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Deutschland

Kaufe SPD - verkaufe FDP

Edmund oder Gerd - Wer wird Bundeskanzler? Meinungsforschungsinstitute stellen die "Sonntagsfrage". Doch ihre Konkurrenz ist auf dem Vormarsch: "Internet-Wahlbörsen" mischen mit im Kampf um die richtige Prognose.

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Wer kriegt die Kurve?

Meinungsforscher von forsa und Allensbach versuchen mit traditionellen Umfragemethoden, den Wahlausgang vorherzusagen. Die "Wahlbörsen" im Internet verfolgen eine komplett andere Taktik: Das Prinzip gleicht einer Aktienbörse. Spieler kaufen und verkaufen "Parteiaktien", deren Kurs durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird. Der Kurs der Aktie gibt die bei der Wahl erwarteten "Stimmenprozentpunkte" an. Steht das Ergebnis der Wahl fest, wird der "Wahl-Markt" geschlossen. Die Spieler erhalten für ihre Aktien die tatsächlich erreichten Stimmenprozentpunkte in Cent ausgezahlt.

"Wir sprechen uns nach der Wahl!"

Ein Spieler muss sich nicht fragen "Was würde ich wählen?", sondern "Wie wählen die Anderen?" Er braucht ein gutes Gespür für die politische Stimmung im "Wahlvolk". Die Idee stammt aus den USA. In Deutschland wurde sie zunächst von Universitäten aufgegriffen. Seit 1998 gibt es in Deutschland kommerzielle Wahlbörsen im Internet, die von verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften präsentiert werden. Bei den Umfragen der Meinungsforschungsinstitute stellen die Befragten eine repräsentative Auswahl der wahlberechtigten Bevölkerung dar. Dagegen dominiert bei Wahlbörsen eine bestimmte soziale Gruppe: Männer mit höherer Bildung. Trotzdem sind die Prognosen oft erstaunlich treffend.

Walter Mohr ist der Mitbegründer von PrognoSys, einem Anbieter für Prognose- Aktienmärkte. Bei der Landtagswahl 2000 in Schleswig- Holstein gab die von ihm erstellte Wahlbörse die beste Prognose ab. Der Professor am Institut für Angewandte Mathematik der Fachhochschule Flensburg findet, dass die neue Methode den Umfragen überlegen sei. Vor allem sei sie kostengünstiger, aktueller und könne schneller auf Ereignisse reagieren. "Wir präsentieren ungeschminkt die Zahlen, bei Meinungsforschungsinstituten hingegen werden die Brutto- Zahlen nach undurchsichtigen Regeln gewichtet", ergänzt er im Gespräch mit DW-WORLD. Er bedauert, dass sich die Meinungsforschungsinstitute nicht wissenschaftlich mit der neuen Methode auseinandersetzten, sondern sie belächelten. "Allensbach hat keine Ahnung von neuen Medien, aber wir sprechen uns nach der Wahl", sagt Mohr selbstbewusst.

"Schönes Spiel- aber keine Konkurrenz"

Dr. Edgar Piel, Pressesprecher beim Meinungsforschungsinstitut Allensbach, hält die Wahlbörsen für "ein schönes Spiel, aber keine Konkurrenz". "Die Meinungsforschung erhebt Analyse-Daten, die die Wahlbörse gar nicht erheben kann", erklärt Piel im Gespräch mit DW- WORLD. Zudem würden Wahlbörsen ohne Meinungsforschungsinstitute gar nicht funktionieren, da die Teilnehmer sich an den veröffentlichten Umfragedaten orientierten. Dem widerspricht Mohr: "Bei Landtagswahlen gibt es nur einmal im Monat Umfragen, da können sich die Teilnehmer gar nicht orientieren."

Wer macht denn nun die besseren Voraussagen? Dr. Michael Berlemann, Mitarbeiter am Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre der TU Dresden, hat die Antwort. In einer Untersuchung verglich er alle bisherigen deutschen Wahlbörsenergebnisse mit den entsprechenden Umfragedaten der Institute. Im Gespräch mit DW-WORLD beschreibt er seine Bilanz: "Die Börsenergebnisse waren signifikant besser, obwohl die Teilnehmerzahl manchmal nur sehr gering war." Berlemann sieht die Börsen als eine gute Ergänzung zu Umfragen. Dass sie auch ohne Umfragen funktionieren würden, hält er für eine gewagte These, die sich leider nicht nachprüfen ließe. Eine wichtige Voraussetzung für eine Börsen sei, dass der Börsianer etwas verlieren könne: "Wenn es um nichts geht, ist das Spielverhalten anders und die Werte nicht so glaubwürdig".

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