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Wirtschaft

Kein Wasser für die Gnus in der Serengeti

Die Deutschen brauchen viel Wasser. In Küche und Bad sind es täglich etwa 124 Liter. Tatsächlich aber über 5200 Liter, hat die Umweltorganisation WWF ausgerechnet. Und die Hälfte davon kommt aus dem Ausland.

Wasserhahn mit fließendem Wasser

Etwa 25 Badewannen voll Wasser verbraucht jeder Deutsche täglich

An Wasser fehlt es in Deutschland nicht. 80 Milliarden Kubikmeter Wasser aus eigenen Quellen werden hier jährlich verbraucht. Doch fast genau so viel, weitere 79,5 Milliarden Kubikmeter, werden importiert. Dieses Wasser fließt nicht durch Rohre. Dieses Wasser ist „virtuelles Wasser“, das in importierten Gütern steckt, in Fleisch und in pflanzlichen Lebensmitteln. Der World Wildlife Fund for Nature (WWF) Deutschland hat das ausgerechnet. Dorothea August aus dem Fachbereich Süßwasser des WWF hat die Studie betreut: "Vieles davon kommt aus stark trockenen Regionen, wo Wasserressourcen in Anspruch genommen werden, um für den deutschen Markt Lebensmittel zu produzieren.“

Rohe Kaffee-Kirschen auf den Feldern der Fazenda Lagoa im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais(Foto: dpa)

Mit Kaffeebohnen aus Brasilien importieren wir jede Menge Wasser

Brasilien, Elfenbeinküste und Frankreich sind die größten Wasser-Lieferanten der Bundesrepublik. Aus Brasilen führt Deutschland jährlich 5,7 Milliarden Kubikmeter Wasser ein, virtuelles Wasser. Es ist enthalten vor allem in Kaffeebohnen, Soja und Fleisch, das aus Brasilien hierher kommt. Für ein Kilo Soja müssten im globalen Durchschnitt 1.800 Liter Wasser investiert werden. Wird es als Futtermittel weiterverwendet, seien 15.500 Liter Wasser nötig, um ein Kilogramm Rindfleisch zu erzeugen, heißt es in der Studie. Der Türkei entzieht Deutschland jährlich 1,9 Milliarden Kubikmeter Wasser, das in Baumwolle, Nüssen und Trauben steckt. Ähnliche Mengen Wasser für ähnliche Produkte kommen aus Spanien.

Wasserzehrende Monokulturen

Oft führt auch ein für Deutschland relativ unbedeutendes Importprodukt im Ursprungsland zu schwerwiegenden ökologischen Belastungen. Die Studie nennt als Beispiel den Anbau grüner Bohnen in Kenia, der vom Wasser des Mara-Flusses lebt. Der Bedarf ist so groß, dass die Tierwelt bedroht ist. Mehr als 1,6 Millionen Gnus, Zebras und Thomsongazellen wandern in der Trockenzeit in den nördlichen Serengeti Nationalpark und ins Masai Mara Reservat, um dort die Trockenzeit zu überdauern. "Dann besteht das Risiko, dass nicht mehr genügend Wasser im Mara ist, weil es für den Bohnenanbau 80 Kilometer nördlich abgezogen wurde“, sagt Dorothea August.

Eine Frau prüft in der Baumwollbörse Bremen die Qualität des Rohstoffs (Foto: dpa)

Auch die Produktion von Baumwolle schluckt Wasser

Wasserverzehrende Monokulturen sind das eine. Zudem ließen oft die Methoden der Wasserbewirtschaftung zu wünschen übrig. Überflutungsbewässerung sei weit verbreitet. Damit würden Gewässern große Mengen Wasser entzogen, vom dem aber viel verdunste, berichtet der WWF. Tröpfchenbewässerung durch Rohre machte es dagegen möglich, lediglich die Wurzeln der Pflanzen mit Wasser zu versorgen – fast ohne Verdunstung. Zisternen und unterirdische Speicher könnten Regenwasser für Dürrezeiten auffangen.

Importeure in der Verantwortung

Für den sorgsamen Umgang mit virtuellem Wasser hätten auch die westeuropäischen Importeure eine Verantwortung, meint der Leiter des Bereichs Süßwasser beim WWF Deutschland, Martin Geiger. Adidas, Peek & Cloppenburg und andere Textilhändler etwa müssten wissen, woher die Baumwolle komme, die in ihren Produkten verarbeitet sei – auch im eigenen Interesse. Denn wenn es zu wenig Wasser für die Baumwollproduktion gebe, könne die Region als Produzent ausfallen. Die Unternehmen müssten sich neue Bezugsquellen suchen. Besser noch: "Sie können vielleicht helfen, mit ihren Zulieferbetrieben Einfluss zu nehmen, dass die Baumwolle dort effizienter, mit weniger Wasser und weniger Pestiziden angebaut wird“, sagt Geiger.

Industrieroboter vor einer Autokarosserie (Foto: AP)

Deutschland exportiert auch Wasser - es steckt in Maschinen und Autos

Als große Exportnation führt Deutschland mit seinen Autos und Maschinen ebenfalls virtuelles Wasser aus. Aber das hinterlässt hier kaum negative Spuren. Denn erstens ist der Verbrauch, auch der industrielle, in den vergangenen Jahren stark gesunken. Und zweitens gibt es hierzulande genügend Wasser.

Bisher existiert eine vergleichbare Studie nur für den sogenannten "Wasser-Fußabdruck“ Großbritanniens in der Welt. Die Briten importieren relativ gesehen mehr virtuelles Wasser als Deutschland, 62 statt knapp 50 Prozent des gesamten Wasserverbrauchs. Doch die 79,5 Milliarden Kubikmeter deutscher Wasserimport sind absolut fast ein Viertel mehr als der der Briten. Weitere Studien über den "Wasser-Fußabdruck“ Belgiens, Schwedens und der Schweiz sollen bald veröffentlicht werden.

Autor: Michael Braun

Redaktion: Rolf Wenkel

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