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Wirtschaft

Kein Grund für eine Nullzinspolitik

Im Kampf gegen die anhaltende Rezession hat die Europäische Zentralbank den Leitzins in der Euro-Zone auf den niedrigsten Zinssatz seit der Euro-Einführung gesenkt. Ein nötiger Schritt, meint Karl Zawadzky.

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Karl Zawadzky (Quelle: DW)

Karl Zawadzky

Die Absenkung des Zinssatzes, zu dem sich die Banken in der Euro-Zone bei der Europäischen Zentralbank Geld besorgen können, war nötig und möglich. Nötig war die Absenkung des Leitzinses um 0,5 Prozentpunkte auf jetzt nur noch 1,5 Prozent wegen der anhaltenden Konjunkturkrise. Die schlechten Nachrichten aus der Welt der Unternehmen finden kein Ende. Bei der Industrie brechen die Aufträge ein, immer mehr Unternehmen sind in akuten Schwierigkeiten, auf dem Arbeitsmarkt nimmt die Zahl der Kurzarbeiter und Arbeitslosen zu.

Möglich war die Absenkung des Leitzinses, weil die Preissteigerung praktisch keine Rolle mehr spielt. Von Inflation kann bei einer Preissteigerung zum Beispiel in Deutschland von 1,1 Prozent im Januar keine Rede mehr sein. Die Preise bewegen sich innerhalb der Spannbreite, die von der Notenbank als stabilitätspolitisch unbedenklich angesehen wird, also unterhalb von zwei Prozent.

EZB auf richtigem Kurs

Mit ihrem Beschluss hat die Europäische Zentralbank genau den Erwartungen entsprochen, die Präsident Jean-Claude Trichet bereits seit Wochen genährt hatte. Die Banken sind nicht überrascht worden. Im Gegenteil: Alles andere als die jetzt verkündete Zinssenkung wäre eine Überraschung gewesen. Der Europäischen Zentralbank ist zu bescheinigen, dass sie sich mit ihrer Geldpolitik auf dem richtigen Kurs befindet. Und der weist für den Leitzins abwärts.

Vom Sommer des Jahres 2000 an betrug der Leitzins 4,25 Prozent; damals nahmen die Wirtschaftsleistung und die Preise zu. Im Herbst vergangenen Jahres, als der Aufschwung längst in einen Sinkflug übergegangen war, erfolgte - ausgehend vom amerikanischen Immobilienmarkt - ein abrupter Absturz der Weltwirtschaft, worauf die Zentralbanken rund um den Globus mit einer Absenkung der Leitzinsen - zuletzt im Monatstakt - reagierten.

Mit dem jetzt erreichten Niveau von 1,5 Prozent ist wahrscheinlich noch nicht das Ende der Talfahrt erreicht, obwohl das Zinsniveau für die Euro-Zone auf einem historischen Tiefpunkt angelangt ist. Niedriger waren die Leitzinsen noch nie. Allerdings ist die Wirtschaft seit vielen Jahrzehnten nicht mehr so eingebrochen wie in der derzeitigen Rezession.

Keine stimulierende Wirkung

Da es mit der Konjunktur weiter abwärts geht, liegt eine weitere Absenkung der Leitzinsen nahe. Denn aller Erfahrung nach regen niedrige Zinsen mit einer Zeitverzögerung von einem halben Jahr die Wirtschaftstätigkeit an. Unternehmen nutzen die günstigen Finanzierungsbedingungen für Investitionen, private Haushalte bezahlen Anschaffungen mit billigen Krediten. Doch in der derzeitigen Krise scheint der Zins seine stimulierende Wirkung nicht zu entfalten. Es geht nämlich immer weiter abwärts, niemand weiß, wie weit es noch bis zur Talsohle ist.

Bestenfalls haben die bisherigen Zinssenkungen einen noch schlimmeren Absturz der Wirtschaft verhindert. Deshalb sollte die Europäische Zentralbank abwarten, ob die Konjunktur, wie das allgemein erwartet wird, im Sommer die Talsohle erreicht und sich von da an stabilisiert. Erst wenn sich diese Annahme als trügerisch erweist, kann die EZB bei der Zinssenkung nachlegen.

Kein Grund für eine Nullzinspolitik

Doch für eine Nullzinspolitik wie in den USA und Japan gibt es keinen Grund. Denn erstens wären damit die Möglichkeiten der Zinspolitik erschöpft, die Notenbank könnte nur noch über eine Aufblähung der Geldmenge Einfluss auf die konjunkturelle Entwicklung nehmen. Und zweitens sollte eine verantwortungsvolle Geldpolitik sich jetzt schon auf die Zeit nach der Krise einstellen.

Je großzügiger die Märkte mit billigem Geld geflutet werden, desto härter muss im nächsten Aufschwung die Inflation bekämpft werden. Das kann schnell zu einer Stabilisierungskrise führen und den Aufschwung in seiner Entfaltung behindern. Eine der Ursachen der derzeitigen Krise liegt ja darin, dass es der amerikanischen Notenbank an Mut gemangelt hat, die Politik des billigen Geldes sowie der laxen Regulierung der Finanzmärkte rechtzeitig zu beenden. Dadurch sind die Blasen entstanden, deren Platzen zum Absturz der Weltkonjunktur geführt haben. Das sollte sich nicht wiederholen.