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Nahost

Kein Dienst in Palästinensergebieten

Organisationen von Israelis, die aus politischen Gründen den Wehrdienst verweigern, bekommen Zuwachs. So auch "Courage to Refuse": Sie wollen, dass sich die israelische Armee aus den besetzen Gebieten zurückzieht.

Israelische Soldaten auf Patrouille im Westjordanland (Foto:DW/Viktoria Kleber)

Israelische Soldaten auf Patrouille im Westjordanland

Eigentlich sollte Assaf einen Panzer fahren, Palästinenser im Gazastreifen töten. Der Krieg war bereits in vollem Gange, als Assaf im letzten Januar von seinem Kommandeur einberufen wurde. Assaf ist Reservist in der israelischen Armee und seine Antwort war klar: Er wird nicht in den Gazastreifen gehen, er verweigert - aus politischen Gründen. "Es war für mich ausgeschlossen, an so einer brutalen Operation teilzunehmen, die so viele Zivilisten getötet und verletzt hat", sagt Assaf. "Ich wäre einfach mit mir selbst nicht mehr im Reinen gewesen, wenn ich mitgemacht hätte."

Klare Ziele

Israelische Panzer an der Grenze zu Gaza (Foto: DW/Viktoria Kleber)

Militärisch ist Israels Armee den Palästinensern haushoch überlegen

Assaf wurde verhaftet und zwei Wochen ins Gefängnis gesteckt. Soldaten wie Assaf, die aus politischen Gründen verweigern, gibt es in der israelischen Armee immer häufiger. Die Armee führt darüber zwar keine Statistik, doch Organisationen von linken Verweigerern bekommen Zuwachs. So auch "Courage to Refuse" - Mut zum Verweigern. Vor acht Jahren wurde die Organisation gegründet, heute besteht sie aus über 1000 Soldaten, hauptsächlich Reservisten. Viele sind in den letzten Wochen und Monaten dazugekommen. Sie machen etwa fünf Prozent der gesamten Armee aus, schätzt David Zonsheim. Er war Mitbegründer von "Courage to Refuse" und einer der ersten Soldaten, die in aller Öffentlichkeit verweigerten. Heute leitet er die Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, dass sich die israelische Armee aus den besetzen Gebieten zurückzieht. "Wir fordern die Israelis, besonders die Soldaten auf: Dient nicht mehr in den besetzen Gebieten - im Interesse Israels", so David Zonsheim.

Verweigern ist nicht einfach

Die Mitglieder von "Courage to Refuse" sehen sich als Patrioten, sie wollen Frieden für sich und die Palästinenser. Die Organisation kümmert sich um die Verweigerer, auch um Assaf, bietet ihnen kostenlose Rechtsberatung und finanzielle Unterstützung.

Doch das Verweigern ist meist kein einfacher Prozess für die Soldaten. Im israelischen Bildungssystem wird man früh darauf getrimmt, stolz auf seine Armee zu sein, für Israel einzustehen, es vor den vielen Feinden zu beschützen. Die Armee ist vor allem aber auch ein soziales Netzwerk: Fast jeder Israeli war bei der Armee, zuerst beim Wehr-, dann beim Reservedienst. Hier bilden sich Freundschaften. Die Armee prägt die Gesellschaft, Verweigerer sind verpönt, früher mehr als heute. Doch Assaf hatte Unterstützung von Familie und Freunden, und er hatte "Courage to Refuse". "Einige Leute sahen mich als eine Art Helden", sagt Assaf, "und andere sahen mich als jemanden, der zu weit geht. Sie schämten sich sogar für das, was ich tat."

Kein Platz für politische Meinung

Ein israelischer Soldat beim Einsatz in Gaza (Foto: DW/Viktoria Kleber)

Ein israelischer Soldat beim Einsatz in Gaza

Assaf selbst ist stolz auf sich. Er war der einzige Soldat, der eingezogen wurde und den Einsatz im Gazastreifen ablehnte, das hatte er nicht erwartet. Doch die Armee wählt die Soldaten für wichtige Operationen gezielt aus, damit ja keiner verweigert und für negative Schlagzeilen sorgt. Denn in der Armee gibt es keinen Platz für politische Meinungen. Man könne diese den jungen Soldaten nicht verbieten, sagt Arye Sharuz Shalicar, Presseprecher der israelischen Armee, "jedoch wenn ein Soldat die israelische Uniform anhat, ist es ihm verboten, jegliche politische Demonstration offen zu legen."

Doch nicht nur linke, auch rechte Soldaten lehnen ihren Dienst manchmal ab: und zwar dann, wenn sie Siedlungen räumen sollten. Politische Verweigerer spielten in der Armee aber ohnehin keine große Rolle, sie bildeten nur einen kleinen Teil der Soldaten, so Shalicar. Es sind die Ultraorthodoxen, die Religiösen, die der Armee Sorgen bereiten.

Enttäuscht von Netanjahu

Das weiß auch Assaf. Einige seiner Kameraden teilen zwar seine Meinung, sie sind gegen die Besetzung Israels in der Westbank und im Gazastreifen. Doch verweigern, dazu fehlt vielen der Mut. Assaf und "Courage to Refuse" wollen sie dazu ermuntern. Die Zeiten dafür stehen gut, denn viele sind enttäuscht von der Politik, sagt Yaron Ezrahi, Politikprofessor an der Hebräischen Universität Jerusalem. "Je skeptischer die Soldaten werden, dass die Regierung Netanjahu sich in Richtung Friedensverhandlungen bewegt, desto mehr Soldaten wird es geben, die den Dienst in den besetzen Gebieten verweigern.“

Auch Assaf ist enttäuscht von der Regierung, aber viel habe er ohnehin nicht erwartet. Er hofft auf seine Kameraden und er hofft, ein Vorbild zu sein - damit sich noch mehr israelische Soldaten gegen die Politik ihres Landes stellen.

Autorin: Viktoria Kleber
Redaktion: Thomas Latschan

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