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Wirtschaft

Kaum noch Hoffnung für Schlecker

Die Zeichen stehen nicht gut: Es wird immer wahrscheinlicher, dass am Freitag die Abwicklung der insolventen Drogeriekette beschlossen wird. Das wäre verheerend für tausende Mitarbeiterinnen.

Eine Rettung der insolventen Drogeriekette Schlecker scheint immer unwahrscheinlicher. Unterschriftsreife Investorenangebote scheinen noch immer nicht vorzuliegen. Nach Informationen der "Südwest Presse" ist daher am Freitag bei der entscheidenden Gläubigersitzung ein Beschluss über die Zerschlagung Schleckers zu erwarten. "Das Urteil ist gefallen. Am kommenden Freitag gibt es nur die Verkündung", zitierte die Zeitung am Mittwoch (29.05.2012) Branchenkenner.

Das würde vor allem die mehr als 14 300 Mitarbeiter treffen. Betriebsratschefin Christel Hoffmann gibt aber nicht auf: "Ich sehe einen kleinen Ansatz einer möglichen Wende." Eine Lösung in letzter Sekunde sei nicht völlig ausgeschlossen.

Ein belastbares Konzept wird gesucht

Der größte Gläubiger und Kreditversicherer Euler Hermes will bei einer Entscheidung für das endgültige Schlecker-Aus die Schuld nicht auf sich nehmen. "Sollte diese Entscheidung fallen, dann gab es kein realistisches und tragfähiges Angebot der Investoren", sagte ein Sprecher und bestätigte einen Bericht der "Südwest Presse". Derzeit liefen noch "harte Verhandlungen" zwischen Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz und den beiden verbliebenen Investoren.

Insolvenzverwalter Schlecker bei einer Pressekonferenz Foto: Mario Vedder/dapd

Arndt Geiwitz, Insolvenzverwalter der Drogeriemarktkette Schlecker

Euler Hermes bestätigte, derzeit zwei Konzepte zu prüfen. Es soll sich um Angebote des Karstadt-Eigners Nicolas Berggruen und des US-Investors Cerberus Capital Management handeln. Die Namen möglicher Investoren wollte der Sprecher nicht kommentieren. Es käme auf Kaufpreishöhe und Tragfähigkeit der Konzepte der Investoren an. Das Ziel bleibe, so Euler Hermes, Schlecker zu erhalten, doch dazu sei "ein belastbares Konzept" nötig.

Euler Hermes hat Warenlieferungen an Schlecker von rund 300 Millionen Euro abgesichert. Daher hängt nach Expertenmeinung die Zukunft von Schlecker in hohem Maße von Euler Hermes ab.

Stolze und kampfbereite Mitarbeiterinnen

Schlecker-Gesamtbetriebsratchefin Hoffmann appellierte kurz vor Ablauf der Frist an beide Investoren und erinnerte sie an ihre "soziale und moralische Verpflichtung". Am Freitag werde angesichts der ernsten Lage die Betriebsräte-Konferenz mit rund 400 Arbeitnehmervertretern in Berlin zusammenkommen. "Wir werden entscheiden, wie wir mit dem Tag X umgehen", sagte Hoffmann und fügte hinzu: "Man kann uns unsere Arbeitsplätze nehmen, aber unsere Würde, unseren Stolz und unsere Kampfbereitschaft kann uns keiner nehmen."

Eine Mitarbeiterin der Drogeriekette Schlecker reißt das Firmenlogo von der Eingangstür einer Filiale Foto: Julian Stratenschulte dpa/lsw/lby

Schlecker droht das endgültige Aus

Ursprünglich hatte Insolvenzverwalter Geiwitz bis Pfingsten einen Investor präsentieren wollen. Doch mit diesem Ziel ist er gescheitert. Er konnte zwar die Verluste von Schlecker deutlich senken, doch das Unternehmen schreibt weiter rote Zahlen. Die Investorensuche wird auch belastet von einer Klagewelle von tausenden gekündigten Schlecker-Mitarbeitern und dem schwierigen Image der Kette.

In Frankreich konnte der Insolvenzverwalter einen Zwischenerfolg vermelden. Ein Geiwitz-Sprecher teilte am Mittwochabend mit, dass der französische Supermarktkonzern Système U die Tochterfirma Schlecker SNC mit 139 Filialen und rund 750 Mitarbeitern übernimmt. Schlecker hatte vor kurzem angedeutet, dass es für das französische Auslandsgeschäft einen Interessenten gäbe.

Die Frist läuft ab

Geiwitz vertritt in erster Linie die Interessen der Gläubiger. «Wenn Schlecker zu viele Verluste macht und er keinen Investor findet, muss er die Fortführung des Betriebes einstellen», sagt Insolvenzrichter Benjamin Webel vom Ulmer Amtsgericht. Am 5. Juni kommt in Ulm die Gläubigerversammlung zusammen, dort wird die Zukunftsentscheidung festgeklopft.

Am vergangenen Freitag hatten die drei größten Schlecker-Gläubiger Geiwitz eine letzte Galgenfrist von einer Woche eingeräumt, um einen Investor mit belastbarem Angebot zu präsentieren. Gelingt ihm dies bis Freitagvormittag (1. Juni) nicht, wird der Betrieb eingestellt und die noch verbliebenen Vermögenswerte werden veräußert.