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Politik

"Kaufen, wenn die Kanonen donnern"

Der Leitspruch des Bankiers Rothschild - siehe Überschrift - hat noch längst nicht ausgedient, schreibt DWTV-Korrepondent Eckhard Tollkühn aus Washington.

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Man nennt sie SUVs: Sports Utility Vehicles. Seit fünf Jahren sind sie das neue Statussymbol auf Amerikas Straßen. Die bis zu sieben Meter langen Blechmonstren haben einen hohen Schadstoffausstoß und einen Benzinverbrauch, als käme der Kraftstoff aus dem Gartenschlauch. Trotz des Kriegsgetrommels von Präsident Bush und des erwarteten Ölpreisanstiegs kaufen amerikanische Autokunden am liebsten diese durstigen Geländewagen. Benzinverbrauch ist hier kein Thema - solange in den Vereinigten Staaten die nationale Politik des Billigbenzins herrscht.

Sehr wohl ein Thema ist der mögliche Krieg gegen den Irak. Allein die Aussicht auf einen Krieg in der Golfregion würde vielen Menschen die Lust auf die Superspritschlucker nehmen. Nicht so den unverbesserlich optimistischen Amerikanern. Die Ölpreise steigen zwar schon jetzt und ein Militärschlag dürfte weitere Turbulenzen auf dem Weltmarkt verursachen. Aber danach werde ja alles noch viel besser als es jetzt schon ist. Der typische SUV-Käufer denkt schließlich langfristig .

Das Credo: Saddam wird der Garaus gemacht. Der befreite Irak will mit Hilfe westlicher Investoren wirtschaftlich schnell auf die Beine kommen und fördert das schwarze Gold an die Oberfläche, dass es eine Freude ist. Mit seinen 112 Milliarden Barrel Ölreserven verdirbt der Irak der OPEC die Preise. Autofahren hat noch nie so viel Spaß gemacht. Wann geht es endlich los?

Naiv oder nicht, Tatsache ist, dass mehr als die Hälfte aller Neuzulassungen bei Fahrzeugen in den USA mittlerweile SUVs sind. Vier Millionen neue Geländewagen waren es im letzten Jahr, Tendenz steigend. Man kann die Amerikaner inzwischen in zwei Kategorien einteilen. In Besitzer von SUVs und NAVs (Normal Aussehende Vehikel) Erstere sitzen mit der Einstellung auf dem Hochsitz: "Auf die Dauer hilft nur Power". Sie haben ein Gefühl der Sicherheit am Steuer ihres grosskalibrigeren Fahrzeugs, denn tatsächlich sterben bei Verkehrsunfällen meist die anderen, die im kleineren Wagen.

Kein Wunder, dass die NAV-Fahrer nicht gut auf die SUV-Kollegen zu sprechen sind. Wer lässt sich schon gern von einer Riesenstoßstange vor der eigenen Windschutzscheibe einschüchtern oder durch die höheren Scheinwerfer der SUVs blenden. SUVs sind bei den bescheideneren Verkehrsteilnehmern schon als "Achsen des Bösen" verschrieen. Der neue Ford Excursion, ein Sieben-Meter-Schiff, hat bei umweltbewussteren Mitbürgern den Nahmen "Ford Valdez", nach der Ölhavarie der "Exxon Valdez" 1989 in Alaska.

Für die Umwelt sind die SUVs eine absolute Katastrophe, klagen nicht nur Organisationen wie Greenpeace oder der Sierra Club. "Sie sind völlig unnötig, denn weniger als 15 Prozent sehen jemals das Gelände, für das sie gebaut wurden", sagt John Tagiuri Mitbegründer der Umweltgruppe "Earth on Empty" aus Boston. John Tagiuri und seine Gesinnungsgenossen haben sich eine Art Eulenspiegelei einfallen lassen, um an das gute Gewissen der SUV-Fahrer zu appellieren.

In 200 US-Städten heften sie Knöllchen an die Windschutzscheiben von SUVs – über eine Million inzwischen – die zwar keine rechtlichen Konsequenzen haben aber vielleicht den einen oder anderen Fahrer zum Nachdenken anregt, wenn er auf dem Zettel gefragt wird: "Brauchen sie das Ding eigentlich?"