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Nahost

Kein Umweg über Riad

Der Krieg in Israel und Palästina ist voll im Gange. In den vergangenen Tagen gab es auf beiden Seiten zahlreiche Tote und Verletzte. Kann da jemand noch an Frieden denken? Ein Kommentar von Vladimir Müller.

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Ja, der israelische Außenminister Schimon Peres denkt an Frieden. In einem Artikel für die "Süddeutsche Zeitung" vom 04.03. 2002 greift er die saudi-arabische Friedensinitiative auf und begrüßt sie ausdrücklich. In einem Zeitungsinterview Mitte Februar hatte der saudi-arabische Kronprinz Abdullah angeregt, Israel voll anzuerkennen und mit ihm normale Beziehungen aufzunehmen. Vorausgesetzt, der jüdische Staat räumt die besetzten palästinensischen Gebiete.

Schimon Peres muss dieses Angebot vertraut sein: Die Losung "Land für Frieden" ist eine israelische Erfindung, die kurz nach dem "Sechs-Tage-Krieg" 1967 formuliert wurde. Als gesellschaftlicher Konsens wurde sie damals von der Mehrheit der Bevölkerung akzeptiert. Selbst der seinerzeit als Hardliner geltende Ministerpräsident Menachem Begin war bereit, Land für Frieden zu tauschen. Anfang der achtziger Jahre gab er die Sinai-Halbinsel, die Israel 1967 erobert hatte, für einen Friedensvertrag mit dem bis dahin stärksten Gegner Israels - Ägypten - zurück.

Die Überraschung war groß, als nun Friedensfühler gen Jerusalem ausgerechnet aus Riad ausgestreckt wurden. Aus dem "tiefsten Herzen der islamischen Welt", schrieb begeistert die israelische Zeitung "Ha´aretz". Nicht wenige im jüdischen Staat sahen schon ein Licht am Ende des Tunnels, eine echte Chance für den Frieden.

Das ist sie wohl kaum. Die israelischen Panzer in Dschenin und Nablus, der Selbstmordattentat in Jerusalem und die Tötung der israelischen Soldaten und Zivilisten an einem Kontrollpunkt im Westjordanland machen deutlich, dass die eigentlichen Kriegsparteien Israel und die Palästinenser sind. Es ist ohne Zweifel eine gute Nachricht, wenn Saudi-Arabien oder andere arabische Länder Bereitschaft zum Frieden zeigen. Jeder Vermittlungsversuch kann nützlich sein, eine echte Chance ist er aber deshalb noch nicht.

Frieden verhandeln und schließen können Israelis und Palästinenser nur in direkten Verhandlungen. So wie es früher Israels Premier Begin und der ägyptische Präsident Sadat getan haben. Schimon Peres braucht keine Ausschau nach neuen Verhandlungspartnern zu halten. Es gibt die Palästinensische Behörde - und es gibt den Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat.

Der Nahe Osten war lange Zeit ein Platz für Stellvertreterkriege. Der Kollaps der Schutzmacht Sowjetunion hatte keine Lösung des Konflikts mit sich gebracht. Eine Einigung über den Umweg Saudi-Arabien wäre ebenfalls nichts weiter als der Versuch, das Problem durch Stellvertreter-Verhandlungen zu lösen. Angesichts der derzeitigen Eskalation in Auseinandersetzungen spricht aber wenig dafür, dass der Konflikt auf diese Weise gelöst werde könnte.