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Europa

Keimzelle Europas

Sechs Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs unterzeichnen die ehemaligen Feinde Frankreich, Deutschland, Italien und die Benelux-Staaten den Vertrag über die Montanunion. Er legte den Grundstein für die spätere EU.

Bild von der Unterzeichnung des Montanunion-Vertrags durch die Außenminister (Foto: Bundesbildstelle)

Unterzeichnung Montanunion 1951

Die Politiker aller beteiligten Staaten muten ihren Bürgern so kurz nach dem Ende des Krieges Einiges zu. Überall organisiert sich der Widerstand gegen die Errichtung einer supranationalen Behörden, die über die eigenen Kohle- und Stahlindustrie entscheiden kann.

Kriegsgegner

Insbesondere in Frankreich, aber auch in den anderen von Deutschland während des Zweiten Weltkriegs besetzten Ländern überwiegt anfangs die Skepsis. Mit dem verhassten Kriegsgegner eine derart tiefgreifende und langfristige Kooperation einzugehen, scheint vielen Menschen unvorstellbar.

Portraitfoto von Robert Schuman, französischer Aussenminister von 1948-1953 und Präsident des Europaparlaments von 1958 - 1960. (Foto: dpa)

Robert Schuman:"Dies wird der Grundstein für eine europäische Föderation sein."

Die Anfänge der Montanunion gehen auf eine Rede des damaligen französischen Außenministers Robert Schuman zurück. Der hatte am 9. Mai 1950 gesagt: "Wir schlagen vor, die gesamte deutsch-französische Kohle- und Stahlproduktion einer Hohen Behörde zu unterstellen, in einer Organisation, die den anderen Ländern Europas zum Beitritt offensteht. Dies wird ein Grundstein für eine europäische Föderation sein."

Grundstein der EU

Mit der Montanunion verzichten die Unterzeichnerstaaten auf gegenseitige Einfuhrzölle oder andere Beschränkungen des Warenverkehrs im Montanbereich. Die Hoheitsrechte der Kohle- und Stahlindustrie werden auf eine gemeinsame übernationale Behörde ("Hohe Behörde") übertragen. Ziel ist die Erzeugung von Kohle und Stahl als Grundstoff für den Wiederaufbau nach dem Krieg anzukurbeln und so den Lebensstandard in den Mitgliedsländern anzuheben. 

Karte der EU-Länder (Stand Mai 2011). (Foto: dw)

Vorläufiger Endpunkt: Das Europa der 27

Die Montanunion ist erst der Anfang. Schon 1955 beginnen die Außenminister mit Verhandlungen über die Gründung einer "Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft", die im März 1957 gegründet wird. Montanunion, Europäische Wirtschaftsgemeinschaft und Euratom werden am 1. Juli 1967 zur "Europäischen Gemeinschaft" (EG) fusioniert. Nach den Revolutionen in Osteuropa und dem Ende des Kalten Krieges wird daraus mit dem Vertrag von Maastricht am 7. Februar 1992 die "Europäische Union", die mittlerweile 27 Mitglieder umfasst, von denen 17 mit dem Euro eine gemeinsame Währung haben.

Ziele erreicht

Der Plan, mit der Montanunion einerseits den Wohlstand der Bevölkerung anzuheben und andererseits durch gegenseitige Kontrolle über den damals wichtigsten Industriezweig die Kriegsgefahr zu bannen, ist aufgegangen. Die anfängliche Skepsis ist in gleichem Maße zurückgegangen, wie die Menschen die Vorteile der Montanunion und den daraus folgenden Zusammenschlüssen erfahren konnten. Ein weiteres Merkmal des Erfolgs ist schließlich auch die Tatsache, dass alle beteiligten Länder von der Montanunion profitiert haben.

Autor: Matthias von Hellfeld
Redaktion: Arne Lichtenberg

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