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Aktuell Nahost

Kein Ende der Gewalt im Gaza-Krieg

Die israelische Armee setzt ihre Angriffe auf Ziele im palästinensischen Gazastreifen fort. Die Zahl der Opfer steigt. Die radikalislamische Hamas will dennoch weiterhin ihre Forderungen durchsetzen.

Ein Ende der Gewalt ist auch zu Beginn der vierten Kampfwoche im Gaza-Konflikt nicht in Sicht. Die israelische Luftwaffe und die Armee setzten am frühen Mittwochmorgen ihre Angriffe auf den Gazastreifen fort. Nach israelischen Medienangaben wurden zu Beginn des 23. Tags der Militäroperation gegen palästinensische Extremisten Dutzende "Terrorziele" bombardiert.

Beim Beschuss einer Schule der UN-Hilfsorganisation UNRWA wurden nach palästinensischen Angaben im Flüchtlingslager Dschabalia im nördlichen Gazastreifen 20 Menschen getötet. Mehr als 50 seien verletzt worden, sagte der Sprecher der palästinensischen Rettungsdienste, Aschraf al-Kidra. Das UNRWA sprach von mindestens 16 Toten. Bei israelischen Angriffen andernorts im Gazastreifen starben nach palästinensischen Angaben mindestens elf Menschen, mehr als 20 wurden verletzt. Auch in Israel gab es wieder Raketenalarm.

Hamas dementiert Berichte über Waffenruhe

Derweil zerschlug sich erneut die Hoffnung auf eine Feuerpause. Der Militärchef der radikal-islamischen Hamas machte eine Waffenruhe vom Ende der israelischen Militäroffensive abhängig. Auch die Blockade der Enklave müsse aufgehoben werden, sagte Mohammed Deif in einer über den TV-Sender der Hamas verbreiteten Audio-Botschaft. Es war die erste öffentliche Äußerung des Anführers des bewaffneten Flügels der Organisation, den Kassam-Brigaden, seit Beginn der Offensive.

Die Hamas dementierte auch eine Mitteilung des PLO-Funktionärs Jasser Abed Rabbo, wonach die militanten Palästinenser-Fraktionen in Gaza einer 72-stündigen Waffenruhe zugestimmt hätten. Das sei erst denkbar, wenn sich auch Israel dazu verpflichte und es internationale Garantien gebe, sagte Hamas-Sprecher Sami Abu Zuhri in Gaza.

Nach den schlimmsten Bombardierungen seit Beginn der israelischen Militäroffensive am Dienstag machen sich zunehmend Panik und Verzweiflung im Gazastreifen breit. Immer mehr verängstigte Menschen versuchten, dem Inferno zu entrinnen. Sie flohen in eine von 85 UN-Einrichtungen, die als Notunterkünfte dienen. Die Zahl der Schutzsuchenden gab ein UNRWA-Sprecher am Dienstagabend mit mehr als 200.000 an. Das waren fast 20.000 Menschen mehr als noch am Morgen.

Waffenlager in UN-Schule

Aber auch dort ist es nicht immer sicher. So fanden UN-Mitarbeiter erneut in einer von ihnen verwalteten Schule ein Waffenlager. Das sei der dritte Fund dieser Art in zwei Wochen gewesen. Die Weltorganisation beschuldigte militante Palästinenser, "die Neutralität einer unserer Einrichtungen verletzt" zu haben. Die Schule werde derzeit nicht genutzt. Die israelische Armee hatte wiederholt auch Schulen oder Moscheen nach kurzer Vorwarnung angegriffen, wenn sie dort Waffenlager vermutete.

Am Dienstag wurde zudem das einzige Kraftwerk des Gazastreifens von Granaten in Brand gesetzt. In weiten Teilen des Gebiets fiel der ohnehin nur stundenweise zur Verfügung stehende Strom ganz aus. Palästinenser und Israelis bezichtigten sich gegenseitig, die Geschosse abgefeuert zu haben.

Seit Beginn der israelischen Militäroffensive am 8. Juli wurden nach neuesten Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza mehr als 1200 Menschen getötet und 7000 verletzt. Laut israelischem Militär starben 53 Soldaten und 3 Zivilisten. Wie ein Sprecher des UN-Hilfswerks UNRWA mitteilte, kamen auch fünf UN-Mitarbeiter ums Leben, darunter drei für UNRWA tätige Lehrer.

re/gmf (dpa, rtr, afp)