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Ostmitteleuropa

Kehrtwende bei Pater Rydzyk?

- Äußerungen des Chefs von Radio Maryja über den EU-Beitritt Polens sorgen für großes Aufsehen

Warschau, 26.5.2003, GAZETA WYBORCZA, poln.

"Radio Maryja ist ein katholischer Sender. Wenn der Heilige Vater etwas sagt, dann werden wir mit ihm weder diskutieren noch seine Äußerungen kommentieren. Wir wollen lediglich seine Botschaft besser verstehen. Ich bitte die Zuhörer sehr darum, wenn Sie uns anrufen, unterlassen Sie bitte jegliche Propaganda - sowohl für als auch gegen den Beitritt zur EU", sagte überraschend Pater Rydzyk während einer Live-Sendung (...) seines Senders am vergangenen Donnerstag (22.5). Pater Rydzyk hat diese Sendung nicht selbst moderiert, er rief an, nachdem sich mehrere Gegner des Beitrittes Polens zur EU zu Wort gemeldet hatten.

Ferner erklärte Pater Tadeusz Rydzyk: "Ein Bischof sagte über die Europäische Union, dass diese Struktur nicht das reinste Himmelreich sei. Wer so etwas behaupte, der lüge. Die EU sei jedoch auch nicht die Hölle. Sie sei gewiss das Fegefeuer. Für uns könnte es sogar ein großes Fegefeuer bedeuten. Vielleicht jedoch sollten wir solch ein Fegefeuer erleben..."

Wie wird diese Äußerung von Vertretern der katholischen Kirche aufgenommen? "Wenn diese Worte von Pater Rydzyk eine Änderung der Ansichten von Radio Maryja bedeuten, so sollte man Halleluja rufen und nach vorne schauen. Ich befürchte jedoch, dass die EU-Gegner innerhalb der Kirche ihre Einstellung nicht so leicht ändern werden", sagte Boguslaw Trzeciak, der Berater der polnischen Bischofskonferenz für EU-Angelegenheiten.

Die Äußerungen von Pater Rydzyk wurden in sämtlichen elektronischen Medien in Polen zitiert, sogar in der Hauptnachrichtensendung des Polnischen Fernsehens "Wiadomosci TVP". "Wir beginnen unseren Bericht mit einer Änderung, die von wahrscheinlich nur wenigen Personen erwartet wurde. Die Zahl der völlig Überraschten ist aber viel höher. Es sieht danach aus, dass die Euroskeptiker ihre bisher stärkste Bastion d. h. den Sender Radio Maryja verlieren. Der bis dato durch seine Überzeugungen gegen die Europäische Union bekannte Pater Rydzyk wechselte offensichtlich die Seiten. Unter Berufung auf den Papst appellierte er an die Zuhörer von Radio Maryja, weder für noch gegen den Beitritt Polens zur EU zu werben", wurde in der Nachrichtensendung mitgeteilt.

Schon am nächsten Tag wurde jedoch eine Erklärung von Radio Maryja veröffentlicht: "Wir protestieren heftig gegen die Versuche, die Öffentlichkeit zu manipulieren, um der Autorität des Senders Radio Maryja zu schaden und ihn zu Propagandazwecken für den Beitritt zur Europäischen Union zu missbrauchen. In der Nachrichtensendung "Wiadomosci TVP" wurde ein Beitrag ausgestrahlt, in dem - offensichtlich zielgerichtet - lose und aus dem Zusammenhang gerissene Sätze zitiert sowie der Wahrheit nicht entsprechende Kommentare abgegeben wurden."

Was bedeutet das alles? Wir haben Bischof Tadeusz Pieronek, den Rektor der Päpstlichen Theologischen Akademie in Krakau, um seinen Kommentar gebeten: "Bei Radio Maryja hat sich nichts geändert. Ich höre diesen Sender. Nach den von der Zeitung "Zycie Warszawy" zitierten Äußerungen von Pater Rydzyk wird dies vielleicht sanfter gemacht, aber das ist immer noch dasselbe Spiel. In Rahmen dieses Spieles wurde auch dieser Protest gegen die Manipulationen des Polnischen Fernsehens herausgegeben. Man darf keine grundsätzlichen Änderungen erwarten", sagte Bischof Pieronek gegenüber der Zeitung "Gazeta Wyborcza". (Sta)

  • Datum 26.05.2003
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