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Wirtschaft

Katastrophe bremst wirtschaftliche Entwicklung

Jährlich ziehen 20 Super-Taifune über die Philippinen. Auch Erdbeben und Vulkanausbrüche bedrohen das Land. Die stetigen Naturkatastrophen haben schwerwiegende wirtschaftliche Folgen.

Die Philippinen gehören zu den von Naturkatastrophen am meisten bedrohten Ländern der Erde. Auf dem Index des Weltrisikobericht vom "Bündnis Entwicklung Hilft" nehmen die Philippinen 2013 den dritten Platz hinter Vanuatu und Tonga ein. Nicht nur Stürme bedrohen das Land, sondern auch Fluten, Erdbeben und Vulkanausbrüche.

Das hat weitreichende Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Die direkten Kosten der Naturkatastrophen vermindern das jährliche Bruttoinlandsprodukt um 0,8 Prozent, wie Jerry Velasquez, Experte von "United Nations International Strategy for Disaster Reduction" (UNISDR), im Interview mit der Deutschen Welle erklärt. Hinzu kommen aber noch "indirekte und sekundäre Effekte, die die Kosten weiter erhöhen", wie es in einer Studie der Weltbank und des nationalen Katastrophenkoordinationsrates der Philippinen heißt. Nicht zuletzt seien große soziale und die Umwelt betreffende Kosten einzubeziehen.

"Die Philippinen leiden seit dem Jahr 2000 konstant an Finanzierungslücken für die Bewältigung von Katastrophen." Das schreibt der alle zwei Jahre erscheinende UN-Bericht zur Einschätzung der Risikoverminderung von Katastrophen (Global Assessment Report on Disaster Risk Reduction, GAR). So sei das nationale Katastrophen-Budget in Höhe von etwa 128 Millionen Euro für das Jahr 2013 bereits vor dem Super-Taifun "Haiyan" aufgebraucht worden, so Velasquez.

Teure Evakuierungsstrategie

Infografik Zugbahnen der „Killer“-Taifune auf den Philippinen

Im Schnitt ziehen 20 Super-Taifune pro Jahr über die Philippinen

Die steigenden Kosten haben verschiedene Ursachen, wie Velasquez weiter erläutert: "Die Philippinen haben eine weltweit einmalige Null-Opfer-Politik. Keine Opfer, das bedeutet bei einer wachsenden und immer stärker exponierten Bevölkerung, dass immer mehr Menschen evakuiert werden müssen." Das treibe die Kosten in die Höhe. Um die Menschen in Sicherheit zu bringen, gebe es verschiedene Strategien: eine frühzeitige Evakuierung, sobald sich erste Anzeichen einer Gefahr andeuten, oder eine Evakuierung kurz vor Eintritt eines katastrophalen Ereignisses. Die Philippinen setzten auf eine frühzeitige Evakuierung.

Bei einer frühzeitigen Evakuierung sei es aber schwierig, die Menschen vom Sinn und Zweck der Evakuierung zu überzeugen, da die Katastrophe noch weit weg und ungewiss ist, wer tatsächlich betroffen sein wird. Die Menschen fragten sich: Warum bin ich hier? Wann kann ich wieder nach Hause? Um den Menschen einen Anreiz zu geben, verteilten manche Gouverneure auf den Philippinen an jede Familie in den Evakuierungszentren fünf Kilo Reis. "Das kostet viel Geld", sagt Velasquez. Im Vorfeld des Super-Taifuns Haiyan wurden eine Million Menschen evakuiert.

Wirtschaftswachstum erhöht das Risiko

Ein weiterer Punkt, der die Kosten von Katastrophen auf den Philippinen in die Höhe treibe, sei das Wirtschaftswachstum. Es klinge paradox, aber je reicher ein Land, desto größer das Risiko, sagt Velasquez. Im GAR13-Bericht der UN heißt es ebenfalls, dass Investitionen, die darauf zielen, die Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität zu steigern, unbeabsichtigt auch das Risiko erhöhen. Als Beispiel kann die Atomkatastrophe von Fukushima gelten. Zwar steigert der Atomstrom Japans Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität, erhöhe aber das Risiko, da bei Eintritt der Katastrophe menschliche und wirtschaftliche Verluste entstehen, die heute noch niemand absehen kann.

Menschen umringen einen Armeehubschrauber, der Hilfsgüter an Bord hat (Foto: REUTERS/Leo Solinap)

Das Militär beteiligt sich an der Nothilfe

Der gleiche Effekt zeigt sich auf den Philippinen, wenn auch in kleinerem Maßstab. Das Wirtschaftswachstum der Philippinen, das fast sieben Prozent beträgt, gründet sich auf das rasante Wachstum der produktiven Bevölkerung. Damit wachse zugleich die Gefährdung der Bevölkerung "und zwar, weil man sich für kurzfristige Gewinne auf Risiken einlässt", sagt Velasquez. Industrien suchen ihre Standorte in den Küstenregionen und an Flüssen, Arbeitskräfte folgen. Bei Stürmen und Überflutungen seien so immer mehr Menschen betroffen. Die Infrastruktur und die Industrieanlagen von Schwellenländern seien ebenfalls anfälliger als in den Industrienationen, da die Produktionsstätten aufgrund schlechter Bauweise und schlechterer Materialien schneller beschädigt werden, heißt es in dem UN-Report.

Prävention statt Reaktion

Um die Opferzahlen und die explodierenden Kosten zu bekämpfen, haben die Philippinen 2010 das "Nationale Gesetz für Verminderung und Management von Risiken" verabschiedet. Es sieht vor, die Reaktionsstrategie auf eine Präventionsstrategie umzustellen. Dazu wurde das nationale Katastrophenbudget, das ursprünglich zur Hilfe im Eintrittsfall einer Katastrophe gedacht war, neu aufgeteilt: 30 Prozent des Budgets stehen nun der Soforthilfe zur Verfügung, während 70 Prozent in Maßnahmen für Prävention und Risikoverminderung fließen.

Allerdings fehlt es immer noch an der konkreten Umsetzung, wie Velasquez kritisiert: Die Regierung stecke entgegen dem Geist des Gesetzes weiterhin viel Geld in die Soforthilfe. Stattdessen sei es nötig, die Auswirkungen von Naturkatastrophen bei der Städteplanung und bei der Steuerung von Investitionen konsequent zu berücksichtigen.

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