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Kultur

Kein Hass im Schulbuch

Länder wie Kuwait wehren sich gegen den Vorwurf, Heimat islamischer Terroristen zu sein. Die Regierung will in Schulbüchern fragwürdige Begriffe korrigieren. Religiöse Fundamentalisten im Parlament sind dagegen.

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Lernen soll ideologiefreier werden

Die Anschläge gegen westliche Ausländerviertel in der saudiarabischen Hauptstadt Riad im Mai 2003 hatten erneut deutlich gemacht, dass islamischer Fundamentalismus und Terrorismus in Saudi-Arabien einen fruchtbaren Boden vorfinden. Aber auch andere Länder am Persischen Golf sind vom einheimischen Terrorismus bedroht, in Kuwait beispielsweise kommt es immer wieder zu Anschlägen auf amerikanische Einrichtungen. Deshalb haben die Golfstaaten Saudi-Arabien, Katar, Bahrain, Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate und Oman Ende 2003 ein Abkommen zum gemeinsamen Kampf gegen Terrorismus beschlossen, das allerdings wenig Konkretes enthält. Dafür sind Saudi-Arabien und jetzt auch Kuwait auf eine Idee gekommen, die auf die Köpfe ihrer Jugendlichen zielt. Sie verspricht dauerhafte Erfolge im Kampf gegen Terrorismus - wenn die Idee gegen den Widerstand der religiösen Hardliner umgesetzt werden kann.

Versöhnung und Toleranz

Der kuwaitische Bildungsminister Rashid Al-Hamad hat Ende Dezember 2003 die Neubearbeitung der Schulbücher des Landes angekündigt. Es gelte, alle Begriffe aus ihnen zu entfernen, die geeignet seien, religiösen Extremismus anzufachen. Ziel dieser Aktion ist die Einführung von Begriffen und Inhalten, die zum besseren Verständnis anderer Kulturen und Religionen beitragen sollen. Deswegen werden besonders diejenigen Verse aus dem Koran für den Religionsunterricht und für andere Fächer ausgesucht, die geeignet erscheinen, Versöhnung und Toleranz zu verbreiten und den Respekt vor anders denkenden Menschen zu fördern. Ali Tarrah, Dekan der Fakultät für Soziologie an der Universität von Kuwait, sagt: "Die Schulbildung in unserem Land wimmelt von Begriffen, die bei unserer Jugend gegen andere Kulturen Hass schüren. Es ist eine rückständige Bildung, die den Keim für extremistisches Gedankengut in sich trägt."

Was Tarrah unter den vorgesehenen Änderungen versteht, ist eine umfassende Umstellung der Ausbildungsinhalte und eine Infragestellung bestimmter Begriffe: "Eine Revision der Ausbildungsinhalte bedeutet zum Beispiel eine Auseinandersetzung mit Begriffen wie "Dschihad" - dem Heiligen Krieg - oder "Ungläubiger", die Teil der islamischen Kultur sind und die wir neu definieren müssen."

Fragwürdiger Erfolg

Aber was die Regierung jetzt beschlossen hat, findet nicht unbedingt eine breite Zustimmung im Parlament, wo die religiösen Kräfte stark vertreten sind. Diese haben bereits ihren Widerstand gegen die Änderung der Schulbücher angekündigt. Die Maßnahme werde nur unter dem Druck der USA ergriffen und bedrohe die Fundamente der islamischen Religion - beides wird von der kuwaitische Regierung heftig bestritten. Darüber hinaus bezweifeln die Islamisten, dass die Ursache für den regionalen Terrorismus tatsächlich im Schulunterricht begründet liege.

Ob die Reformpläne der kuwaitischen Regierung erfolgreich umgesetzt werden können, hängt also von vielen Faktoren ab. In erster Linie vom Umfang der geplanten Reform. Zudem von der Frage: Wird die höchste islamische Autorität des Landes mitmachen, und werden andere arabische Länder mitziehen? Es gibt einen politischen Willen zur Veränderung, der sich aber gegen eine starke Front der Ablehnung durchsetzen muss. "Die Entscheidung ist getroffen die Bücher zu verändern, aber wie weit die Regierung gehen wird, um eine neue Vision durchzusetzen, bleibt offen. Dann muss sich diese Regierung entscheiden, ob sie eine Brücke zum Rest der Welt aufbauen oder ob sie sich weiterhin isolieren will", sagt Tarrah.