyklus, eines Baktun. Jeder Baktun ist vierhundert Jahre lang. Die antiken Mayas glaubten zu wissen, die Zeit habe vor genau 5200 Tagen begonnen. Deshalb endet am 21. Dezember der dreizehnte Baktun. Es beginnt eine neue Epoche, für die viele Mayas eine Verbesserung ihrer Lebenssituation erhoffen. Der Sozialwissenschaftler Virgilio Alvarez, Direktor der lateinamerikanischen Fakultät für Sozialwissenschaften FLACSO, meint, die Boulevardmedien der westlichen Welt hätten den Mayakalender zum Anlass für eine exotische Berichterstattung genommen, in der es nicht um die Lebenswirklichkeit der heutigen Mayas geht, sondern um reine Folklore. "Manchmal werden die Mayas noch romantisch verklärt: Der arme, wilde Indio, den man unterstützen muss, solange er noch seine Federn auf dem Kopf trägt. Aber vor allem sind die indigenen Völker der lateinamerikanischen Märkte im Prozess der Globalisierung von den transnationalen Konzernen als eine Konsumentengruppe entdeckt worden. Man will ihnen Dinge verkaufen, Handys und Tablets. Demgegenüber ist die Solidarität mit Lateinamerika, besonders in Europa, verloren gegangen. Und das, obwohl Europa einen großen Teil der Verantwortung für die Zerstörung der ursprünglichen Kultur der Mayas hatte."

Kinder in Guatemala (Foto: DW/A. Boueke)

Viele Mayas wünschen sich eine bessere Zukunft für ihre Kinder

In einer gemeinsamen Erklärung haben spirituelle Führer der Mayabevölkerung in Guatemala ihre Sorgen und Hoffnungen für das neue Zeitalter formuliert: "Die Welt spricht über die Zerstörung der Natur, über die Konsequenzen des Klimawandels, über den Verlust der Artenvielfalt. Wir Mayas spüren die Veränderungen des Klimas direkt. Mehr als achtzig Prozent unseres Volkes leben in Armut. Unsere Berge, Wälder und Flüsse werden von großen Firmen gestohlen, die Wasserkraftwerke bauen, Bergbau betreiben, Öl fördern oder Monokulturen anlegen. Unsere natürlichen Reichtümer werden geraubt, unsere Rechte werden verletzt, genauso wie vor vierhundert Jahren, als der dreizehnte Baktun begann."

Hoffnung auf eine bessere Zukunft

Einer der Verfasser der Erklärung ist Vitalino Similox aus dem Mayavolk der Kaquchikel. Er ist Pfarrer der presbyterianischen Kirche und eine interessante Persönlichkeit der jüngeren Geschichte Guatemalas. 1998 war er Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten. Damals stand er an der Seite der Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchú. Mit dem Zeitenwechsel verbindet er eine Hoffnung auf ein Ende der Ära des Leidens. Endlich soll eine Zeit der Heilung beginnen. "Die spirituellen Führer sagen, das jeder Mensch mit einem bestimmten Geschenk geboren wird. Im vergangenen Baktun sind besonders viele talentierte Kinder geboren worden. Das gibt Hoffnung, dass sie die Mathematik, die Wissenschaft, die Astronomie und die Kunst der klassischen Mayas wiederbeleben werden. Deshalb ist es nicht illusorisch zu glauben, dass die Mayas mit der Zeit wieder erstarken werden."

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