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Politik

Kein Ende des Wüstenkriegs in Sicht

Rebellen und regierungsnahe Milizen verunsichern die Sudanesen. Zahllose Menschen sind auf der Flucht. UN-Generalsekretär Annan besucht deshalb die Krisenregion Darfur.

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Rebellengruppen lehnen sich gegen Sudans Zentralregierung auf

Angesichts der Differenzen zwischen USA und UNO mag die gleichzeitige Reise des US-amerikanischen Außenministers Colin Powell und des UN-Generalsekretärs Kofi Annan in das bürgerkriegsgeschüttelte Land überraschen. Gemeinsam fordern die beiden von der sudanesischen Regierung ein Ende der Kampfhandlungen im Westen des Landes. In der Region Darfur treiben die so genannten Janjaweed-Milizen ihr Unwesen. Die Regierung hatte sie damit beauftragt gegen Rebellengruppen vorzugehen, die sich seit Februar 2003 gegen Khartum erheben. Tatsächlich töten die berittenen Milizionäre jedoch auch viele Zivilisten - darunter Frauen und Kinder - oder blockieren Hilfsmittellieferungen. In der kargen Wüstenregion bringt dies die Menschen in eine lebensbedrohliche Situation.

Bereits bei seiner Ankunft in Khartum am Dienstag (29.6.) hatte Powell mit internationalen Sanktionen gedroht, falls das Regime die regierungsnahen arabischen Milizen nicht in die Schranken weist. Er forderte außerdem Staatspräsident Omar Beschir dazu auf, Friedensverhandlungen mit den Rebellen aufzunehmen. Annan macht sich am Donnerstag selbst ein Bild von der Lage in der Krisenprovinz Darfur und reist am Freitag weiter in den Tschad, wo zurzeit rund 120.000 sudanesische Flüchtlinge in Lagern leben.

Autonom agierende Milizen

Colin Powell im Sudan

Powell droht dem Sudan mit Sanktionen

"Der außenpolitische Druck ist noch nicht hoch genug", sagt Ulf Engel, Privatdozent am Institut für Afrikanistik der Universität Leipzig. Die sudanesische Regierung warte ab und beobachte ganz genau, wie stark sie gedrängt werde. "So hatte es Wochen und Monate gedauert, bis Hilfslieferungen für die Zivilbevölkerung überhaupt zugelassen wurden", erläutert Engel im Gespräch mit DW-WORLD.

Es muss aber bezweifelt werden, ob das Regime in Khartum allzu viel Einfluss über die Janjaweed-Milizionäre hat. Es existieren keine zusammenhängenden Kommandostrukturen. Die bewaffneten Gruppen werden oft von autonomen "War-Lords" geführt. "Die Vorstellung, man müsste einfach nur den Schalter umlegen und die Kämpfer halten still, greift in diesem Land einfach nicht", erklärt Engel.

Doch warum widmen sich die USA nun verstärkt den Ereignissen im Sudan? "Zum einen ist dies Ausdruck einer Neubewertung des Sudans nach den Anschlägen vom 11. September 2001", sagt Engel. Die USA seien nunmehr verstärkt an einer Stabilisierung des Landes und der ganzen Region interessiert. Zudem habe ein Wandel im Khartumer Regime eine Annäherung der beiden Nationen ermöglicht. "Andererseits geht es den Amerikanern auch um die Herstellung von sicheren Investitionsbedingungen, damit sich US-Firmen im Land engagieren können", sagt Engel. Im Öl-Geschäft seien dort bisher vor allem kanadische und malaysische Firmen tätig gewesen.

Keine Blauhelme

Omar el-Bashir

Sudans Präsident Omar Baschir verliert die Kontrolle über sein Land

Ob der Besuch von Annan und Powell zu einer Entschärfung des Konflikts führt, darf jedoch bezweifelt werden. "Das Treffen ist eher als kurzfristiges, symbolisches Ereignis zu bewerten", sagt der Politikwissenschaftler. Die sudanesische Regierung werde zwar taktisch nachgeben, aber ob sich dann tatsächlich langfristig etwas an der Lage ändert, bleibe abzuwarten.

Den Einsatz von UN-Friedenstruppen hält Engel für unwahrscheinlich. "Ein Eingreifen wäre nach humanitären Gesichtspunkten schon seit Wochen gerechtfertigt", sagt Engel. Es bestehe aber weder von der Weltgemeinschaft, noch seitens der anderen afrikanischen Staaten ein Interesse daran, in die Souveränität der sudanesischen Regierung einzugreifen - was ein Blauhelmeinsatz bedeuten würde. Aus strategischen Gründen sei dies in der Region nicht erwünscht.

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