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Asien

Katholischer Bischof erstochen

In der Türkei ist der Vorsitzende der türkischen Bischofskonferenz, Luigi Padovese, erstochen worden. Der Täter soll in psychologischer Behandlung gewesen sein.

Padovese bei der Beerdigung seines ermordeten Kollegen Andrea Santoro (Archivbild: AP)

Padovese bei der Beerdigung seines ermordeten Kollegen Andrea Santoro (Archivbild)

Der für Anatolien zuständige katholische Bischof sei am Donnerstag (03.06.2010) im Garten seines Hauses in Iskenderun angegriffen worden, berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu. Der 63-Jährige wurde schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht, wo er später starb.

Kurze Zeit später habe die Polizei einen Verdächtigen mit der Tatwaffe festgenommen, wie die Katholische Nachrichtenagentur KNA aus Deutschland unter Berufung auf den Gouverneur von Iskenderun, Mehmet Celalettin Lekesiz, berichtete. Es handelte sich um Padoveses Chaffeur Murat A. Der Fahrer arbeitete den Angaben zufolge seit viereinhalb Jahren für den Bischof und soll in psychologischer Behandlung gewesen sein.

Zuständig für Christen im Süden und Osten der Türkei

Es sehe so aus, als handele es sich "um eine persönliche Angelegenheit" und nicht um ein religiöses oder politisches Motiv, sagte der Gouverneur. "Wir untersuchen die Tat aber genauestens." Er habe den Bischof gut gekannt und sei tief betrübt.

Padovese war Vorsitzender der Türkischen Bischofskonferenz und Apostolischer Vikar von Anatolien. Der am 31. März 1947 in Mailand geborene Geistliche, der dem Franziskanerorden angehörte, wurde 2004 von Papst Johannes Paul II. zum Apostolischen Vikar ernannt und empfing die Bischofsweihe. Zuvor war er Professor an der Ordens-Universität "Antonianum" in Rom. Er war für die rund 4500 Katholiken im Süden und Osten der Türkei zuständig.

Andrea Santoro (Archivfoto: AP)

Andrea Santoro wurde 2006 ermordet

Der Vatikan verurteilte die Tat in einer ersten Reaktion als schrecklich und unglaublich. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, verurteilte den "brutalen und feigen Mord". Padovese habe in den vergangenen sechs Jahren als Bischof viel für die Christen in der Türkei bewirkt.

Kette von Übergriffen gegen Christen

In den vergangenen Jahren hatte es wiederholt gewaltsame Übergriffe gegen Christen in der Türkei gegeben. Im Februar 2006 hatte ein 16-Jähriger in der türkischen Schwarzmeer-Stadt Trabzon den italienischen Priester Andrea Santoro beim Gebet in der Kirche hinterrücks erschossen. Im Juli 2006 stach ein Mann in der türkischen Hafenstadt Samsun auf den französischen Geistlichen Pierre Brunissen ein. Im April 2007 wurden drei Christen - einer aus Deutschland, zwei aus der Türkei - in der südosttürkischen Stadt Malatya gefoltert und ermordet. Zuletzt hat sich die Lage aber wieder beruhigt.

Autor: Martin Schrader (dpa, kna)
Redaktion: Kay-Alexander Scholz