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Deutschland

Katholische Theologen für Ende des Zölibats

150 Theologen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben tiefgreifende Reformen in der katholischen Kirche angemahnt. Sie fordern den Pflichtzölibat abzuschaffen und Frauen zum Priesteramt zu zulassen.

Theologen fordern Öffnung des Priesteramts für Verheiratete (Foto: picture-alliance/ANP)

Theologen fordern Öffnung des Priesteramts für Verheiratete

Als Konsequenz aus der beispiellosen Krise, in die katholische Kirche nach Bekanntwerden des sexuellen Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen durch Priester und Ordensleute gestürzt war, haben zahlreiche Theologen aus dem deutschsprachigen Raum in einer Erklärung jetzt grundlegende Veränderungen angemahnt.

"Im vergangenen Jahr sind so viele Christen wie nie zuvor aus der katholischen Kirche ausgezogen; sie haben der Kirchenleitung ihre Gefolgschaft gekündigt... Die Kirche muss diese Zeichen verstehen und selbst aus verknöcherten Strukturen ausziehen, um neue Lebenskraft und Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen", heißt es in dem Papier.

Die Bibel (Foto: Fotolia)

Die katholischen Laien fordern Bewegung im Vatikan

Der Reformkatalog mit dem Titel "Kirche 2011: Ein notwendiger Aufbruch" wurde inzwischen von mehr als 150 Theologinnen und Theologen unterschrieben. Damit unterstützt im Durchschnitt jeder dritte Theologieprofessor in Deutschland den Inhalt.

Mehr Mitsprache für katholische Laien

Mit Blick auf die zunehmende Unzufriedenheit unter den katholischen Laien verlangen die Theologen neben der Zulassung von verheirateten Männern zur Priesterweihe mehr Respekt vor individuellen Lebensentscheidungen und ein größeres Mitspracherecht der Laien beispielsweise bei der Auswahl der Bischöfe. Die "tiefe Krise unserer Kirche" fordere, auch jene Probleme anzusprechen, "die nicht unmittelbar etwas mit dem Missbrauchsskandal zu tun haben".

Mit ihrer Erklärung wenden sich die Katholiken "an alle, die es noch nicht aufgegeben haben, auf einen Neuanfang in der Kirche zu hoffen und sich dafür einsetzen". Dem Sturm des letzten Jahres dürfe keine Ruhe folgen.

Letzte "Revolte" liegt 22 Jahre zurück

Kölns Erzbischof Joachim Kardinal Meisner gilt als sehr konservativ (Archivfoto: AP)

Kölns Erzbischof Joachim Kardinal Meisner gilt als sehr konservativ

Einen vergleichbaren "Aufstand" in der katholischen Kirche gab es zuletzt vor 22 Jahren. 1989 hatten mehr als 220 Wissenschaftler in einer "Kölner Erklärung" mit dem Titel "Wider die Entmündigung - für eine offene Katholizität" gegen den Führungsstil des damaligen Papstes Johannes Paul II. protestiert, nachdem dieser gegen alle Widerstände Joachim Kardinal Meisner zum Erzbischof von Köln ernannt hatte.

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hat die Forderung der Theologen nach durchgreifenden Reformen begrüßt. Die Erklärung sei ganz im Sinne der von der Deutschen Bischofskonferenz und dem ZdK angestoßenen Dialoginitiative, sagte ZdK-Sprecher Theodor Bolzenius. "Wir begrüßen, dass das Gespräch jetzt weiter in Gang kommt und ganz verschiedene Gruppen sich äußern." Die Themen deckten sich weitgehend mit denen, die auch das ZdK als wichtig ansehe.

Bischofskonferenz gegen Zölibat-Lockerung

Papst Benedict VI. ist gegen eine Lockerung des Zölibats (Foto: AP)

Papst Benedict XVI. ist gegen eine Lockerung des Zölibats

Die Deutsche Bischofskonferenz hatte vor knapp zwei Wochen den Vorstoß namhafter CDU-Politiker zurückgewiesen, das Priesteramt für Verheiratete zu öffnen. Die Unterzeichner eines entsprechenden Briefes, darunter Bundestagspräsident Norbert Lammert, Bildungsministerin Annette Schavan sowie die ehemaligen Ministerpräsidenten Erwin Teufel, Bernhard Vogel und Dieter Althaus, hatten die Bischöfe auch mit Blick auf den Priestermangel gebeten, sich bei Papst Benedikt XVI. für ihr Anliegen einzusetzen. Die Anregung sei von weltkirchlicher Tragweite und verlange eine Entscheidung auf gesamtkirchlicher Ebene, lautete die Antwort.

Autorin: Susanne Eickenfonder (kna, afp, dpa, dapd)

Redaktion: Dirk Eckert

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