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Europa

Katastrophale Lage am Milchmarkt

Milchbauern in Europa haben es schwer: Die Preise für Energie und Futter schießen in die Höhe, während die Preise für die Produkte sich kaum verändern. Die EU-Kommission will die europäischen Milcherzeuger unterstützen.

Eine braune Kuh (Foto: Franziska Drewes)

Milchkühe zu schlachten sei keine Lösung

In Brüssel herrscht bei den Agrarexperten noch Hochbetrieb - trotz Sommerpause. Grund dafür: Die Beamten forderten bei ihrem Gipfeltreffen im Juni 2009 eine detaillierte Analyse der Lage am europäischen Milchmarkt, und zwar so schnell wie möglich. Vor allem die Deutschen und Franzosen plädierten dafür.

Preisverfall am Milchmarkt

Porträt von Fischer Boel (Foto: dpa)

EU Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel

Die Diagnose: Die Lage am Milchmarkt ist katastrophal. Mancherorts werden nur noch 20 Cent pro Liter Milch gezahlt, im Einzelfall sogar noch weniger. Vor knapp zwei Jahren lag der Preis noch zwischen 30 und 40 Cent pro Liter. Das ist ein dramatischer Verfall - da sind sich alle einig.

Uneinig sind sich die Betroffenen allerdings in der Frage, was getan werden muss um die Lage für die Milchbauern zu verbessern. "Jetzt über Quoten zu diskutieren, bringt absolut nichts. Die Bauern müssen dafür sorgen, dass weniger produziert wird", sagte EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel am Mittwoch (22.07.2009) in Brüssel. Die Dänin empfiehlt, Kurs zu halten. An den bereits vorliegenden Beschlüssen über die Milchquote soll unter keinen Umständen gerüttelt werden. Die Bauern sollen ihre Produktion der Nachfrage anpassen, die Prinzipien der Marktwirtschaft achten und nicht länger auf ein Instrument der Planwirtschaft wie die Quotenregelung setzen.

Ende der Milchquote für 2015 geplant

Traktoren auf der Straße des 17. Juni (Foto: AP)

Bauern protestierten bereits im Mai 2009 in Berlin

Die Milchquote, die in den 1980er Jahren eingeführt wurde, ist eine Mengenbeschränkung. 2015 soll sie endgültig abgeschaffft werden. Damit die Milchbauern nicht allzu plötzlich in die freie Marktwirtschaft katapultiert werden, soll in den kommenden Jahren die Quote Schritt für Schritt angehoben werden: um ein Prozent pro Jahr. "Sanfte Landung" wird das in Brüssel genannt.

Doch die Milchbauern in Europa fühlen sich von Brüssel alles andere als sanft behandelt. Sie fordern angesichts des Preisverfalls eine Kürzung der Milchquote, am liebsten sofort und um fünf Prozent. Die Höhe der Quote solle sich am Preis orientieren, fordert Romuald Scharber vom Dachverband "European Milkboard": "Wenn die Bauern einen kostendeckenden Preis bekommen, können die Quoten gerne ausgeweitet werden. Entsteht aber eine Situation wie die jetzige, wo niemand weiß, wohin damit, dann müssen die Quoten eben reduziert werden, um den Preis einigermaßen halten zu können."

Doch Brüssel wird auf diesen Vorschlag nicht eingehen. An der einmal beschlossenen Aufgabe der Mengenbegrenzung sei nicht zu rütteln, sagte Mariann Fischer Boel. Sie jetzt in Frage zu stellen, führe nur zur Unsicherheiten beim Milchbauern. Und auch an der stufenweisen Anhebung der Obergrenze will die Europäische Kommission unter allen Umständen festhalten.

Autorin: Irmgard Richardson
Redaktion: Julia Kuckelkorn

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