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Deutschland

Katholische Kirche entschuldigt sich

Die Deutsche Bischofskonferenz hat die Opfer sexuellen Missbrauchs an katholischen Schulen öffentlich um Vergebung gebeten. Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger fordert eine lückenlose Aufklärung der Fälle.

Porträt Zollitsch (Foto: AP)

Robert Zollitsch: "Besonders abscheuliche Verbrechen"

Robert Zollitsch, der Vorsitzende der Bischofskonferenz, fand klare Worte: "Ich entschuldige mich im Namen der katholischen Kirche in Deutschland bei allen, die Opfer eines solchen Verbrechens geworden sind", sagte Zollitsch zum Auftakt der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischöfe in Freiburg. Innerhalb der Kirche wiege der Missbrauch wegen des Vertrauens der Kinder und Jugendlichen in Priester und Erzieher besonders schwer.

In einem Gottesdienst mit den Bischöfen im Freiburger Münster verurteilte Zollitsch am Montagabend das Fehlverhalten von Priestern und anderen Kirchenmitarbeitern: "Wir haben den dumpfen Nachhall auch von Jahrzehnten zurückliegenden Verfehlungen in den vergangenen Tagen und Wochen schmerzlich erfahren müssen. Vertrauen wurde auf abscheuliche Weise missbraucht und zerstört. Wir sind erschüttert über das Verhalten von Kirchenvertretern und Erziehern."

Bischöfe im Freiburger Münster (Foto: AP)

Die Bischöfe versammelten sich zum gemeinsamen Gottesdienst im Freiburger Münster

Bischöfe wollen Konsequenzen ziehen

Ausgelöst wurde der Skandal durch das Bekanntwerden von Missbrauchsfällen am Berliner Canisius-Kolleg, das von Jesuiten geführt wird. Drei Wochen lang hatte Zollitsch geschwiegen, in denen immer mehr Fälle auch aus anderen katholischen Schulen und Internaten bekannt wurden. Nach Angaben der vom Jesuiten-Orden beauftragten Anwältin Ursula Raue meldeten sich bislang etwa 120 Missbrauchsopfer.

Zollitsch kündigte an, die Bischofskonferenz werde Konsequenzen aus dem Skandal ziehen. An diesem Dienstag (23.02.2010) wollen die Bischöfe auf ihrer Vollversammlung über Vorbeugemaßnahmen und schärfere Leitlinien beraten. Die Bischofskonferenz werde unter anderem die Frage klären, ob die katholische Kirche Deutschlands einen Beauftragten für Missbrauchsfälle sowie Ansprechpartner für Missbrauchsopfer ernenne. Bislang gibt es diese nur in den einzelnen Diözesen sowie unter anderem auch bei dem vom Missbrauchsskandal besonders betroffenen Jesuiten-Orden.

Zölibat soll bleiben

Blick durch ein Fenster in den Innenhof des Canisius-Kollegs (Foto: AP)

Nach Bekanntwerden von Missbrauchsfällen am Berliner Canisius-Kolleg zog der Skandal immer weitere Kreise

Eine grundsätzliche Debatte über die Sexuallehre der katholischen Kirche sowie über das Zölibat - das Keuschheitsgebot für Priester - schloss Zollitsch allerdings aus. Sexueller Missbrauch habe nichts mit dem Zölibat und nichts mit der Sexuallehre zu tun, so Zollitsch. "Es ist eine Frage, wie ein Mensch veranlagt ist." Sexueller Missbrauch sei daher überall möglich. Innerhalb der katholischen Kirche komme es nicht häufiger zu Missbrauchsfällen als anderswo.

Kritiker wie die Reformbewegung "Wir sind Kirche" sehen dagegen großen Handlungsbedarf. Die Laienbewegung fordert seit langem die Abschaffung des Zölibats. Änderungsbedarf gebe es auch bei den Leitlinien zum "Vorgehen bei sexuellem Missbrauch durch Geistliche". Notwendig seien eine von der Kirche unabhängige bundesweite Ombudsstelle, eine grundlegende Reform der Priesterausbildung, wirksame Präventionsmaßnahmen und eine aktive Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft, so ihre Forderung. Notwendig sei zudem ein einheitliches und abgestimmtes Vorgehen aller Diözesen und Ordensoberen.

Viele Fälle wohl verjährt

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (Foto: dpa)

Hat Zweifel: Leutheusser-Schnarrenberger

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger zeigte sich skeptisch: "Es ist leider bisher nicht ersichtlich, dass sie (die Vertreter der katholische Kirche) ein aktives Interesse an wirklich rückhaltloser und lückenloser Aufklärung gezeigt haben." Sie erwarte jedoch, "dass die Verantwortlichen endlich konstruktiv mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten, Hinweise geben, mitaufklären", betonte Leutheusser-Schnarrenberger. Ohnehin befürchte sie aber, dass viele Missbrauchsfälle nicht mehr strafrechtlich geahndet werden könnten, weil sie inzwischen verjährt seien.

Autoren: Christian Walz / Eleonore Uhlich (dpa, afp, apn)
Redaktion: Hajo Felten

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