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Deutschland

Kaum noch Abwanderung von Ost nach West

Die Abwanderung aus den "neuen" Bundesländern in den Westen Deutschlands ist laut einem Bericht so niedrig wie nie. Was sind die Gründe dafür?

Im Jahr 2014 seien nur noch 3300 Menschen aus dem Osten (ohne Berlin) in den Westen abgewandert, zitieren die Zeitungen der Funke-Mediengruppen aus einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Dies sei mit Abstand der geringste Wert seit der Wiedervereinigung.

"Der Osten hat sich stabilisiert, der Strukturwandel ist vollzogen", sagte IW-Forscher Wido Geis den Zeitungen. Die neuen Bundesländer hätten "wirtschaftlich aufgeholt", der starke Arbeitsplatzabbau aus den Nachwendejahren sei gestoppt. "Der Osten ist attraktiv geworden", bilanzierte Geis.

Geschlechtsspezifische Unterschiede

Die Wanderungsmuster haben sich dem Bericht zufolge in den vergangenen Jahren deutlich verändert. So hätten seit dem Jahr 2009 mehr Männer den Osten Richtung Westen verlassen, während es bis dahin mehr Frauen gewesen seien, schreiben die Funke-Zeitungen. Nach den aktuellsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2014 verließen per Saldo 3234 Männer den Osten (ohne Berlin) gen Westen und nur noch 92 Frauen.

Die Geschlechterverhältnisse haben sich in den neuen und alten Bundesländern aber noch längst nicht angeglichen. So seien 2014 im Osten 52,4 Prozent der 20- bis 49-jährigen Personen männlich gewesen, während es im Westen nur 50,5 Prozent waren.

Insgesamt gibt es vor allem in den ländlichen Gebieten der neuen Bundesländer überdurchschnittliche viele Männer, schreiben die IW-Experten. Bleibt die Frage, warum es dennoch zu der geschlechterspezifischen Verschiebung bei der Ost-West-Wanderung gekommen ist. "Ein wichtiger Faktor sind die Perspektiven am Arbeitsmarkt", erklärt Geis. Diese hätten sich insbesondere im Dienstleistungsbereich, also etwa im Gaststättengewerbe, im Einzelhandel oder in der Pflege, wo sehr viele Frauen beschäftigt sind, deutlich gebessert.

Städte sind gefragt

Trotz des deutlichen Rückgangs der Ost-West-Wanderung verlieren nach wie vor viele ländliche Kreise in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen sowie dem südlichen Brandenburg stark an Bevölkerung. Das betrifft allerdings auch einige Regionen im Westen, insbesondere im nördlichen Bayern. Die stärkste Abwanderung gab es laut den Funke-Zeitungen im Jahr 2014 im Landkreis Fürth mit 4,2 Menschen je tausend Einwohner. An zweiter Stelle folgte der Elbe-Elster-Kreis in Brandenburg mit 3,7 und an dritter die Stadt Würzburg mit 3,4 Abwanderern je tausend Einwohner.

chr/jj (afp, epd)