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Asien

Kein Ende der Gewalt in Sicht

Auch ein Jahr nach den Anschlägen auf Mumbai ist das Terrornetzwerk intakt, das den Angriff von Pakistan aus plante und ausführte. Indien blockiert Gespräche mit Pakistan, weiß aber auch keine Antwort auf den Terror.

Hotel Taj Mahal nach den Anschlägen (Foto: AP)

Mehr als 160 Menschen wurden bei den Anschlägen getötet

Sieben Verdächtige sind am Mittwoch (25.11.2009) in einem pakistanischen Anti-Terrorismus-Gericht in Rawalpindi wegen ihrer Verwicklung in die Anschläge von Mumbai angeklagt worden. Unter ihnen auch der mutmaßliche Drahtzieher der Terrorakte vor einem Jahr, Zakiur Rehman Lakhvi. Zwar ein wichtiges Zeichen unmittelbar vor dem Jahrestag des Blutbades - normalisiert haben sich indisch-pakistanischen Beziehungen aber noch lange nicht.

Zakiur Rehman Lakhvi (Foto: AP)

Der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge steht vor Gericht - seine Hintermänner machen weiter

Schließlich dauerte es Wochen, bis Pakistan nach den Anschlägen von Mumbai wahrhaben wollte, dass sie von seinem Territorium aus geplant worden waren und dass die Terroristen aus Pakistan kamen. Neu-Delhi wirft Islamabad bis heute vor, nicht genug zu tun, um ähnliche Vorfälle in Zukunft zu verhindern, und hat deswegen alle Verhandlungen mit Pakistan ausgesetzt.

Stärker als auf den Prozess gegen die Hintermänner der Mumbai-Anschläge blickt man in Indien dabei auf den Umgang Pakistans mit der Organisation, die sie offenbar durchgeführt hat: Lashkar-e-Taiba, kurz LeT. Es ist bekannt, dass Pakistans Armee und Geheimdienst islamistische LeT-Kämpfer in der Vergangenheit ausgebildet haben, um indische Ziele vor allem in Kaschmir anzugreifen. Der französische Terrorismus-Experte Jean-Louis Bruguiere beschreibt in einem gerade erschienenen Buch, wie das auch nach dem 11. September noch weitergegangen ist.

Pakistan: Terrorgruppen regieren mit

Inzwischen distanziert sich das offizielle Pakistan zwar von der LeT, aber die Struktur der Organisation ist offenbar weitgehend intakt. In Pakistan wird häufig argumentiert, der Staat könne sich neben den Taliban und anderen militanten Gruppen nicht noch einen Feind im islamistischen Spektrum leisten. Außerdem werde die LeT im Untergrund noch schwerer zu überwachen sein. Der LeT-Experte Stephen Tankel aus Washington hat ein gewisses Verständnis für diese Einstellung: "Ich glaube, das sind legitime Bedenken, dass man diese Gruppe nicht in den Untergrund treiben oder Splittergruppen kreieren will." Die andere Seite der Medaille sei aber: will man überhaupt gegen die Gruppe vorgehen? "Historisch betrachtet, waren Lashkar-e-Taiba immer Pakistans verlässlichste Stellvertreter-Krieger gegen Indien. Ob Pakistan sie zurzeit dafür nutzt, ist umstritten, aber zweifelsohne will es sich diese Option offenhalten."

Grafik: Terroranschlag von Mumbai (Quelle: DW)

Hier schlugen die Terroristen vor einem Jahr zu

Für den Inder Sundeep Waslekar ist diese Mentalität Ausdruck eines grundsätzlicheren Problems in Pakistan. Sein Forschungsinstitut, die Strategic Foresight Group in Mumbai, hat sich eingehend mit dem indisch-pakistanischen Konflikt beschäftigt und Lösungsvorschläge für alle kontroversen Fragen erarbeitet. Waslekar hält die zivile Regierung in Islamabad aber für zu schwach. Pakistan sei noch immer vom Militär kontrolliert - und das Militär hat ein starkes Eigeninteresse daran, Konfrontation zu schüren. "Außerdem sind Terror-Gruppen in den vergangenen zehn Jahren ein Teil des Regierungsapparats in Pakistan geworden, und die haben genauso ein Eigeninteresse daran, Konflikt und Gewalt zu fördern." In Indien wiederum sei die Bürokratie äußerst zögerlich und habe Angst vor mutigen Schritten - was wiederum in der Natur von Bürokraten liegt.

Was bringt Druck von außen?

Die Frage ist, wie solche Blockaden aufgebrochen werden können. Die USA sind stark an einer Entspannung zwischen Indien und Pakistan interessiert, damit sich vor allem Islamabad auf den Kampf gegen die Taliban und Al Kaida konzentrieren kann. Dennis Kux vom "Woodrow Wilson Center" in Washington befasst sich seit Jahrzehnten mit den indisch-pakistanischen Beziehungen. Er klingt resigniert und sehr skeptisch, ob Druck von außen auf die beiden Erzfeinde etwas ausrichten kann: "Es scheint nicht viel zu bringen. Die internationale Gemeinschaft hat sich in der Vergangenheit bemüht, tut das pro forma auch immer noch, aber die beiden tun einfach, was sie im eigenen Interesse für richtig halten."

Sundeep Waslekar aus Mumbai ist weniger pessimistisch. Wenn die internationale Gemeinschaft ihre Pakistan-Politik ändert, glaubt er, lässt sich einiges bewegen: "Ich bin davon überzeugt, dass nur Demokratie die Grundlage für Frieden in Südasien sein kann." Deshalb müsse Indien die Kontakte zu Pakistan, zu den Menschen in Pakistan ausbauen. Und die Welt müsse aufhören, das pakistanische Militär zu finanzieren. "Solange die Entscheidungsträger, besonders in den USA, das pakistanische Militär als Teil der Lösung sehen, werden wir nichts erreichen!"

Letzten Endes sind es die Menschen in Südasien, die dann die Zeche dafür zahlen: Waslekars Institut hat berechnet, dass durch die anhaltenden Spannungen zwischen Indien und Pakistan und das ungenutzte Potenzial an Kooperation das jährliche Wachstum in Indien einen vollen Prozentpunkt niedriger ausfällt als sonst möglich wäre. In Pakistan liegt der Schaden sogar bei 1,5 Prozentpunkten.

Autor: Thomas Bärthlein

Redaktion: Manfred Götzke

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