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Fokus Osteuropa

Kein deutsches Dorf mehr in Kirgisistan

In Kirgisistan leben noch 12.000 Deutsche. Die junge Generation zeigt immer weniger Interesse an der deutschen Sprache und Kultur, beklagen die Alten. Fehlendes Geld und anhaltende Abwanderung verschärfen den Trend.

Ein Haus in einem kirgisischen Dorf, vor ihm befindet sich eine Schaar Gänse (Foto: DW)

Landleben in Kirgisistan

Immer weniger junge Menschen mit deutschen Wurzeln sind in Kirgisistan auch bemüht, die deutsche Sprache und Kultur zu bewahren. Das beklagen vor allem die älteren Kirgisiendeutschen. Dass viele junge Deutsche in dem zentralasiatischen Land kein Deutsch mehr sprechen, bestätigt auch die Vertreterin der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), Irina Hetsch, die ein Pogramm zur Unterstützung der deutschen Minderheit leitet.

Portrait von Irina Hetsch (Foto: DW)

Irina Hetsch unterstützt die deutsche Minderheit

"Wenn die jungen Menschen sehen, dass man in Kirgisistan dann einen guten Job bekommt, wenn man die kirgisische, englische oder chinesische Sprache beherrscht, dann richten sich auch alle Bemühungen darauf, diese Sprachen zu erlernen", stellt sie im Gespräch mit der Deutschen Welle am Rande eines Jugendtreffens in Bischkek am 28.02.2010 fest.

Hinzu kommt, dass in Kirgisistan mit jedem Jahr immer weniger Mittelschulen Deutsch anbieten. Ähnlich ist die Situation in den Nachbarländern der Region. Die Vorsitzende des Deutschen Jugendverbandes in Kasachstan, Nadeschda Burluzkaja, sagt, Deutsch habe auch in der größten ehemaligen Sowjetrepublik Zentralasiens an Popularität verloren: "In Kasachstan gibt es nur noch sechs Schulen, an denen Deutsch für Fortgeschrittene unterrichtet wird." Auch an den Universitäten werde immer weniger Deutsch gelehrt, beklagt sie.

Bessere Bedingungen erwünscht

Die deutsche Bundesregierung unterstützt zwar die deutsche Minderheit in den Ländern Zentralasiens, allerdings würden die Mittel nicht ausreichen, meint Hetsch. Sie weist darauf hin, dass die Bundesregierung beispielsweise in Kirgisistan auch in der sozialen Unterstützung der deutschen Bevölkerung viel leiste, für eine vollständige Finanzierung von Jugendeinrichtungen, an denen die deutschen Sprache und Kultur gepflegt werden könnten, reichten die Gelder aber nicht mehr.

Eingang zum Deutschen Haus in Bischkek (Foto: DW)

Das Deutsche Haus in Bischkek bietet Platz für Veranstaltungen

Das Deutsche Haus in Bischkek bietet verschiedene Veranstaltungen und Kurse an. In anderen kirgisischen Städten gibt es hingegen Schwierigkeiten. Der deutschstämmige Nikolaj Schmidt beklagt, in Kant, wo er lebe, stünden seiner Jugendgruppe keine vernünftigen Räumlichkeiten zur Verfügung: "Der Raum ist zu klein und ungeeignet, und wenn wir bessere Räume hätten, dann würden auch mehr Menschen zu uns kommen." Deutschunterricht gebe es auch keinen mehr, bedauert der Jugendliche.

"Assimilierung unvermeidbar"

Der Vorsitzende des Volksrates der Deutschen in Kirgisistan, Valerij Dill, glaubt, dass unter den gegebenen Umständen eine endgültige Assimilierung der deutschen Minderheit in Kirgisistan nicht mehr zu vermeiden sei: "Früher waren die Familie, die Kirchengemeinden und deutschen Dörfer die Fundamente, auf denen die Bewahrung der ethnischen Identität basierte", erläutert er. Inzwischen gebe es aber in Kirgisistan kein einziges deutsches Dorf mehr.

Von den über 100.000 Deutschen, die einst in Kirgisistan lebten, sind noch etwa 12.000 geblieben. Nach dem Zerfall der Sowjetunion siedelten in den 90er Jahren die meisten nach Deutschland über. Eine Abwanderung ist auch jetzt zu beobachten, aber nun vor allem nach Russland, wo die Menschen meist Arbeit suchen.

Autor: Aleksandr Tokmakow / Markian Ostaptschuk
Redaktion: Fabian Schmidt