1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Kein "Terror-Tatort" im ARD-Neujahrsprogramm

Terror an einem öffentlichen Platz, Tote, Verletzte, Chaos: Der geplante Neujahrs-"Tatort" erinnerte an den Anschlag von Berlin. Nun verschiebt die ARD die Folge der beliebten Krimiserie.

"Sturm" heißt die Folge der TV-Krimireihe "Tatort", die ursprünglich am Neujahrstag in der ARD ausgestrahlt werden sollte. Das Dortmunder Ermittlerteam rund um Peter Faber (Jörg Hartmann) und Martina Bönisch (Anna Schudt) bekommt es mit einem radikalisierten Täter im Sprengstoffgürtel zu tun. Um es vorwegzunehmen: Die Geschichte geht nicht gut aus.

Nach hitzigen Diskussionen in verschiedenen deutschen Medien hat sich die ARD nun entschieden, die Tatortfolge zu verschieben. "Natürlich muss ein Tatort nah an den gesellschaftlichen Realitäten sein. Aber mit Rücksicht auf die Opfer, ihre Angehörigen, Betroffene und das Empfinden von Zuschauern wollen wir diesen "Tatort" nicht am Abend des ersten Tages im neuen Jahr, sondern mit größerem zeitlichen Abstand zeigen", begründete ARD-Programmdirektor Volker Herres den Schritt.

Deutschland ARD-Talkshow Anne Will mit Nikab-Nora (picture-alliance/dpa/NDR/Wolfgang Borrs)

Junge radikalisierte Frauen: Thema beim Tatort und beim darauf folgenden Polit-Talk Anne Will

Der "Tatort": Das ist seit 1970 ein quotenträchtiges Krimiformat, ein nationales Abendritual auf dem Sofa mit leichtem Schauderfaktor. Obwohl: Tatorte waren auch immer wieder sehr politisch. Das haben sich schon mehrfach die darauf folgenden Talkshows von Günter Jauch und Anne Will zunutze gemacht und die Tatort-Themen im Polit-Talk aufgenommen. Dabei kam es auch zu umstrittenen Debatten, etwa als bei Anne Will im Nachgang der Tatort-Folge "Borowski und das verlorene Mädchen" eine junge Schweizerin in Vollverschleierung die Beteiligung am Kampf in Syrien als Zivilcourage lobte.

Terror ist Thema - auch im Tatort

Noch 2015 hatte die ARD eine Tatort-Doppelfolge wegen der kurz zuvor verübten Anschlägen in Paris verschoben. "Es passt einfach nicht, in diesen Wochen eine Krimireihe zu zeigen, in der es auch um einen terroristischen Angriff geht", begründete damals der NDR-Programmdirektor Frank Beckmann die Entscheidung. Kommissar-Darsteller und Produzent Til Schweiger protestierte erfolglos, die Folgen wurden erst Anfang 2016 ausgestrahlt. Es sollten 2016 nicht die einzigen Tatorte bleiben, in denen es um den Heiligen Krieg und Terror mit islamistischen Hintergrund ging. 

Neujahrstag mit terrorfreiem Tatort

Fernsehfilm Tatort: Sturm (WDR/Frank Dicks)

Kommissar Peter Faber stellt sich dem Terror entgegen

Am Neujahrstag übernimmt nun das Saarbrücker Team um Hauptkommissar Jens Stellbrink (Devid Striesow). In dem verschobenen Dortmund-"Tatort" zündet ein Terrorist mit dem Ruf "Allahu Akbar" ("Gott ist am größten") am Schluss des Krimis einen Sprengsatz, der mehrere Menschen das Leben kostet. Die Terroristen sterben, die Polizisten sterben. Das ist das Schlussbild nach 90 Minuten. Die Szene ist der Realität in Deutschland leider erschreckend nah gekommen. 

jhi/suc (ARD, WDR)

Die Redaktion empfiehlt