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Europa

Kein leichtes Leben für schwule Muslime

Wie viele andere Religionen auch lehnt der Islam die Homosexualität ab. Auch wenn in Deutschland Anti-Diskriminierungsgesetze Homosexuelle schützen, haben es Muslime nicht leicht - besonders in ihren Familien.

Zwei homosexuelle Männer halten sich an den Händen (Foto: dpa)

"Eine Krankheit wie Alkoholismus"

Mourad ist Muslim - und er ist homosexuell. Der Friseur steht offen zu seiner Homosexualität, meistens jedenfalls. Denn während seine Kollegen, Kunden und Freunde wissen, dass er homosexuell ist, hat seine Familie keine Ahnung. "Ich lebe auch wirklich mit Angst in mir. Mein Vater würde sehr, sehr heftig reagieren. Entweder würde er mich verstoßen oder, am schlimmsten, er würde mich vielleicht sogar umbringen." Aus diesem Grund wurde sein Name für diesen Artikel geändert.

Geheimnisse vor der Familie

Moschee in Duisburg-Marxloh (Foto: picture-alliance/dpa)

Der Islam akzeptiert keine Homosexualität

Der 25-jährige Hairstylist ist in Berlin geboren und arbeitet heute im multikulturellen Köln. Seine Großeltern sind als Gastarbeiter in den 60er-Jahren aus der Türkei nach Deutschland gekommen. Und obwohl auch seine Eltern schon über vier Jahrzehnte hier leben, kann Mourad auf ihre Offenheit und ihr Verständnis nicht zählen. In der Türkei seien die Kultur und Mentalität einfach anders, sagt er. Und seine Familie sei streng religiös.

Der Islam lehnt, wie die meisten Religionen, Homosexualität ab. Der Koran fordert nach konservativer Auslegung die Bestrafung von Homosexualität. Das Ausleben gleichgeschlechtlicher Liebe werde auch als eine Charakterschwäche angesehen, gegen die die Betroffenen ankämpfen sollen, erklärt Mustafa Hadzic, Imam der Bosniakischen Islamischen Gemeinschaft in Köln. "Das ist eine Krankheit, die man heilen muss, genau so wie Alkoholismus. Unsere Islamische Lehre sagt, dass das eine Sünde ist, wir wollen das nicht. Jemand der sich so verhält ist im Islam ein großer Sünder, aber kein Ungläubiger. Das muss man unterscheiden."

Schwierige Situation

Homosexuelles Pärchen küsst sich auf einer Bank (Foto: picture-alliance/dpa)

So unbekümmert können homosexuelle Muslime oft nicht in der Öffentlichkeit auftreten

Mustafa Hadzic setzt sich keinesfalls für die Bestrafung von Homosexuellen ein, sondern er sieht seine Rolle als Imam darin die Betroffenen zur Umkehr zu bewegen. Deswegen setzt er auf Gespräche und Überzeugungsarbeit. Jegliche Anwendung von Gewalt gegen Schwule, so wie es in vielen islamischen Ländern üblich ist, lehnt er strikt ab: "Niemand hat das Recht die Selbstjustiz auszuüben - weder die Einzelnen, noch die Familie. Das gibt es in Islam nicht."

Für Mourad aber ist dies nur ein schwacher Trost. Denn jedes Mal, wenn er zu seinen Eltern gehe, habe er Angst, erzählt er. "Wenn ich den Schlüssel in das Schloss stecke und die Tür öffne, denke ich jedes Mal: Ok, die springen jetzt auf mich, die haben es jetzt erfahren. Mit dieser Angst gehe ich zu meinen Eltern." So wie ihm gehe es vielen homosexuellen Migranten in Deutschland, erklärt Fabian Spies. Homosexuelle könnten von ihren Familien ausgestoßen und enterbt werden, sagt er. Teilweise bekämen sie auch Morddrohungen. Spies arbeitet bei einer Beratungsstelle speziell für homosexuelle Migranten. Diese Stellen wollen den Betroffenen dabei helfen, sich zu bekennen. Die Homosexuellen sollen auf dem schwierigen Weg zu sich selbst unterstützt werden.

Das ist oft ein sehr schweres Unterfangen - das weißt auch Mourad. "Momentan ist es noch zu früh, dass meine Eltern das erfahren. Das möchte ich noch nicht. Wenn ich älter werde, müssen sie auf eine andere Art Bescheid bekommen oder es halt von anderen erfahren. Ich kann ihnen das persönlich noch nicht sagen. Das geht nicht."

Autor: Zoran Arbutina
Redaktion: Julia Kuckelkorn

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