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Kultur

Kein Monopolist der Internet-Branche

Die Google-Idee ist ein Erfolg und der Börsengang des Internet-Unternehmens wird es auch. Doch die Suchmaschine ist nicht nur "cool" und ihre Technik fragwürdig, meint Holger Hank in seinem Kommentar.

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Ist es wieder soweit? Mit dem angekündigten – und sicherlich dann auch erfolgreichen - Börsengang des US-amerikanischen Internet-Anbieters Google werden Erinnerungen an den Internet-Boom der späten 1990er-Jahre wach. Denn diese so genannte Suchmaschine steht für eine der größten Erfolgsgeschichten, die das Medium Internet zu bieten hat. Dafür sprechen nicht nur die ungefähr 200 Millionen Suchanfragen in 80 Sprachen, die Google Tag für Tag bearbeitet, sondern auch die Tatsache, dass der Name des Unternehmens inzwischen sogar Eingang in die Umgangssprache gefunden hat. "Das habe ich gegoogelt", sagt inzwischen auch auf Deutsch, wer gerade zu einem Suchbegriff die passende Information im Netz gefunden hat.

Der Erfolg von Google lässt sich einfach erklären: Seit es Google gibt, steht Internet-Nutzern ein zuverlässiges und einfaches Hilfsmittel zur Verfügung, um schnell das zu finden, was man wissen will. Die Google-Story begann vor gerade einmal sechs Jahren mit der ebenso guten wie simplen Grundidee zweier kalifornischer Studenten: Eine Internet-Seite ist höchstwahrscheinlich dann informativ, wenn möglichst viele andere Internet-Angebote auf sie verlinken. Die Seiten, die also am besten im World Wide Web vernetzt sind, landen bei Google ganz oben auf den Trefferlisten. Angesichts von Milliarden von Internet-Seiten ist es nur noch mit einer ausgeklügelten Technik und vielen 1000 schnellen Rechnern möglich, halbwegs den Überblick zu behalten und Wichtiges von Datenschrott zu trennen.

Unkommerziell und angesagt

Doch Technik ist nicht alles: Google ist auch deshalb weltweit Nutzers Liebling, weil Google immer die Bedürfnisse der Internet-Nutzer im Blick hatte. Das zeigt schon ein Klick auf die Seite: Fast spartanisch präsentiert sich die Seite, weniger ist mehr lautet die Devise. Während Googles Konkurrenten wie etwa der Internet-Pionier Yahoo immer neue Features auf ihre Seiten packten und sich oft verzettelten, blieb Google einfach das, was es war: Eine Seite, bei der man schnell und treffsicher suchen kann. Auch auf bunte Banner-Werbung verzichtete das kalifornische Unternehmen. Selbst das erwies sich als clever, denn man konnte in den vergangenen Jahren eh kaum Geld mit Internet-Werbung verdienen, und bei den Usern galt Google dafür weiterhin als unkommerziell und angesagt.

Der anstehende Börsengang zeigt jetzt, dass hinter der "coolen" Fassade schon seit vielen Jahren Menschen mit Geschäftssinn die Fäden in der Hand halten. Denn längst ist klar, dass Google seine einzigartige Marktstellung dazu nutzt, um zu beweisen, dass man im Internet Geld verdienen kann. Suchtreffer gegen Bezahlung zu verkaufen, ist dabei nur eine von Googles Konzepten. Kürzlich sorgte Google in der Internet-Szene für Aufregung, als es einen neuen kostenlosen E-Mail-Dienst startete. Wer bei Google seine Internet-Post liest, bekommt – dank ausgefeilter Technik - zum Inhalt der Mail gleich noch passende Werbung präsentiert. "Big Brother Google" lese mit, warnten da die Datenschützer.

Datenanbieter

Zumal Google in der letzten Zeit immer wieder aufgrund seiner zunehmenden Datensammelleidenschaft ins Gerede gekommen ist. Wer sich wo im Internet bewegt, ist schließlich eine spannende Frage, um Werbung gezielt an den Internet-Kunden zu bringen. Gerade in diesem Bereich will Google vermutlich bald das große Geld verdienen: Als Anbieter von Daten über Internet-Nutzung und wohlmöglich auch über einzelne Internet-Nutzer.

Das ist nicht das erste Mal, dass Google in die Kritik geraten ist. Als vor knapp zwei Jahren Google sein eigenes Nachrichtenangebot "Google News" startete, wurden viele Journalisten nervös: Denn Googles Computer sammeln alles, was es zu einer Nachricht im Netz gibt und präsentieren vollautomatisch topaktuelle Linkpakete, ohne dass ein einziger Redakteur sich Gedanken darüber gemacht hatte, was davon wichtig und unwichtig sein könnte. Den Journalismus - wie manche befürchteten – hat Google damit sicherlich nicht überflüssig gemacht. Doch Internet-Seiten wie zum Beispiel DW-WORLD, dem Online-Angebot der Deutschen Welle – hat Google mit diesem Angebot eindrucksvoll gezeigt, wer im Internet die Userströme leitet. Ohne die vielen Klicks via Google wären auf den meisten Internet-Angeboten viel weniger User unterwegs. Es ist durchaus denkbar, dass Google daraus in Zukunft Kapital schlagen und Internet-Anbieter zur Kasse bitten könnte. Deshalb ist es eine gute Nachricht, dass Unternehmen wir Microsoft und Yahoo, die Google lange unterschätzt haben, jetzt ebenfalls in großem Stil ihre Suchmaschinen aufrüsten. Ein Monopolist Google wäre nämlich eine Gefahr für die Medienfreiheit.

  • Autorin/Autor Holger Hank
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