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Kultur

Katholische Kirche weltweit - woher kommt das Geld?

Der Fall Limburg hat ein Schlaglicht auf die Finanzierung der katholischen Kirche geworfen. In Deutschland zahlen Gläubige Kirchensteuer - in vielen anderen Ländern sind die Gemeinden dagegen auf Spenden angewiesen.

Im Volksmund hat er schon seinen Spitznamen weg - "Prass-Priester" nennen viele den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. "Bling Bishop" im englischsprachigen Ausland. Der Bischof steht in der Kritik, weil sich die Baukosten für seine neue Residenz innerhalb weniger Jahre von anfangs fünf auf inzwischen 31 Millionen Euro vervielfacht haben.

Sogar der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, hat sich bereits von Tebartz-van Elst distanziert. Er weiß um die negativen Folgen eines solchen Skandals für die katholische Kirche, deren Finanzstrukturen im Zuge der Debatte zum wiederholten Mal in den Blickpunkt von Medien und Öffentlichkeit geraten sind.

Eine von der Bischofskonferenz eingerichtete Kommission soll nun die Kassen in Limburg prüfen. Da ist zum einen der öffentliche Bistumshaushalt, gespeist aus der Kirchensteuer, staatlichen Leistungen und Spenden. Zum anderen gibt es den sogenannten Bischöflichen Stuhl, bestehend unter anderem aus Stiftungen, Immobilien, Erbschaften, Beteiligungen - meist ein Relikt aus früheren Zeiten in den alten Bistümern Europas.

Mit dieser Art der "doppelten Buchführung" steht die deutsche katholische Kirche im internationalen Vergleich sehr gut da. "Solche besonderen Systeme wie die Kirchensteuer - oder den österreichischen Kirchenbeitrag - gibt es nur in ganz wenigen Ländern Europas, sonst weltweit überhaupt nicht", sagt Helmuth Pree, Experte für Kirchenrecht an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die Kirchensteuer zahlen in Deutschland alle steuerpflichtigen Katholiken und Protestanten. Sie liegt bei rund neun Prozent der Einkommenssteuer. Praktischerweise wird sie auch gleich vom Staat eingetrieben. 2012 bescherte dies der katholischen Kirche in Deutschland rund 5,2 Milliarden Euro.



Eine Sonderform der Abgabe ist die sogenannte "Mandatssteuer": Sie existiert in Italien, Spanien und Ungarn und liegt bei 0,7 bis 1,0 Prozent der Einkommenssteuer. Die Bürger können allerdings frei entscheiden, ob ihre Abgabe tatsächlich an die Kirche geht, oder stattdessen staatlichen sozialen Diensten zugute kommen soll. Ein Entkommen, wie etwa in Deutschland durch Austritt aus der Kirche, gibt es hier jedoch nicht.

Spenden, Kollekte, milde Gaben

In den meisten Ländern der Welt ist die katholische Kirche auf freiwillige Beiträge und Spenden angewiesen. Dann "hat es die Kirche regelmäßig sehr, sehr schwer", so Pree. "Wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse im Land schlechter sind, dann fließen auch weniger Spenden." Oft würde schlicht gar nichts gezahlt. Zwar gebe es meist eine Empfehlung seitens der Kirche, wie viel freiwillig gezahlt werden solle, "aber die Kirche hat keine Gewissheit, ob das auch gespendet wird".

Die polnische Christusstatue in Swiebodzin bekommt ihren Kopf aufgesetzt (Foto: EPA/LECH MUSZYNSKI)

Katholisches Polen - Die weltgrößte Christus-Statue steht in Swiebodzin

Eine Sorge, die zurzeit die katholische Kirche in Polen umtreibt: Der in der kommunistischen Nachkriegszeit eingeführte Kirchenfonds zur Entschädigung für Enteignungen generierte allein 2012 rund 21 Millionen Euro. Im Gespräch ist nun stattdessen eine freiwillige Abgabe in Höhe von 0,5 Prozent der Einkommenssteuer, schätzungsweise rund 33 Millionen Euro. Doch dann gälte auch hier: keine Garantie.

Dass es sehr wohl auch nur auf freiwilliger Basis geht, zeigt die Kirche in den USA, "die ein sehr gut ausgebautes System von Spenden der Gläubigen hat", so Markus Graulich, Dekan der Fakultät für Kirchenrecht der Päpstlichen Universität der Salesianer und Richter der Rota in Rom. Doch sei die katholische Kirche in den USA auch "immer ein bisschen mit angezogener Handbremse unterwegs, insofern als dass bestimmte Aussagen und Priester auch dazu führen können, dass die Spendenbereitschaft der Gläubigen abnimmt".

Die Folge, so Graulich: eine potenziell größere Nähe zur Gemeinde. "Ich habe das mit Mitbrüdern diskutiert und gefragt, ob sie in ihrer Predigt frei seien - und die Antwort war 'ja, wenn man eine gute Beziehung zu den Gläubigen aufbaut.'"

Nächstenliebe made in Europe

In vielen anderen Ländern der Welt haben die Ortskirchen jedoch Probleme, ihre laufenden Kosten zu tragen. "Es ist weithin der Fall, dass Bistümer in ärmeren Ländern sich häufig an europäische Kirchen wenden und um Hilfe bitten", so Helmuth Pree. Speziell Deutschland sei dabei eines der starken Geberländer. Laut Deutscher Bischofskonferenz sind 2012 gut 600 Millionen Euro vor allem aus deutschen Hilfswerken, aber auch aus Orden und Bistümern in Projekte ausländischer Kirchen geflossen. Ein Betrag, der zum Großteil durch Spenden und die großen kirchlichen Kollekten zustande gekommen ist, sagt Ulrich Pöner, Leiter des Bereichs Weltkirche und Migration bei der Bischofskonferenz. "Der Kirchensteueranteil darin beläuft sich auf gut 60 Millionen Euro", so Pöner.

Ein Mädchen in kenia steht vor einer Tafel (Bild: Kathrin Harms/MISEREOR) Pressebilder Link: http://www.misereor.de/presse/pressematerial/pressefotos/fastenaktion2012.html

Das Hilfswerk Misereor setzt sich unter anderem für Bildung von Kindern ein - wie hier in Kenia

Im Rahmen von partnerschaftlicher Arbeit würden dann oft bestimmte Einzelprogramme einer Diözese gefördert, zum Beispiel eine Schule oder eine Gesundheitsstation. Ein globales Engagement: Je rund ein Drittel der Hilfsgelder geht an Projekte in Lateinamerika, Asien und Afrika. "Vermutlich wird Afrika weiter an Bedeutung gewinnen", so Pree. Denn inzwischen stünden die Kirchen in Lateinamerika und Asien finanziell besser da. "In Afrika, mit starkem Bevölkerungswachstum und weiterhin sehr starken ökonomischen Problemen, wird die Hilfe in den nächsten Jahren dagegen wahrscheinlich noch weiter ausgebaut werden müssen."

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