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Nahost

Katars große Pläne in Deutschland

Das Golfemirat Katar will sein wirtschaftliches Engagement in Deutschland ausbauen. Vor allem mittelständische Unternehmen stehen dabei im Interesse des arabischen Landes.

Der Emir des Staates Katar, Scheich Hamad bin Khalifa Al Thani (r.) und seine Ehefrau, Scheicha Mozah Bint Nasser Al Missned (l.) in Berlin mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (Foto: Axel Schmidt/dapd)

Scheich Al Thani und seine Frau besuchten Angela Merkel im Herbst 2010

Wolkenkratzer in der Stadt Doha in Katar(Foto: Arno Burgi)

Das reiche Golfemirat will verstärkt in Deutschland investieren

Das Emirat Katar will Milliarden Euro in Deutschland investieren. Das verstärkte Interesse vor allem an Unternehmen des deutschen Mittelstands betonte Katars Finanzminister Youssef Hussein Kamal diese Woche bei einem Treffen mit Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle. Beide Länder wollen ihre wirtschaftliche Zusammenarbeit vertiefen, erklärte auch Brüderle. "In Deutschland haben wir gerade erst angefangen", sagte Kamal in einem Interview mit der "Financial Times Deutschland" (FTD).

Die staatliche Investmentgesellschaft 'Qatar Holding' verfügt nach Schätzungen über rund 100 Milliarden Euro Anlagekapital. Vor allem auf die IT-Branche habe Katar ein Auge geworfen. Hier werde sich das Land verstärkt einkaufen, denn in seinem Portfolio würden die in Deutschland starken Mittelständler fehlen. "Wir haben bereits Verhandlungen begonnen im Bereich kleiner und mittlerer Unternehmen.", so Kamal gegenüber der FTD. Welche Partner in Frage kämen, verriet der Finanzminister allerdings nicht. Brüderle habe vorgeschlagen, gemeinsam spezielle Bereiche auszumachen, betonte aber auch, dass es letztlich natürlich an den interessierten Firmen liege, konkrete Kooperationen zu verabreden.

"Beide Parteien profitieren"

Bisher schöpft Katar seinen Reichtum aus den Öl- und Gasexporten des Landes. Das Emirat will sich nun für die Zeiten wappnen, in denen seine Rohstoffvorkommen knapp werden. Die größten Zukunftschancen liegen dabei für die Herrscherfamilie Al Thani im IT- und Dienstleistungssektor. "Uns interessieren Branchen, die sich auf unsere Wirtschaft auswirken", sagte Kamal der FTD. "Es geht darum, etwas für die finanzielle Beteiligung zurückzubekommen, etwa Erfahrung im Management und in der Technologie." Kamal schloss laut FTD einen Einstieg beim Softwareentwickler SAP nicht aus.

Modell des Al Gharafa Stadions, das für die WM 2022 in Katar gebaut werden soll (Foto: picture-alliance/dpa)

Modell des Al Gharafa Stadions, das für die WM 2022 in Katar ausgebaut werden soll

Bundeswirtschaftsminister Brüderle erklärte, er freue sich über das starke Engagement Katars in Deutschland. Umgekehrt liege beispielsweise in den großen Infrastrukturvorhaben im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft 2022 in Katar ein enormes Potenzial für deutsche Unternehmen. "Wir müssen alles importieren, auch die Baubranche. Das ist eine Chance für deutsche Unternehmen", sagte auch Youssef Hussein Kamal. Von einem Einstieg Katars bei weiteren deutschen Firmen würden beide Parteien profitieren, erklärte der Finanzminister Katars der FTD. "Bisher bedient die mittelständische Industrie vorwiegend den deutschen und europäischen Markt." Nun könnte sie ihren Kundenkreis erweitern.

Engagement und Eigennutz

Mit einem Exportvolumen von rund 1,2 Milliarden Euro in den ersten neun Monaten dieses Jahres ist Katar für die deutsche Wirtschaft schon jetzt ein wichtiger Partner in der Golfregion. In Deutschland ist das Emirat an Volkswagen und Porsche beteiligt. Erst kürzlich hat Katar außerdem 9,1 Prozent der Hochtief-Aktien erworben.

Für die geplante Investition in Milliardenhöhe erwartet das Emirat im Gegenzug einige Zugeständnisse seitens der Bundesregierung. Hier hob Kamal vor allem den Luftverkehr hervor: "Angesichts der Intensivierung der Beziehungen sollte die Zahl der Flüge nach Katar deutlich ausgeweitet werden." Zudem sei es wichtig, dass das Doppelbesteuerungsabkommen zustande komme, über das beide Länder bereits Gespräche führen.

Europa insgesamt könnte ebenfalls von der Finanzstärke Katars profitieren. Kamal stellte ein Engagement in den angeschlagenen Euro-Ländern Irland und Portugal in Aussicht. "Wir haben etwas in der Pipeline, aber es ist noch nicht spruchreif." Bislang hatte sich Katar vor allem im britischen Finanzsektor und in der französischen Immobilienbranche engagiert.

Autorin: Carolin Hebig (dpa, afp, rtr)
Redaktion: Thomas Kohlmann

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