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Aktuell Europa

Kein Potter, kein Hype

Der große Andrang ist ausgeblieben: Seit neun Uhr liegt das neue Werk der kommerziell erfolgreichsten Autorin in den Buchläden. J. K. Rowlings erster Erwachsenen-Roman ist ein Bruch mit der Harry Potter-Welt.

Nach viel Geheimniskrämerei über den Inhalt ihres Buches "Ein plötzlicher Todesfall" (Originaltitel: "The Casual Vacancy") im Vorfeld, verlief der Verkaufsstart eher schleppend. Am Donnerstag ist der Roman im englischen Original und auf Deutsch erschienen. In England hatten viele Buchläden extra eine Stunde früher geöffnet, um den erwarteten Ansturm bewältigen zu können. In London haben sich aber keine Warteschlangen vor den Läden gebildet.

Ein ähnliches Bild zeichnet sich auch in Deutschland ab. Ein Sprecher der Buchhandelskette Hugendubel sagte in München, es sei kein Vergleich mit Harry Potter. Niemand habe vor dem Laden gewartet. Bei Thalia in Hamburg hieß es, man habe einige Exemplare verkauft, aber es gebe keinen Run. Julia Sander vom Düsseldorfer Buchhaus Stern-Verlag erklärte, die Nachfrage in den Tagen vor der Veröffentlichung habe auf mehr Hype hingedeutet. "Wir hatten sogar eine Auflage, die Folien der Bücher nicht vor neun Uhr zu öffnen. Pro geöffnetem Buch hätten wir 1000 Euro Strafe zahlen müssen." Allerdings verzeichnet der Buchhandel bisher tausende Vorbestellungen. Auch auf der Bestseller-Liste des Online-Buchhändlers Amazon lag das Buch am frühen Nachmittag auf Platz vier - hinter den drei Bänden der Sadomaso-Reihe "Shades of Grey".

Deutliche Abkehr von Harry Potter

Die gebundene Ausgabe des neuen J. K. Rowling Buches The Casual Vacancy (Foto: Little/Brown Book Group)

Das Cover von The Casual Vacancy

"Ein plötzlicher Todesfall" handelt von einem fiktiven englischen Städtchen, in dem unerwartet ein Mitglied des Pfarrgemeinderats stirbt und ersetzt werden muss. Ein intrigenreicher Wahlkampf nimmt seinen Lauf. Mit den Schilderungen von Rassismus, Heroinsucht, Alkoholismus, Prostitution und sexueller Begierde steht Rowlings neues Werk in klarem Kontrast zu den Zauberlehrlings-Geschichten. Dort war es noch ein klassischer Kampf zwischen Gut und Böse: Idealisierte Jugendliche um Harry Potter gegen das personifizerte Grauen Lord Voldemort. Mit dieser Welt bricht sie vollständig.

In den ersten Rezensionen wird das Buch meist kritisch gesehen. Die britische Zeitung "The Guardian" lobt zwar, das Buch vermittle die Botschaft, Verantwortung für andere zu übernehmen. Insgesamt kommt das Blatt aber zu einem eher negativem Fazit: "Es hinterlässt ein leichtes Gefühl der Enttäuschung." Die Kritiker der "New York Times" wurden deutlicher: "Leider ist die Welt, die sie beschreibt, so vorsätzlich banal und bedrückend klischeehaft, dass 'The Casual Vacancy' nicht nur enttäuscht - es ist niveaulos." Das Magazin "Time" zeigt sich hingegen begeistert: "Es ist ein großer, ambitionierter, brillanter, profaner, lustiger, tief erschütternder und großartig eloquenter Roman über das zeitgenössische England."

Zugpferd des Carlsen-Verlags

Die Schriftstellerin J. K. Rowling (Foto: ap)

Die Schriftstellerin J. K. Rowling

Trotz des vergleichsweise schleppenden Verkaufsstarts setzt der Carlsen-Verlag, in dem das Buch erscheint, auf den "Rowling-Effekt". Vorab wurden bereits 500.000 Exemplare gedruckt. Verleger Joachim Kaufmann sagte, er rechne damit, dass "Ein plötzlicher Todesfall" dem Haus einen zusätzlichen Umsatz von zehn Millionen Euro bescheren werde. Carlsen veröffentlicht auch die E-Book-Version des 576 Seiten dicken Romans. "In Deutschland hat das Thema E-Book richtig Fahrt aufgenommen, deshalb rechnen wir mit bis zu 100.000 verkauften Exemplaren", sagte Kaufmann.

Rowling ist eine der wichtigsten Autorinnen des Hamburger Verlagshauses. Jedes Jahr werden noch immer 70.000 Exemplare von jedem einzelnen Harry Potter-Band verkauft. Damit stehe Rowling für "gut zwei Prozent unseres Umsatzes", so Kaufmann.

pt/rb (dpa, afp, dapd)