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Politik

Katholisch und deutsch - aber in den USA

Anläßlich des Papstbesuches hat DW-WORLD.DE mit Michael Schapfel, dem Pfarrer der deutschen katholischen Auslandsgemeinde in Washington gesprochen.

Michael Schapfel, Pfarrer der deutschen katholischen Gemeinde in Washington DC, USA (14.4.2008, Quelle: Michael Schapfel)

Michael Schapfel, Pfarrer der deutschen katholischen Gemeinde in Washington

DW-WORLD.DE: Herr Schapfel, was erwarten Sie vom Papstbesuch in den USA?

Michael Schapfel: Viele katholische und nicht katholische Christen in Washington sind sehr auf den Papst gespannt. Es gibt hier ein starkes Selbstverständnis, dass die Vereinigten Staaten und die katholische Kirche den Kommunismus besiegt haben. Besonders Johannes Paul II. wird verehrt: seine Wahl in Verbindung mit Solidarnošc in Polen, Gorbatschow, der Fall der Berliner Mauer, die erreichte Einheit Europas und der Sieg über den Warschauer Pakt. Im Großraum Washington gibt es eine für deutsche Verhältnisse sehr traditionelle Kirche. Sie ist stark auf Rom ausgerichtet und hört darauf, was dort gesagt wird. Die Gemeinde hat sich sehr über die Wahl des neuen Papstes gefreut und ist nun gespannt, mit welcher Botschaft er in die Vereinigten Staaten kommt.

Spielt es für ihre deutsche Gemeinde eine besondere Rolle, dass Papst Benedikt XVI. ein Deutscher ist?

Ja, das spielt für viele unserer Leute eine große Rolle. Nicht zuletzt, weil viele aus Bayern oder sogar aus seiner näheren Heimat stammen. Aber der Papst kommt nicht in die USA, um uns Deutsche zu besuchen. Für die deutsche Gemeinde in Washington gibt es keine Sonderrolle.

Was sind ihre Aufgaben als katholischer Pastor in der deutschen Auslandsgemeinde?

Wir haben hier in Washington eine der ältesten und größten deutschen Auslandsgemeinden. Das liegt an der Bedeutung der Stadt: Es gibt hier die großen Botschaften Deutschlands, Österreichs und der Schweiz und eine immer größer werdende Vertretung der Europäischen Union. Viele Deutsche, Schweizer und Österreicher arbeiten in der Weltbank und beim internationalen Währungsfond. Das Bundeswehrkommando für die Vereinigten Staaten und Kanada ist in Washington stationiert und natürlich arbeiten hier viele deutsche Journalisten. Und die deutsche Schule hat auch 600 Schüler.

Wie ist ihre Gemeinde zusammengesetzt?

In Washington gibt es eine recht große und lebendige Gemeinde von deutschsprachigen katholischen Christen. Sie setzt sich aus zwei verschiedenen Gruppen zusammen: Einerseits sind das Menschen, die zum Teil für viele Jahre oder sogar Jahrzehnte hier arbeiten oder hierher geheiratet haben oder den Rest ihres Lebens hier verbringen wollen. Andererseits gibt es diejenigen, die nur für zwei, drei oder vier Jahre hier sind. Das sind meist Diplomaten, Bundeswehrangehörige oder Geschäftsleute. So gibt es einen festen Stamm von Menschen, die die Gemeinde tragen, und ständig neues Blut.

Unterscheidet sich der deutsche Katholizismus vom Katholizismus in den USA?

Vielleicht weniger stark, als man vermuten würde. Die katholische Kirche ist ja eine universale Kirche. Die Feier des Gottesdienstes, der Sakramente, die Botschaft sind weltweit gleich - nur die Sprache unterscheidet sich. Viele Menschen erleben unsere deutsche Gemeinde im Vergleich zu anderen lokalen amerikanischen Gemeinden aber als lockerer, offener, vielleicht stärker familien- und jugendorientiert. Das rührt daher, dass unsere Gemeinde eine andere Altersstruktur hat.

Wie halten Sie es mit der Ökumene?

Katholischen amerikanischen Christen fällt immer auf, wie selbstverständlich wir Deutsche als katholische und evangelische Christen miteinander in Kontakt sind, uns besuchen und gegenseitig an Veranstaltungen teilnehmen. Und hier ist die Ökumene vielleicht sogar noch stärker als in Deutschland ausgeprägt, denn die hiesige German Community will einfach nicht alles konfessionell trennen. Die enge Beziehung zwischen katholischen und evangelischen Christen hängt schließlich mit unserer Geschichte zusammen, denn wir kommen aus dem Land der Reformation.