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Politik

Kaum Fortschritte beim Wiederaufbau in Aceh

Nach dem Tsunami überschlugen sich die Hilfszusagen aus dem In- und Ausland. Monate danach ist die Situation in Indonesien noch immer katastrophal. Bürokratie und Korruption verhindern die Hilfe.

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Spendenflut ebbt ab, Zerstörungen bleiben

Fünf Monate nach der verheerenden Tsunami-Katastrophe in der besonders betroffenen Provinz Aceh in Nordsumatra ist keines der geplanten Wiederaufbauprojekte in Angriff genommen oder fertig gestellt worden. Zu diesem vernichtenden Urteil kommt Kuntoro Mangkusubroto, seit Anfang des Monats Chef der indonesischen Wiederaufbaubehörde für Aceh und die vom Erdbeben zerstörte Insel Nias. Bis jetzt seien alle von der Regierung gegebenen Versprechen für den Wiederaufbau nicht eingelöst worden, weil die zugesagte indonesische Hilfe vom Parlament in Jakarta noch nicht freigegeben worden sei. Kuntoro warnt: "Das ist schon sehr traurig, wenn man die Situation in den Flüchtlingslagern sieht. Wir müssen sofort handeln, damit wir diese Menschen wieder ins normale Leben zurückbringen können."

Bisher nur Planungen

Wenn es nach der indonesischen Regierung ginge, müsste seine Behörde bei Null anfangen. Sie arbeitet zurzeit ausschließlich mit ausländischen Hilfsgeldern. Die deutschen Hilfsgelder, die in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) eingesetzt werden sollten, seien bislang allerdings auch noch nicht verwendet worden. Derzeit befänden sich alle Projekte lediglich im Planungsprozess, das Registrierungsverfahren beginnt erst am 20. Mai. "Was wir jetzt machen müssen, ist zunächst einmal eine Bestandsaufnahme. Was kann mit der Hilfe aus dem Ausland gemacht werden? Wir müssen die Hilfsangebote registrieren, wer Häuser baut, Krankenhäuser und Bibliotheken. Welche Organisation übernimmt welches Projekt?"

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Hilfsgelder kommen nicht an

Schwierigkeiten gäbe es auch bei der Koordination der ausländischen Hilfsgelder und der Hilfsorganisationen, die noch vor Ort in Aceh seien. Kuntoro forderte entschiedene Schritte gegen die um sich greifende Korruption im Zusammenhang mit Wiederaufbaumaßnahmen, damit Hilfsgelder nicht Zweck entfremdet oder missbraucht würden. Die Korruption in den Griff zu bekommen, hätte oberste Priorität. "Alle meine Mitarbeiter müssen erst einmal einen Anti-Korruptionsvertrag unterzeichnen. Und das ist nicht nur eine moralischer Forderung - das muss auch umgesetzt werden."

Kuntoros erster Eindruck nach seinem Amtsantritt in Aceh ist, dass sich die Lage der Bevölkerung seit dem Erdbeben im Dezember 2004 kaum gebessert habe. Besonders in den Flüchtlingslagern warten die Menschen noch heute auf den Wiederaufbau ihrer zerstörten Häuser und Dörfer. Auch im Bereich Infrastruktur, bei der Wiederherstellung von Brücken, Straßen und Häfen ist fast nichts geschehen.

Kritik an der Regierung

Kuntoro macht für die desolate Lage das mangelnde Krisenbewusstsein bei der indonesischen Regierung verantwortlich und fordert die zuständigen Politiker auf, umgehend zu handeln, damit das Leiden der Bevölkerung endlich ein Ende fände. Seiner Ansicht nach wird der Wiederaufbau der vom Tsunami verwüsteten Region noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen.

Die indonesische Regierung hatte bereits vor zwei Monaten erklärt, die Nothilfe in Aceh sei abgeschlossen, für die meisten ausländischen Hilfsorganisationen bestünde keine Notwendigkeit mehr vor Ort zu bleiben. Die lokalen Behörden hätten die Lage unter Kontrolle.

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