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Europa

Kein Ende der Brandkatastrophe in Sicht

Das ganze Ausmaß der verheerenden Brände in Russland und deren Auswirkung auf Mensch, Natur und Wirtschaft ist bisher nicht absehbar. Auch herrscht Streit über die Gefahren der Feuer im Umfeld atomarer Anlagen.

Stacheldrahtzaun im Hintergrund brennender Wald (Foto: AP)

Brände in der Nähe von Atomanlagen sorgen für Spekulationen

Es sind Feuerwehrleute, Soldaten und zivile Helfer, die jeden Tag gegen die schweren Waldbrände kämpfen. Gerade jetzt, wo die Flammen auf Atomanlagen und radioaktiv verseuchte Gebiete Russlands übergreifen könnten, sind tausende Einsatzkräfte rund um die Uhr gefragt.

Container mit Atommüll in der atomaren Wiederaufbereitungsanlage Majak, Russland (Archivfoto: ITAR-TASS/Valery Bushukhin)

Riesige Container mit Atommüll befinden sich in Majak

Feuer bewegen sich auf Atomanlage zu

An diesem Dienstag (10.08.2010) steht die Stadt Osersk im Ural im Focus, in deren Nähe sich das große Atommüllaufbereitungs- und Lagerungszentrum Majak befindet. Eine Krisensitzung in Osersk soll die Lösung bringen, wie ein Übergreifen der schweren Waldbrände auf die Atomanlage verhindern werden kann.

Bürgermeister Viktor Trofimtschuk will zusätzliche Schritte ergreifen, um die Gefahr abzuwenden, wie der Radiosender Echo Moskwy berichtet. Über das etwa 2000 Kilometer östlich von Moskau gelegene Gebiet wurde von den Behörden bereits der Notstand verhängt.

Atomindustrie sieht keine Gefahr

Dagegen warnte der russische Atomkonzern Rosatom vor Panikmache. Das Feuer sei etwa 80 Kilometer von Majak entfernt. Deshalb sei das große Atommüllaufbereitungs- und Lagerungszentrum nicht bedroht, so ein Rosatom-Sprecher. "Es gibt derzeit keine Gefahr für die Stadt oder die Anlage."

Auch der Direktor des Instituts für sichere Atomenergie, Leonid Boloschow, sah keine akute Bedrohung. Die Atommülldeponien im Land seien durch einen mehrschichtigen Mantel aus Beton und Metall geschützt, so dass Feuer sie kaum beschädigen könne, sagte Boloschow.

Greenpeace warnt vor Freisetzung radioaktiver Stoffe

Brennender Strauch und Blätter auf dem Boden (Foto: AP)

Greenpeace befürchtet unabsehbare Auswirkungen, sollte radioaktiv verseuchter Boden brennen

Experten zufolge muss das Feuer aber gar nicht erst das atomare Zentrum erreichen, um großen Schaden anzurichten. Denn das gesamte Gebiet um Majak gilt seit einem Unfall im September 1957, bei dem große Mengen radioaktiver Stoffe freigesetzt wurden, als stark kontaminiert. Die langlebigen Isotope wie Strontium-90, Cäsium-137 und Plutonium-239 traten damals aus und sind im Boden, im Torf oder in den Pflanzen gebunden.

Greenpeace-Atomexperte Christoph von Lieven bezeichnete Majak als einen der gefährlichsten Orte der Welt."Es liegt viel radioaktives Material in der Umgebung, viel Material wurde damals einfach in einem See versenkt", sagte von Lieven der "Neuen Presse" aus Hannover.

Radioaktiver Fall-out möglich

Falls Partikel und Kleinstmaterialien mit dem Strahlengift freigesetzt würden, könnte die Radioaktivität beim Löschen mit ins Grundwasser gespült oder bei Bränden mit dem Rauch hochgetrieben werden: "Woanders kann es dann zu einem erneuten radioaktiven Fall-out kommen", skizzierte von Lieven ein mögliches Szenario.

Schon in der letzten Woche war das Gebiet Brjansk betroffen. Auch hier gelten die Böden nach der Atomkatastrophe im ukrainischen Tschernobyl 1986 als besonders radioaktiv belastet. Die Behörden gaben aber Entwarnung, die Messwerte in der Luft hätten keine erhöhte Radioaktivität ergeben, heißt es.

Auch Greenpeace führt regelmäßig Kontrollen an den mutmaßlich stark kontaminierten Orten durch. "Aber", so betonte von Lieven, "bei dieser Häufung von Bränden, die jetzt in und um Moskau, im Süden und im Ural sind, können wir gar nicht überall sein."

Russlands Premierminister Wladimir Putin (Foto: AP)

Wirtschaftlich sieht sich Putin zum Exportstopp für Weizen gezwungen

Putin bestätigt Exportverbot für Weizen

Wirtschaftlich gesehen haben die Brände vor allem bei der Weizenernte größe Schäden angerichtet. Ministerpräsident Wladimir Putin bestätigte noch einmal das umfangreiche Export-Verbot für Weizen bis zum Jahresende.

Denn bei der Ernte wird mit einem Drittel weniger Ertrag gerechnet. Statt fast 100 Millionen Tonnen im vergangenen Jahr werden es 2010 wohl nur 60 Millionen Tonnen sein. 2009 war Russland mit 21,4 Millionen Tonnen der drittgrößte Getreideexporteur.

Autorin: Marion Linnenbrink (dpa, afp)
Redaktion: Christian Walz

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