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Ostmitteleuropa

Katholische Kirche Polens äußert Besorgnis über Zustand des Landes

Warschau, 11.4.2003, PAP, poln.

Polnische Unternehmer und die obersten Hierarchen der katholischen Kirche in Polen haben sich tief besorgt über "den sich verschlechternden Zustand des polnischen Staates und der polnischen Wirtschaft" geäußert. Kardinal Jozef Glemp traf sich am Freitag (11.4.) mit Unternehmen, die in der Polnischen Wirtschaftskammer, im Verband des Polnischen Handwerks, im Obersten Rat der Handelsvereinigungen und Dienstleistungen sowie in der Polnischen Handelskammer zusammengeschlossen sind.

In einem gemeinsamen Kommuniqué ist zu lesen, "wenn nicht eine radikale und schnelle Verbesserung der institutionellen Voraussetzungen für die Entwicklung des Unternehmertums erfolgt, dann wird der Beitritt unseres Landes zur Europäischen Union nicht die erwarteten Vorteile bringen". Es wird unterstrichen, dass die kleinen und mittleren Firmen, die für die Stärke der Wirtschaft entscheidend seien, auf den wirksamen Wettbewerb auf dem gemeinsamen Markt nicht vorbereitet seien. Die Regierung habe bisher keine effektive Strategie vorgestellt, die darauf abziele, bessere Voraussetzungen für die wirtschaftliche Tätigkeit zu schaffen.

"Der katholischen Kirche und Vertretern wirtschaftlicher Kreise bereitet die zunehmende Verarmung der Gesellschaft, die steigende Arbeitslosigkeit und die immer stärker werdende Kluft zwischen den Armen und den Reichen Sorge", ist in dem Kommuniqué zu lesen.

Die Teilnehmer des Treffens betonten, die Bürger seien Zeugen von Kurruptionsaffären, von personellen Änderungen in der Regierung und innerparteilichen Zwistigkeiten statt entschiedener Maßnahmen der Regierung, die der Verbesserung der wirtschaftlichen Lage dienen würden. "Deutlich zu sehen ist eine fortschreitende politische Destabilisierung des Landes, die sich auf den Zustand der Wirtschaft und auf die Lebensqualität der polnischen Familien ungünstig auswirkt. Die immer häufigeren Proteste verzweifelter Beschäftigter sich im Niedergang befindender Betriebe, die seit Monaten keinen Lohn mehr erhalten, sind ein Beweis dafür."

Die Unternehmer und die katholische Kirche verweisen auch auf die Bedeutung der Ethik und der kirchlichen Lehre für die Gesellschaft. "Noch nicht einmal in einer für die polnischen Unternehmer so schwierigen Situation, wie sie der Eintritt polnischer Firmen auf den EU-Wettbewerbsmarkt darstellt, darf der Mensch als oberste Priorität nicht vergessen werden. Die Sorge um einen würdigen Platz Polens in den europäischen Strukturen kann sich nicht nur auf wirtschaftliche und politische Aspekte beschränken", meinen die Verfasser des Kommuniqués.

Der Primas richtete an die Teilnehmer des Treffens den Appell, die Einheit anzustreben, indem durch das Öffnen für die anderen und das wohlwollende Auftreten anderen gegenüber eine Plattform der Verständigung geschaffen wird. Er rief auch dazu auf, die Passivität, Trägheit, die Wut und die Niedergeschlagenheit zu überwinden.

Der Vorsitzende der Polnischen Handelskammer, Andrzej Arendarski, erklärte, die Unternehmer seien "eindeutig für die Europäische Union". Nach seiner Meinung verfügen die polnischen Unternehmer über viel Energie und Durchsetzungskraft, es müsse ihnen nur geholfen werden, zum Beispiel durch den einfacheren Zugang zu Kapital und durch weniger Bürokratie. "Wir versuchen die Regierung dazu zu überreden, die Voraussetzungen für die polnischen Unternehmer zu verbessern, um wettbewerbsfähiger zu werden, wenn sie eines Tages in der EU sind", fügte er hinzu.

Arendarski fuhr fort, die Veröffentlichung des gemeinsamen Kommuniqués sei auf die Sorge um das Wohl des Staates zurückzuführen. "Die Aushöhlung der wichtigsten politischen Institutionen wie beispielsweise des Sejm sowie die häufigen Umbesetzungen der Ministerposten und der Zustand der Wirtschaft bereiten uns große Sorge."

Vor dem Treffen fand eine heilige Messe statt, die Bischof Tadeusz Pikus zelebrierte. Der Bischof appellierte an die Unternehmer, immer daran zu denken, dass es "außer Gewinnen auch noch andere Werte" gebe. (TS)

  • Datum 14.04.2003
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  • Permalink http://p.dw.com/p/3UYf
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