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Afrika

Kein Königreich im Himmel

Lesotho wird aufgrund seiner Berge als „Königreich im Himmel“ bezeichnet. Himmlisch ist die Lage der Menschen dort allerdings nicht. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, ebenso die Aidsraten. Am Samstag finden Wahlen statt.

Wer nach Ribaneng will, muss entweder gut zu Fuß sein oder reiten können. In das kleine Bergdorf im Herzen Lesothos führt keine Straße, es gibt lediglich ausgetrampelte Pferdepfade, die an steilen Hängen entlang führen. Sechs Stunden verbringt man im Sattel und durchquert zwei Flüsse. Dann ist man in Ribaneng, das gut 100 Kilometer von der Hauptstadt Maseru entfernt liegt. Ribaneng ist kein richtiges Dorf, eher eine Ansammlung von kleinen Rundhütten mit Strohdächern. Hier wohnt der Schäfer Sotho Madikwe.

Hartes Leben

Dorf in Lesotho (Foto: Jörg Poppendieck)

Lesotho – geprägt von Armut und Arbeitslosigkeit

Madikwe lebt vom Verkauf der Wolle seiner 14 Mohair-Schafe. "Viel bringt das nicht ein. Das Leben hier ist hart und ich muss mich nicht nur um meine Kinder und meine Frau kümmern, sondern auch um meine Brüder und Schwestern", erzählt Madikwe und treibt seine Tiere zurück ins Dorf. Die haben den Tag über im steilen Gelände geweidet. Der 36-jährige erzählt unterwegs, dass er aus Ribaneng weg will, um anderswo Arbeit zu finden. Doch das Problem ist, dass es keine Jobs gibt. Die Arbeitslosenrate in Lesotho, das eine parlamentarische Monarchie ist, liegt bei über 40 Prozent. Viele Einwohner Lesothos, die Basotho, haben früher in südafrikanischen Minen gearbeitet. Als diese geschlossen wurden, kamen die Wanderarbeiter zurück in ein Land, in dem die große Mehrheit von der Landwirtschaft abhängig ist. So wie der Schäfer Sotho Madikwe, der auf einen Regierungswechsel setzt. "Es ist gut, dass es jetzt Wahlen gibt. Von der aktuellen Regierung bekommen wir doch keine Hilfe. Ich werde der Opposition meine Stimme geben. Vielleicht ändert sich ja dann endlich hier mal etwas."

Blick auf Ribaneng (Foto: Jörg Poppendieck)

Ribaneng: Ein Dorf ohne Strom und fließendes Wasser

Die politische Situation im Königreich Lesotho, dessen Gebiet vollständig von Südafrika umschlossen wird, ist kompliziert. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon bezeichnete die Lage in dem Land mit seinen zwei Millionen Einwohnern kürzlich sogar als besorgniserregend. Im März verließ Premierminister Pakalitha Mosisili im Streit die Regierungspartei "Lesotho Congress for Democracy" und gründete eine neue Partei, den "Democratic Congress". 44 der 62 Abgeordneten folgten ihm, so dass jetzt eine neue Partei Lesotho regiert. Der Ausgang der Wahl gilt als offen.

Unruhen befürchtet

Manete Maschasha (Foto: Jörg Poppendieck)

Manete Maschasha

Manete Maschasha bereitet vor ihrer Hütte in Ribaneng das Abendessen vor. Auf offenem Feuer kocht sie in einem schwarzen, gusseisernen Topf Pap. Maisbrei, den es täglich gibt. Die 60-Jährige kann sich nichts anderes leisten. Ihr Mann ist vor sieben Jahren gestorben, er hat in einer Mine in Südafrika gearbeitet. Davon konnten sie gut leben. Jetzt braut sie Bier und verkauft es im Dorf. Von den Einnahmen versorgt Manete Maschasha auch ihre Tochter und ihre zwei Enkelkinder. Anders als Schäfer Madikwe ist sie gut auf die Regierung zu sprechen. "Klar, es gibt noch so viel zu tun", erzählt sie und rührt dabei stetig in dem schwarzen Topf, "aber die Regierung hat auch schon einiges erreicht. Sie hat die Rente eingeführt." Darauf setzt Manete. Mit ihrer Rente will sie später ihren Enkelkindern ein besseres Leben ermöglichen. Doch bis dahin sind es noch zehn Jahre - und die Lebenserwartung in Lesotho liegt bei 50 Jahren.

Manete im Interview (Foto: Jörg Poppendieck)

Im Gespräch: Manete mit dem DW-Reporter

Der Bau von Straßen und die Schaffung von Arbeitsplätzen - die beiden großen Themen im Wahlkampf. Der verlief zwar mehrheitlich friedlich. Und doch rechnen Beobachter damit, dass es im Rahmen der Wahlen in Lesotho zu Unruhen kommen könnte. Die Frustration angesichts von Armut und Arbeitslosigkeit ist hoch. Der ehemalige Erzbischof im südafrikanischen Kapstadt, Desmond Tutu, der Lesotho als sein zweites Zuhause bezeichnet, rief deshalb alle Beteiligten zu Gewaltlosigkeit auf. Tutu hat in den 70er Jahren als Bischof in Lesotho gearbeitet und war viel unterwegs, auf Pferden und Eseln. So, wie Sotho Madikwe und Manete Maschasha noch heute. Viel hat sich in den vergangenen Jahrzehnten für die Menschen in den Bergen nicht verändert. Und man kann davon ausgehen, dass auch die Wahlen nicht zu Veränderungen führen.