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Politik

Kein Platz für Gaddafis Zelt

Während der UN-Vollversammlung eine Unterkunft in New York zu finden, ist nicht einfach. Es sei denn, man hat das nötige Kleingeld. Doch wenn man libyscher Staatschef ist und besondere Wünsche hat, nützt auch das nichts.

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Es ist sein Markenzeichen und Muammar el-Gaddafi nimmt es überall hin mit: das riesige Beduinenzelt. Er hat es schon in Rom und Paris aufgestellt, und diesmal sollte es also New York sein. Schließlich war es das erste Mal, dass der Libyer vor der UN-Vollsammlung eine Rede halten durfte.

Doch Gaddafi musste schnell feststellen, dass die Gastfreundschaft der New Yorker Grenzen hat. Vor allem, wenn es um einen Mann geht, der vor kurzem noch auf der Liste der Staatsterroristen ganz oben stand. Und der gerade erst den freigelassenen Hauptverantwortlichen für das Lockerbie-Attentat mit großen Ehren und einer Umarmung empfangen hatte. So einen lässt man hier nicht Hof halten.

Von allen vertrieben

Die Anfrage nach einem Zeltplatz im Central Park wurde also schnell negativ beschieden. Vermutlich hatte der Secret Service auch keine Lust auf den Aufwand, der nötig gewesen wäre, den Staatschef inmitten der Grünfläche vor allem vor den aufgebrachten New Yorkern zu schützen. Auch ein Gelände in New Jersey, das der libyschen Botschaft gehört, kam nicht in Frage. Ein Erlass von 1982 spricht der US-Regierung in Washington das Recht zu, über die Verwendung der Botschaftsgelände anderer Nationen zu verfügen. Ist also nichts mit exterritorialem Gebiet. Über den Vorgarten anderer Länder kann das US-Außenministerium vor allem dann bestimmen, wenn er auf seinem Boden liegt.

Nach diesen fruchtlosen Versuchen wollten die Libyer nun ganz schlau sein und ein Gelände nutzen, das mehr als 70 Kilometer nördlich von Manhattan liegt. Der Eigentümer: Baulöwe Donald Trump. Mieter war nicht Gaddafi direkt sondern offenbar ein Mittelsmann aus dem Nahen Osten, von dem die Trump-Leute nicht genau sagen konnten, welche Beziehungen er zu dem Libyer hat. Vermutlich hat er einfach genug Geld bezahlt. Dann stellt man eben keine Fragen. Schließlich hat auch der britische Justizminister eingeräumt, dass Handelsfragen bei der Freilassung des Lockerbie-Attentäters eine sehr große Rolle gespielt haben. Jetzt ist der Weg frei für einen Vertrag des Ölmutlis BP mit dem nordafrikanischen Land.

Beduinenzelt in Bedford

Das beschauliche Städtchen Bedford also mit seinen 16.000 Einwohnern sollte dem Wüstensohn als Zuflucht dienen. Doch als die Nachbarn merkten, was da gespielt wird, gab es Proteste. Und die Amerikaner wurden auf einmal sehr bürokratisch. Der Aufbau des Zeltes verstoße gegen die Baugesetze des Ortes, ließ der Rechtsvertreter Bedfords wissen. Und Donald Trump schaltete sich flugs persönlich ein. Er habe Gaddafi rausgeschmissen, ließ er mitteilen. Das Zelt wurde wieder abgebaut.

So musste der Wüstensohn weiterziehen, wohin, war nicht zu erfahren. Am Mittwoch hatte er aber dennoch den Auftritt seines Lebens. Über anderthalb Stunden überzog er die Mitglieder der Vollversammlung mit seinen Tiraden, wedelte mit der UN-Charta, zerriss einige Seiten, bezeichnete Barack Obama als Sohn Afrikas, der, wenn es nach ihm ginge, auf ewig US-Präsident bleiben könne und überschritt seine Redezeit um das sechsfache. Die New York Times hatte am Donnerstag auf der Titelseite ein Bild, auf dem selbst der Vorsitzende der UN-Vollversammlung die Hände vor dem Gesicht zusammenschlägt. Und der Mann ist immerhin libyscher Afrikaminister.

Doch das alles wird letztlich in der Geschichte der Vereinten Nationen nur eine Anekdote bleiben. Die Völkergemeinschaft hatwichtigeres zu tun, als sich lange über die Eskapaden und Ausfälle eines umherirrenden Nomaden aufzuregen.

Autorin: Christina Bergmann
Redaktion: Frank Wörner