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Politik

Kein "Gedöns": Die Familienpolitik macht kleine Fortschritte

Kinder, Kinder: Die Geburtenrate steigt in Deutschland - ein bisschen jedenfalls. Familienministerin von der Leyen reklamiert das als politischen Erfolg für sich. Jetzt muss auch die Betreuung der Kleinen besser werden.

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In Deutschland werden wieder mehr Kinder geboren. Deutlich mehr, sagen die Statistiker, auch wenn sich die Steigerung bis jetzt nur an der zweiten Stelle hinter dem Komma ablesen lässt. Im Durchschnitt brachte jede in Deutschland gemeldete Frau im Jahr 2006 1,33 Kinder zur Welt, ein Jahr später waren es 1,37. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen hatte zwar Wetten darauf abgeschlossen, dass es 1,4 sein würden – aber Schwamm drüber.

Kinder sind keine Roboter

In den ersten vier Monaten des Jahres 2008 sind ja schon wieder zwei Prozent mehr Kinder geboren worden als im gleichen Zeitraum 2007. Eine Änderung der Geburtenrate an der ersten Stelle hinter dem Komma ist also absehbar! Ein Erfolg, den von der Leyen als Ergebnis ihrer Politik reklamiert. Schließlich hat sie durchgesetzt, dass Eltern, die nach der Geburt ihres Kindes erst einmal zu Hause bleiben wollen, statt in den Job zurück zu kehren, bis zu 14 Monate lang Elterngeld beziehen können. Doch die Ministerin macht sich natürlich auch Gedanken darüber, wie das Leben mit den lieben Kleinen nach dem ersten Lebensjahr aussehen kann.

Für Kinderbetreuung und für Ganztagsschulen gibt es bereits mehr Geld. Doch damit allein ist es nicht getan. Kinder sind nun mal keine kleinen Roboter, die jeden Tag aufs Beste funktionieren und sich dem gestressten Alltag ihrer Eltern klaglos anpassen. Doch wie reagiert der Arbeitgeber, wenn Mama oder Papa immer wieder überraschend mal morgens im Wartezimmer des Kinderarztes sitzen müssen, anstatt an ihrem Schreibtisch im Büro aufzutauchen zu können? Auch darüber macht sich von der Leyen Gedanken und will mehr Unternehmen auf den rechten Pfad, den der Familienfreundlichkeit führen.

Behörden stellen sich Familien-TÜV

Flexible Arbeitszeiten, die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten, Programme zum Wiedereinstieg nach der Elternzeit und Betreuungsangebote in den Firmen stehen ganz oben auf der Liste. Die Politik soll dabei mit gutem Beispiel vorangehen. Fünf Bundesministerien und das Bundespräsidialamt haben sich bereits einer Art Familien-TÜV unterzogen und nach bestandener Prüfung der betrieblichen Qualitätsmerkmale das Gütesiegel "berufundfamilie" der gemeinnützigen Hertie-Stiftung erworben.

Bis Ende 2009 sollen die übrigen Ministerien und das Kanzleramt folgen, auf dass auch sie ihren Beschäftigten einen besonders familienfreundlichen Arbeitsplatz bieten können. Das hört sich einfach an, ist es offensichtlich aber nicht. In manchen Ministerien müssten noch dicke Bretter gebohrt werden, bis Familie und Beruf auch dort gut miteinander zu vereinbaren seien, sagt von der Leyen. Damit meint sie ausdrücklich auch das Kanzleramt. Das soll allerdings nicht an der kinderlosen Bundeskanzlerin liegen, sondern an ihrem Amtsvorgänger Gerhard Schröder. Wundern würde es nicht. Schließlich war es Schröder, der als Kanzler das Ressort Familie als "Gedöns", als unwichtig, abqualifiziert hat. Wie sich die Zeiten ändern.

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