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Musik

Kein Mann für eine Schublade

Michael Nyman gilt als einer der bedeutendsten und kreativsten Komponisten der Gegenwart. Vor allem mit seiner Filmmusik ist er einem breiten Publikum bekannt geworden. Am 23. März 2014 feierte er seinen 70. Geburtstag.

Sein Oeuvre ist schier unüberschaubar: Michael Nymans kompositorisches Schaffen reicht von Opern und Orchesterwerken über Kammer- und Filmmusik bis hin zu Werken für Tanz- und Musiktheater. Dass darunter keine Sinfonien waren, hat den innovativen Künstler wohl selbst geärgert: "Ich habe zu Weihnachten 2012 beschlossen, mir zum 70. Geburtstag selbst ein Geschenk zu machen und zehn Sinfonien zu schreiben", erzählt Nyman in einem Dokumentarfilm ("The Nyman Sessions - 2 Days, 2 Symphonies"). Die ersten beiden, Nr. 2 und Nr. 5, sind gerade mit dem World Orchestra unter Josep Vicent eingespielt worden.

Vielseitig

Das Foto zeigt ein Bühnenbild der Oper Facing Goya bei einer Hauptprobe im Badischen Staatstheater Karlsruhe (Foto: picture-alliance/dpa/dpaweb)

Nyman Oper "Facing Goya" in Karlsruhe

Michael Nymans künstlerische Vielseitigkeit ist bemerkenswert: Er hat sich weltweit einen Ruf als begnadeter Komponist und Pianist gemacht, arbeitet als Dirigent und Bandleader, als Autor und Musikwissenschaftler. Und in den vergangenen Jahren widmete er sich dann auch vermehrt der Fotografie und Videokunst. In seiner Wahlheimat Mexico-City habe er sein "visuelles Paradies gefunden, wo er nicht aufhören könne, zu fotografieren", zitierte ihn unlängst der Londoner 'Telegraph'.

Nyman wurde 1944 in London geboren. Seine musikalische Ausbildung erhielt er an der Royal Academy of Music und am King‘s College London, wo er unter anderem Klavier und Musikgeschichte studierte. In den 60er Jahren arbeitete er zunächst als Musikwissenschaftler und Musikjournalist. Er soll 1968 als erster den Begriff "Minimal Music" angewendet haben, eine Musikrichtung, für die Komponisten wie Steve Reich und Philip Glass stehen, die ihn in seinem eigenen musikalischen Schaffen wesentlich beeinflusst haben. Sein 1974 veröffentlichtes Buch "Experimental Music: Cage and Beyond" zählt mittlerweile zu den Standardwerken auf dem Gebiet der experimentellen Musik.

Experimentierfreudig

Michael Nieman am Klavier beim Live Earth-Konczert im Toji Tempel von Kyoto, Japan (Foto:EPA/EVERETT KENNEDY BROWN +++(c) dpa - Report)

Am Klavier beim Live Earth-Konzert in Kyoto/Japan 2007

1976 gründet Michael Nyman sein eigenes Ensemble, die Campiello Band, aus der die heutige Michael Nyman Band hervorgegangen ist. Sein Stil ist unverkennbar aber unaufdringlich, mal leicht tänzerisch, mal meditativ verträumt: Nymans musikalische und künstlerische Experimentierfreude ist so groß, dass er in keine Schublade passt. Seine Musik erinnert schon mal an Debussy oder Chopin, bindet Pop- oder Jazzelemente ein, aber am Ende bleibt es immer der Nyman-Klang. Der Musiker bewegt sich scheinbar mühelos zwischen verschiedenen Ausdrucksmöglichkeiten und kennt keine Berührungsängste. So schrieb er die Musik für eine Modenschau von Avantgardedesigner Yohji Yamamoto und für das Computerspiel "Enemy Zero".

Erfolgreich

Vor allem durch seine Filmmusik, die ihm seine größten kommerziellen Erfolge bescherte, wurde Nyman weltbekannt. Er komponierte Soundtracks für zwölf Filme von Peter Greenaway, darunter auch "Der Kontrakt des Zeichners" und "Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber". Auch die Musik für Volker Schlöndorffs Film "Der Unhold" stammt aus seiner Feder.

Das Foto zeigt ein Stilleben mit Jane Campion Ada (HOLLY HUNTER) und Tochter Flora (ANNA PAQUIN) in Das Piano (Film: picture alliance/kpa)

So berühmt wie die Musik: Stillleben aus "Das Piano"

Zu seinen bekanntesten Filmkompositionen aber zählt zweifellos die Musik zu Jane Campions "Das Piano", die ihm 1994 eine Golden Globe-Nominierung einbrachte.

Zu Ehren von Michael Nyman findet am 30. April ein Geburtstagskonzert mit seinen Werken in der Royal Festival Hall in London statt. Auf dem Programm steht seine für diesen Anlass geschriebene zweite Sinfonie.