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Nahost

Katar zwischen allen Stühlen

Schon zu Beginn der ägyptischen Revolution hat Katar Partei für die Muslimbrüder ergriffen. Mit dieser Entscheidung hat es nicht nur die Militärs in Kairo, sondern auch seine Nachbarstaaten gegen sich aufgebracht.

Der bis 2013 regierende Emir von Katar, Al Thani, und sein Sohn der das Land nun regiert, 18.12. 2012 (Foto: EPA)

Der ehemalige Emir von Katar, Hamad bin Chalifa al-Thani, mit seinem Sohn und Nachfolger, Tamim bin Hamad-al Thani

Die Damen, heißt es, mochten sich nicht. Suzanne Mubarak, die ehemalige First Lady Ägyptens, und Sheikha Moza, die Ehefrau des bis 2013 regierenden katarischen Emirs Hamad bin Chalifa Al Thani, hatten ein gestörtes Verhältnis. Diese atmosphärische Störung habe auch die Beziehung der beiden Politiker und schließlich sogar die beider Staaten getrübt. So berichtet es die ägyptische Zeitung Al-Ahram. Allerdings fügt die Zeitung einschränkend hinzu, dass diese Erklärung wohl eher aus dem Reich der politischen Legende als dem ernsthafter Analyse stamme.

Unumstritten ist, dass die derzeitigen Schwierigkeiten bis in die frühen 90er Jahre zurückreichen. Damals, als sich Ägypten noch als führender Staat in der arabischen Welt sehen konnte, hatte Außenminister Amr Moussa Katar als "kleines arabisches Land" bezeichnet, dem Ägypten wohlwollend gegenübertreten würde. Das Golfemirat nahm dem Minister die Bezeichnung übel, seitdem herrscht den Berichten ägyptischer Diplomaten zufolge Spannung zwischen beiden Ländern.

Logo des Nachrichtensenders Al Dschasira (Foto: dpa)

Al Dschasira: Vom ägyptischen Militär ungern gesehen

Die Spannungen bestehen weiter, speisen sich in jüngerer Zeit allerdings aus konkreteren Gründen. Zurück gehen sie in das Revolutionsjahr 2011. Die politische Führung in Katar schätze den Arabischen Frühling als Beginn einer neuen Epoche ein. Sie sei davon ausgegangen, dass der politische Islam künftig eine zentrale Rolle in der politischen Entwicklung der Region spielen würde, sagt Christian Koch. Er ist Direktor der Stiftung des Gulf Research Center in der Schweiz. "Darum hat man sich entschieden, auf diese Gruppen zu setzen und sie zu unterstützen, um dadurch internationalen Einfluss zu erhalten."

Kurswechsel schwer möglich

Inzwischen zeigt sich aber immer deutlicher, dass Katar auf das falsche politische Pferd gesetzt hat: Die ägyptischen Muslimbrüder wurden gestürzt. Stattdessen halten ihre entschiedensten innenpolitischen Gegner, die Militärs, die politischen Schalthebel in der Hand. Einer der ihren, Marschall Abdel Fattah Al-Sisi, gilt als Favorit bei den derzeitigen

Präsidentschaftswahlen

.

Mit diesem Kurs hat sich Katar in eine schwierige Lage gebracht. Der Sender

Al Dschasira

, Eigentum des Emirs Hamad bin Chalifa Al Thani, berichtet weiter sehr kritisch über die Entwicklung in Ägypten, besonders auch über den Umgang der Justiz mit den Muslimbrüdern. Ob Katar diesen Kurs langfristig weiterführe, sei zweifelhaft, sagt Koch – auch wenn dem Land vorerst um der eigenen Glaubwürdigkeit willen nichts anderes übrigbleibe: "Katar sieht sich nicht imstande, seine Politik gegenüber der Muslimbruderschaft hundertprozentig zu verändern, da es sich bereits sehr stark mit dieser Bewegung identifiziert hat."

Spannungen auf der arabischen Halbinsel

Wahlplakat in Ägypten, 26.5. 2014 (Foto: Reuters)

Ägypten-Wahl: Entscheidend auch für die Golfstaaten

Katar hat sich mit seinem Kurs auf der arabischen Halbinsel isoliert. Vor allem hat es die Regierungen der Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabiens gegen sich aufgebracht. Das saudische Königshaus unterstützt das ägyptische Militär. "Saudi-Arabien mag den Umbruch nicht", so Christian Koch. "Man fürchtet kritische Stimmen auch im eigenen Land, die den Machtanspruch der Herrscherfamilie infrage stellen. Es geht darum, so schnell wie möglich wieder Kontrolle über die Entwicklung in der Region zu erlangen."

Aus diesem Grund hatte der saudische Außenminister, Prinz Saud al-Faisal, in der vergangenen Woche (20.5.2014) die Vereinten Arabischen Emirate (VAE) besucht. Am Ende des Besuchs stand eine gemeinsame Erklärung, in der beide Staaten ihre Absicht bekundeten, ein gemeinsames Komitee zu gründen, das sich den Herausforderungen in der Region widmen soll. Das Internetmagazin Al Monitor sieht in der Erklärung einen weiteren Hinweis

auf den schleichenden Bedeutungsverlust des Golfkooperationsrates

(Mitgliedstaaten: Bahrain, Katar, Kuwait, Oman, Saudi-Arabien, VAE). Bislang vermochten dessen Mitglieder ihre Interessen innerhalb dieses Gremiums abzustimmen. Doch die gehen – nicht nur im Hinblick auf Ägypten, sondern auch auf Iran – auseinander. Oman etwa hat zum Iran ein traditionell gutes Verhältnis. Im Hinblick auf Ägypten hingegen steht Katar in wachsendem Gegensatz zu Saudi-Arabien und den VAE.

Saudi-Arabiens riskante Option

- Eine schwarz gekleidete Bettlerin mit einem Krückstock neben sich, kauert am Rande einer Straße in Riad, 15.11. 2006 (Foto: dpa)

Sozialer Sprengstoff: Armut in Saudi-Arabien

Allerdings ist der Schulterschluss von Saudi-Arabien und der VAE mit dem ägyptischen Militär nicht ohne Risiko. Denn auf den kommenden ägyptischen Präsidenten warten erhebliche Herausforderungen. Vor allem muss er das Land wirtschaftlich wieder auf Kurs bringen. Gelingt ihm das nicht, sind weitere Proteste in Ägypten nicht ausgeschlossen.

Die ägyptische Regierung ist darum auf Hilfe aus den Golfstaaten dringend angewiesen. Das Land braucht nicht nur Öl, sondern vor allem auch Gas, das in der ägyptischen Industrie vielfach als Energieträger eingesetzt wird. Dieses Gas kann Katar liefern. Darum, meint Christian Koch, könnten Energieverhandlungen auch Gespräche in anderen Fragen nach sich ziehen. "Katar könnte sie dazu nutzen, die Beziehungen zu Ägypten wiederherzustellen."

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