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Amerika

Kein Fleisch und keine Jets

Brasiliens Präsidentin Rousseff hat Frankreich und Russland besucht. Dabei fiel weder eine Entscheidung für den Kauf von Kampfjets, noch konnte sie ein Ende des russischen Embargos auf brasilianisches Fleisch erwirken.

Ohne große Überraschungen verliefen die Besuche der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff in Frankreich und Russland (11.-14.12.2012). Im Vorfeld hatten sich die Brasilianer von ihren Treffen mit den beiden Staatschefs François Hollande und Wladimir Putin vor allem zwei Dinge erhofft: die Abwendung des russischen Embargos für brasilianisches Fleisch und eine endgültige Entscheidung für den Kauf von Militärflugzeugen. Doch beides blieb aus.

Noch keine neuen Kampfjets

Brasiliens Regierung hat einen Auftrag für 36 Kampfflugzeuge ausgeschrieben. Sie sollen das bisherige Jagdflugzeug der brasilianischen Luftwaffe "F-103 Mirage III" ersetzen. Um das Geschäft im Wert von vier bis fünf Milliarden Euro konkurrieren drei Unternehmen: die französische Firma Dassault mit dem Flieger "Rafale", Boeing aus den USA mit der "F/A-18 Super Hornet" und der schwedische Hersteller Saab mit der "Gripen NG".

Dilma Rousseff und Francois Hollande (Foto: AFP/Gettty Images)

Hollande konnte Dilma Rousseff nicht vom Kauf der "Rafale" überzeugen

Eigentlich wurde die Entscheidung für einen Jagdflieger bereits für 2011 erwartet, doch die brasilianische Regierung verschob sie aufgrund von Etatproblemen und wegen der schwächeren Konjunktur, die unter der internationalen Finanzkrise leidet. Bereits seit 2000 diskutiert die Regierung die Erneuerung der nationalen Luftwaffe. 2006 initiierte Präsident Lula ein Modernisierungsprojekt, in dessen Zuge der russische Jagdflieger "Sukhoi" bereits aussortiert wurde.

Russische Flieger noch im Rennen

Unter Rousseff ist nun alles wieder offen. Auch der russische Flieger "Sukhoi" könnte eine neue Chance bekommen, sollte die Präsidentin sich vor allem an den geopolitischen Folgen eines Kaufs orientieren.

Doch die endgültige Entscheidung lässt noch auf sich warten. "Zurzeit gehen wir mit unseren Ausgaben vorsichtig um. Die Entscheidung kann sich noch einige Zeit herauszögern, je nachdem, wann wir uns wieder stabilisiert haben", erklärte die Präsidentin in Paris.

Gegen brasilianisches Fleisch

Größere Erwartungen lagen von brasilianischer Seite auf Rousseffs Moskau-Besuch: Das russische Embargo für brasilianisches Fleisch sollte endlich beendet werden. Seit anderthalb Jahren besteht die Einfuhrbeschränkung. Ende November wurde bereits ein Teil des Embargos aufgehoben. Abhängig war die Entscheidung jedoch von der Flexibilität der brasilianischen Unternehmen, sich an die Richtlinien Russlands anpassen zu können. Zu den Forderungen gehört das Verbot für die Verwendung von Wachstumshormonen, die die brasilianischen Züchter benutzen.

Rindfleisch in einer Auslage (foto: dapd)

Selbst mit Embargo bleibt Russland der größte Käufer brasilianischen Rindfleischs

Kein brasilianisches Fleisch

Die russische Regierung ließ das Embargo gegen brasilianisches Fleisch nicht fallen. "Wir haben bereits alle Informationen weitergeleitet und denken, dass die Einfuhrbeschränkung aufgehoben wird, sobald sie alle Analysen durchgeführt haben", erklärte Rousseff. Einen genauen Zeitpunkt nannte sie dafür jedoch nicht.

Experten vermuten, der Grund dafür, dass Russland das Embargo aufrechterhält, liege bei Japan, China und Südafrika. Die Länder setzten den Import von brasilianischem Rindfleisch diese Woche aus. Bei einem im Jahr 2010 in Brasilien gestorbenen Tier war eine Form der Rinderseuche BSE entdeckt worden.

Auf die Bekanntgabe des Ministeriums für Landwirtschaft reagierten die drei Länder diese Woche sofort mit Einfuhrbeschränkungen. Die Bekanntgabe ließ zwei Jahre auf sich warten, da 30.000 Tests durchgeführt wurden, um das Virus zu bestimmen, erklärte Dilma Rousseff.

Keine Gefahr

Das brasilianische Ministerium für Landwirtschaft versicherte aber, der Fall stelle keine Gefahr für die öffentliche Gesundheit oder die Tierhygiene dar. Es sei zudem das erste Mal, dass dieses Virus in Brasilien gefunden wurde.

Russland ist einer der wichtigsten Importeure für brasilianisches Fleisch. "Selbst mit dem Embargo bleibt Russland unser größter Abnehmer von Rindfleisch und der zweitgrößte von Schweinefleisch", sagt Gilberto Ramos, Präsident der brasilianisch-russischen Handelskammer. Von 2001 bis 2011 wuchs der Handel zwischen beiden Ländern um 375 Prozent und übertraf den Wert von sieben Milliarden US-Dollar. Seit der Ausfuhrbeschränkung litt die brasilianische Exportindustrie unter schwerem Einschlag und hofft auf eine schnelle Einigung mit Russland.

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