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Europa

Kaum Interesse an den Wahlen

Rumänien steckt in einer politischen Krise. Die Regierung ist gestürzt und viele wollen bei der Wahl ihres neuen Präsidenten nicht mehr abstimmen. Besonders den Jugendlichen fehlen politische Vorbilder.

Porträt von Traian Basescu (Foto: dpa)

Der alte Präsident Traian Basescu steht wieder zur Wahl

Ein großes Ereignis steht in Rumänien an: Am Sonntag (22. November) sollen die Rumänen einen neuen Präsidenten wählen. Zwölf Kandidaten stehen zur Auswahl. Deshalb ist es auch unwahrscheinlich, dass im ersten Wahlgang ein Kandidat die absolute Mehrheit der Stimmen erhalten wird. Am 6. Dezember stünde dann eine Stichwahl zwischen den beiden ersten Kandidaten an. Doch die Rumänen sind nicht besonders an den Wahlen in ihrem Land interessiert.

Korruptionsvorwürfe, massive Streitigkeiten innerhalb von Koalitionen, Gerüchte über Wahlbetrug und Entlassungen: Das war politischer Alltag in den vergangenen Monaten und Jahren. Nur wenige Wochen vor der Präsidentschaftswahl fiel in Rumänien die Regierungs-Koalition auseinander. Seitdem herrscht Chaos mit einer Regierung, die nur noch geschäftsführend im Amt ist.

Politikmüde Jugend

Eine Brücke in Sibiu (Foto: DW)

Sind die Rumänen wahlmüde?

In Sibiu gehen Dorothea, Jan und Christine zur Schule. Die Präsidentschaftswahl ist für sie die erste Wahl, in der sie ihre Stimme abgeben dürfen. Doch sie wollen nicht wählen gehen. Kein Kandidat sei besser als der andere, meint Jan. Dorothea glaubt, dass sich nach den Wahlen eh nichts ändert: Nach dem Kommunismus habe ihr Land plötzlich all diese Parteien gehabt, dann habe man die eine gewählt, dann die andere, aber viel geändert habe sich trotzdem nicht, sagt die Schülerin.

Die Jugendlichen sehen aber auch das Risiko ihrer Entscheidung: Gerade die älteren Menschen, die wählen gehen, seien leicht Opfer von Wahl-Propaganda, sagt Christine. Es könne passieren, dass man plötzlich aufwache und einen Präsidenten habe, mit dem man eigentlich nicht zufrieden sei. Zur Wahl gehen will sie trotzdem nicht.

Politiker sind schon lange keine Vorbilder mehr

Ovidiu Gant sitzt hinter einem Mikrofon (Foto: Klaus Jansen)

Ovidiu Gant kritisiert seine Politiker-Kollegen

Die Schüler und auch ihre Eltern sind offenbar stark verunsichert, welchen Politikern sie überhaupt noch trauen können. Für Ovidiu Gant ist das keine Überraschung. Die Parteien würden halbe Analphabeten aufstellen, die sich kaum ausdrücken könnten, sagt der Politiker, der als deutscher Minderheiten-Repräsentant im rumänischen Parlament sitzt. Außerdem gebe es diese unsäglichen Talkshows im Fernsehen, in denen sich die Politiker ständig gegenseitig angriffen.

Für die Jugend biete die Politik in Rumänien keine Modelle, sagt der Politiker. In den Personen, die sie jeden Abend im Fernsehen sehen können, könnten sich die Jugendlichen jedenfalls nicht wiederfinden. Junge Politiker, mit denen sie sich identifizieren könnten, fielen allenfalls dadurch auf, dass sie der Sohn oder die Tochter von jemand Bedeutendem seien, erklärt Gant. Das sei keine Motivation, selbst politisch aktiv zu werden.

Geduld ist nötig, aber es muss schnell gehen

Orthodoxe Rumänen gehen zur Wahl (Foto: AP)

Bei der Parlamentswahl im November 2008 haben nur knapp 40 Prozent gewählt

Aber ganz schwarz malen will auch Gant die Zukunft nicht. Immerhin habe sich Rumänien 17 Jahre nach der Revolution zum Vollmitglied der Europäischen Union gemausert, sagt der Politiker. Allerdings: Die 50 Jahre Kommunismus hätten die rumänische Wirtschaft und ihre Eliten zugrunde gerichtet. Man müsse Geduld haben, glaubt Gant.

Geduld, die das Land eigentlich nicht aufbringen kann: Es ist stark von der Wirtschaftskrise betroffen. Entscheidungen müssen schnell getroffen werden. Deshalb werden kurz nach der Präsidentschaftswahl auch vorgezogene Parlamentswahlen in Rumänien erwartet. Wahlen, an denen wohl wieder weit mehr als die Hälfte der Bevölkerung nicht teilnehmen wird.


Autor: Klaus Jansen
Redaktion: Julia Kuckelkorn

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