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Politik

Kein Routinejob

Bundespolitischer Korrespondent und Parlamentsberichterstatter heißt der Job offiziell. Das klingt staubtrocken, aber dahinter verbirgt sich die spannendste Aufgabe in fünfzehn Jahren Radio, findet Mark Kleber.

Mark Kleber 2008 in Kenia (Foto: DW)

Mark Kleber 2008 in Kenia

Regierungserklärung im Bundestag: die Kanzlerin spricht vormittags, die Programme wollen für mittags eine Einschätzung. Die Weltklimakonferenz in Kopenhagen droht nur heiße Luft zu produzieren? Der Bericht mit Stimmen von Experten muss in zwei Stunden stehen. Ein neuer Personalvorschlag für die EU erregt Aufsehen, schnell raus und mit dem Aufnahmegerät Reaktionen von Oppositionspolitikern sammeln. So sehen die Tage als Radiomann im Hauptstadtstudio manchmal aus. In Berlin bin ich hautnah dran am politischen Geschehen, kann Zusammenhänge entdecken und manchmal sogar das Gras wachsen hören, wenn ich Informationen aus erster Hand kriege. Kein Tag gleicht dem anderen, bis auf eines: Politik so zu erklären, dass die Hörer verstehen, was los ist.

Immer unterwegs auf Auswärtsspielen

Mark Kleber als Reporter auf dem G8-Gipfel in L’Aquila Juli 2009 (Foto: DW)

Mark Kleber als Reporter auf dem G8-Gipfel in L’Aquila Juli 2009

Was die Arbeit so abwechslungsreich macht, ist nicht nur die breite Themenpalette, von Anti-Terrorgesetzen über Wirtschaftskrise bis zu Entwicklungspolitik, sondern auch, dass mein Schreibtisch nur die Basis-Station ist. Immer wieder habe ich meine kleinen Auswärtsspiele, mal ein paar hundert Meter weiter beim Interview im Bundestag, mal viele Reisestunden entfernt: Mit der Integrationsbeauftragten in der Türkei, beim G8-Gipfel im italienischen L’Aquila oder mit der Welthungerhilfe unterwegs in Kenia. Jetzt bald in Indien: Ein für mich unbekanntes Land, eine neue Erfahrung, eine echte Herausforderung als Ein-Mann-Team. Im Reisegepäck nicht nur viele Kilogramm an Technik, sondern jede Menge Neugier und hoffentlich ausreichend Gelassenheit, falls etwas schief geht. Improvisieren gehört dazu, man sollte immer einen Plan B im Kopf haben.

Wie für mich Plan B zum Zug kam

Dass ich mal als Radiojournalist arbeiten würde, war für mich auch nicht gerade der Plan A. Ursprünglich wollte ich zum Film, dann zum Theater, gelandet bin ich – nun ja – auf der politischen Bühne. Nachdem ich mein Studium als Diplom-Theaterwissenschaftler abgeschlossen hatte, war es mehr der Zufall, der mich zum Hörfunk verschlug. Volontariat beim damaligen Süddeutschen Rundfunk, dann viele Stationen im Sender, der 1998 mit dem Südwestfunk zum SWR verschmolz. Seitdem habe ich Bauern auf der Ostalb ebenso interviewt wie weltbekannte Schauspieler, habe Theaterkritiken geschrieben, unterschiedlichste Sendungen moderiert und als Fernsehredakteur gearbeitet, vor allem in Stuttgart, wo ich auch geboren bin. 2001 der Wechsel zu den Hörfunknachrichten, kurz bevor der elfte September die Welt in den Ausnahmezustand versetzte. Seitdem war ich für aktuelle Sendungen zuständig. Daneben habe ich auch Hörspiele und ein Kinderbuch geschrieben, aber dafür lässt die Arbeit als Korrespondent kaum mehr Zeit. Stattdessen ermöglicht sie seit nunmehr zweieinhalb Jahren jede Menge Erfahrungen, nicht nur den Blick hinter die Kulissen der Macht, sondern auch immer wieder Begegnungen mit Menschen.

Und jetzt Indien

Darauf freue ich mich auch für die Zeit in Indien, wo ich eine Woche lang Doreen Grüttner begleite, die als Freiwillige in einem indischen Entwicklungsprojekt mitarbeitet. Für mich die Gelegenheit, für kurze Zeit in eine Welt voller Gegensätze einzutauchen. Davon möchte ich möglichst viel weitergeben, dichte, einprägsame Eindrücke, Bilder und Geschichten, die etwas erzählen vom Leben in der Mitte Indiens – und natürlich davon, wie es ist, wenn man wie Doreen für ein halbes Jahr Deutschland verlässt, um am Rande der Millionenstadt Nagpur Baumwollbauern im Kampf gegen die wachsende Trockenheit zu unterstützen.

Autor: Mark Kleber

Redaktion: Birgit Görtz