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Europa

Kein Geld für kleine Klassen

Viele tausend Lehrer haben sich in Riga versammelt, um gegen den Sparkurs in Lettland zu protestieren. 29 Schulen sollen geschlossen und die Gehälter der Lehrer gekürzt werden. Grund ist die Wirtschaftskrise.

Galina Michailowna mit 5 ihrer 14 Erstklässler (Foto: Birgit Johannsmeier)

Galina Michailowna mit fünf ihrer 14 Erstklässler

Die Ilguciema-Grundschule gehört zu den Schulen, die geschlossen werden sollen. Darum sind Lehrerin Galina Michailowna und ihre Kolleginnen unter den Demonstranten in Riga. Sie wollten nicht zulassen, dass ihre Schule geschlossen werde, nur weil es zu wenige Schüler gebe, sagt die Russin. "Ich fühle mich wie auf einem Pulverfass. Vielleicht verliere ich bald meinen Job, mir fehlt der Glaube an meine Zukunft."

Kampf für eine familiäre Schule

Die Ilguciema Grundschule (Foto: Birgit Johannsmeier)

Die Ilguciema Grundschule ist von der Schließung bedroht

Die Ilguciema-Grundschule ist eine der vielen russischen Schulen, die es in Lettland schon immer für die russische Minderheit gegeben hat. Hier hat Galina Michailowna direkt nach dem Examen eine Stelle gefunden. Heute ist sie die Klassenlehrerin von 14 Mädchen und Jungen der ersten Klasse.

Auch die Mutter eines Grundschulkindes will für das Fortbestehen der Schule kämpfen: "Diese Schule ist sehr familiär, deshalb haben wir sie für unsere Tochter ausgewählt. Sie ist das einzige stabile Element in unserem Leben, denn mein Mann und ich sind schon arbeitslos. Undenkbar, wenn die Schule auch noch weg brechen würde." Doch sie fürchtet, dass ein Kampf angesichts der Wirtschaftskrise aussichtslos sei.

Die Wirtschaftskrise schlägt zu

Galina Michailowna auf der Demonstration gegen den Sparkurs der Regierung (Birgit Johannsmeier)

Demonstrieren gegen den Sparkurs: Galina Michailowna will nicht zulassen, dass ihre Schule geschlossen wird

Kleine Klassen seien nach der Unabhängigkeit ein großes Ziel der Bildungspolitiker gewesen, sagt Galina Michailowna. Es sollte weg vom sozialistischen Massenbetrieb hin zur individuellen Betreuung gehen. "Aber plötzlich fehlt Geld. Sie wollen unsere Schule in die Nachbarschule integrieren, weil diese halb leer steht", erklärt sie. "Aber was ist, wenn unsere Eltern nicht damit einverstanden sind? Was ist, wenn unsere Klasse auseinander gerissen wird?"

Die Finanzkrise ist schuld: Ohne Sparmaßnahmen sei der Staat Ende Juni bankrott, hat der neue Ministerpräsident Valdis Dombrowskis erklärt. Deshalb könne man sich Zwergschulen mit teurer Verwaltung oder riesige Bildungseinrichtungen ohne Schüler nicht mehr leisten.

Angst vor der Zukunft?

Unterwegs auf der Demo hofft die Klassenlehrerin Galina Michailowna, dass sie mit ihren Schülern zusammenbleiben wird – ob die Schule geschlossen wird oder nicht. Dabei geht es ihr zum einen um die Kinder, die in den ersten Jahren vor allem im Klassenverband geborgen sind. Galina Michailowna hat aber auch ihre eigene Karriere im Sinn. "Ich bin gerade 36 Jahre alt. Ich habe Träume, möchte noch etwas erreichen und nicht plötzlich mitten in der Krise ohne Arbeit auf der Straße stehen."

Autorin: Birgit Johannsmeier Redaktion: Julia Kuckelkorn

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