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Aktuell Deutschland

Katholische Kirche geht auf Reformer zu

Die katholische Kirche in Deutschland strebt Veränderungen beim Umgang mit Wiederverheirateten und bei der Rolle der Frau an. In der Kirche sei ein Perspektivwechsel nötig, sagte Erzbischof Robert Zollitsch.

Er sehe einen Spielraum im Arbeitsrecht, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Konkret gehe es um die Anstellung wiederverheirateter Geschiedener in katholischen Kindergärten oder Einrichtungen der Caritas. Das sei eine deutsche Angelegenheit, die nicht so eng mit dem Vatikan abgestimmt werden müsse.

Zwei Tage hatten in Hannover 30 Bischöfe und 300 Laien, Ordensleute, Vertreter geistlicher Gemeinschaften und Theologen in Hannover unter dem Motto "Zivilisation der Liebe" über dringend von der Basis angemahnte Reformen diskutiert. Mit dem vor einem Jahr gestarteten Dialog hatte die katholische Kirche auf den Missbrauchsskandal und den Schwund von Mitgliedern reagiert.

Kompromissmöglichkeiten sieht Zollitsch auch bei den Ehrenämtern. Dabei geht es um die Frage, ob in zweiter Ehe verheiratete Menschen etwa ein Amt im Pfarrgemeinderat übernehmen können. Eine Arbeitsgruppe, auch unter Beteiligung der Verbände und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken – dem höchsten Laiengremium - werde in den kommenden Monaten intensiv darüber beraten, so der Freiburger Erzbischof.

Bisher kann wiederverheirateten Geschiedenen das Arbeitsverhältnis in der Kirche aufgrund ihrer Lebenssituation gekündigt werden. Die Katholische Kirche betrachtet die Ehe als Sakrament. Sie erkennt daher nur die erste Ehe an und lehnt Scheidungen ab.

Teilnahme an der Kommunion

Die Kirche wolle auch praktische Lösungen für Wiederverheiratete erarbeiten, um ihnen unter bestimmten Umständen die Teilnahme an der Eucharistie, dem katholischen Abendmahl zu ermöglichen, sagte Zollitsch. Hier müssten sich die deutschen Bischöfe aber eng mit dem Vatikan abstimmen.

Ein weiterer Reformpunkt ist der Einfluss der Frauen in der Kirche. Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck verlangte, mehr Frauen müssten in Leitungspositionen der Kirche aufrücken. Das Priesteramt für Frauen lehnte er aber weiterhin ab.

Zollitsch und der Münchner Kardinal Reinhard Marx zogen ein positives Fazit der Veranstaltung. Die Bischöfe und die Vertreter der Basis seien sich auf Augenhöhe begegnet. Marx betonte zudem den gesellschaftspolitischen Auftrag der Kirche und wies einen Rückzug auf ein "Kerngeschäft" zurück: Eine Kirche, die sich auf sich selbst zurückziehe, sei wie ein Ofen, der sich selbst wärmen wolle.

gmf/rb ( dpa, epd, kna)