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Wissen & Umwelt

Kein Geschenk für die Orang-Utans

Er hätte gut in die Vorweihnachtszeit gepasst: Ein konkreter Klimavertrag, der Eisbär und Orang-Utan ein längeres (Über-)Leben geschenkt hätte. Doch bei der Klimakonferenz in Kopenhagen gingen sie leer aus.

Eine Orang-Utan-Mutter füttert ihr Junges (AP Foto/Wong Maye-E)

Auf dem Wunschzettel der vierbeinigen Klima-Maskottchen stand unmissverständlich: "Eine kalte, schneesichere Landschaft mit stabilen Eisschollen" für die Eisbären und "Eine sichere Baumkrone auf großzügigem, ruhig gelegenem Waldgrundstück" für die rothaarigen Menschenaffen.

Orang-Utan (Foto: Norbert Guthier, Zoologische Gesellschaft Frankfurt)

Kreischende Motorsägen und beißender Holzrauch: ein schlechter Tag für die Orang Utans

Beides hätte mit etwas mehr politischem Willen auf der Klimaschutzkonferenz vereinbart werden können.

"Für die Orang-Utans ist in Kopenhagen nicht viel rumgekommen", fasst Guenola Kahlert, internationale Wald- und Klimaschutz-Expertin des WWF (World Wide Fund for Nature) zusammen.

Heiße Zeiten für Eisbär und Orang-Utan

So sieht es für beide Großsäugetiere brenzlig aus: Während den Eisbären in der Arktis an vielen Stellen das Eis unter den Pfoten wegschmilzt, brennt den sanften Orang-Utans – und unzähligen anderen Dschungelbewohnern – in Indonesien der Regenwald unter dem Hinterteil weg.

Und das nur deshalb, weil sich mit Palmöl – billig in Plantagen mitten im abgeholzten und abgefackelten Tropenwald kultiviert – so gutes Geld im europäischen und amerikanischen Ausland verdienen lässt.

Orang-Utan (Foto: Norbert Guthier, Zoologische Gesellschaft Frankfurt)

Ausgewildert im Bukit Tigapuluh Nationalpark auf Sumatra sollten sie und der Wald sicher sein - sind sie aber nicht

Platz 3 der Kohlendioxid-Charts

So kommt es, dass Indonesien zum Land mit dem drittgrößten Kohlendioxid-Ausstoß der Welt aufgestiegen ist. "Die CO2-Emissionen, die durch Entwaldung und Abbau von Biomasse – meist Tropenwäldern - entstehen, machten im Jahr 2004 etwa 17 Prozent der globalen Treibhausemissionen aus", bestätigt Astrid Schulz vom Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen. "Wenn diese Entwaldung gestoppt oder deutlich reduziert wird, kann dies einen erheblichen Beitrag zum globalen Klimaschutz leisten."

Das ist der indonesischen Regierung bewußt. Sie hat der Klimarahmenkonvention (UNFCCC) bereits im Vorfeld einen detaillierten Plan vorgelegt, wie der Wald- und somit auch der Klimaschutz in Indonesien wirtschaftlich attraktiv gestaltet werden könnte. So attraktiv, dass das Land auf Devisen aus dem Palmölhandel verzichten könnte.

Orang-Utan (Foto: Norbert Guthier, Zoologische Gesellschaft Frankfurt)

Mehrere tausend Orangs leben noch in den Wäldern Indonesiens, doch die Waldfläche schrumpft

Grüner Kohlendioxid-Speicher

Dieses so genannte REDD-System ("Reduction of Emissions from Deforestation and Degredation", die Reduktion von Emissionen aus Entwaldung und Schädigung von Wäldern) fand keinen Eingang in die "Kopenhagen Übereinkunft", genau wie viele andere Klimaschutzmaßnahmen auch nicht.

Die Idee dahinter ist trotzdem so gut, dass sie hoffentlich bei der nächsten Klimakonferenz die nötige Beachtung finden wird: Das "grüne" Kohlendioxid, das in den Wäldern – in den Bäumen und im Boden – gespeichert ist, soll in die internationalen Kohlendioxid-Bilanzen mit einberechnet werden. Das CO2-Speicherpotential der Wälder bekäme so einen wirtschaftlichen Wert und könnte in wirtschaftliche Entscheidungsprozesse mit einbezogen werden.

Geld verdienen mit Wald- und Klimaschutz

Nach Schätzungen der indonesischen Wald-Klima-Allianz könnte Indonesien eine halbe bis zwei Milliarden US Dollar im Jahr in Form von so genannten Kohlenstoff-Krediten verdienen. Denn ausgerechnet in Indonesien wird bei der Rodung von Regenwäldern so viel Kohlendioxid frei wie nirgends sonst auf der Welt.

Orang-Utan (Foto: Norbert Guthier, Zoologische Gesellschaft Frankfurt)

Sie brauchen ihren Wald, das Weltklima auch

Warum, erklärt Guenola Kahlert vom WWF, Frankfurt: "In Indonesien stehen die größten Torfmoorwälder der Welt – 21 Millionen Hektar. In deren Böden schlummern gigantische Mengen Kohlenstoff, die sich über Jahrtausende dort abgelagert haben – soviel wie die Gesamtheit der Biomasse der Erde! Rund 6000 Tonnen Kohlenstoff sind in jedem Hektar Torfmoorwald gebunden. Das ist rund 50mal so viel wie in Tropenwäldern, die nicht auf Torfmoor wachsen."

Tickende Zeitbombe

Deshalb, so die Wald- und Klimaexpertin, seien die indonesischen Wälder so etwas wie eine tickende Zeitbombe: "Werden die Wälder zerstört, wird der Kohlenstoff vergangener Zeitalten schlagartig als Kohlendioxid freigesetzt. Wälder, die über Jahrtausende als CO2 Speicher wirkten, heizen so plötzlich selbst den Treibhauseffekt an."

An Argumenten fehlt es also wirklich nicht, die Wälder auf Sumatra und Borneo zu schützen. Immerhin haben die Industriestaaten den Entwicklungsländern in Kopenhagen ab 2020 jährlich 100 Milliarden US Dollar an Finanzhilfen für den Klimaschutz versprochen. Vielleicht haben die Orang-Utans ja Glück, und sie bekommen etwas davon ab.

Autorin: Ulrike Wolpers

Redaktion: Henrik Böhme

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