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Musik

Kastraten - Lieblinge des Musikbetriebs

Sie wurden in ganz Europa gefeiert, reisten von Engagement zu Engagement, von Triumph zu Triumph. Kastraten waren mit ihrer hohen Stimme die Stars in den Opernhäusern des 18. Jahrhunderts.

Venedig: La Fenice (AP Photo/Alberto Pellaschiar)

Venedig: La Fenice

Ein heller Sopran oder ein schöner, warmer Alt - wer denkt da schon an eine Männerstimme? Seit einiger Zeit wird ein Musikphänomen des 18. Jahrhunderts wieder populär: Countertenöre knüpfen an die Gesangskunst der Kastraten an und machen damit - wie früher ihre Kollegen - Karriere.

"Überirdische Stimmen"

Buchcover: Paolo Cesaretti -Theodora

Buchcover: Cesaretta - Theodora

Sie begeisterten das Publikum von Italien bis England, waren die Diven auf der Opernbühne und benahmen sich oft auch so. Zu den bedeutendesten Kastraten gehörten der legendäre Farinellli, Antonio Bernacchi oder Giovanni Carestini. Die Komponisten schrieben Werke, die die Kastraten-Stimmen besonders gut zur Geltung brachten und machten damit ein gutes Geschäft. Georg Friedrich Händels Opern Alcina, Arianna oder Theodora sind dafür die besten Beispiele. Aber nicht nur zahlreiche Opernrollen, sondern auch viele Partien in Oratorien schrieb Händel in London für Kastraten. Erst nach seinem Tod 1759 ging auch die Zeit der Kastraten zu Ende. Altistinnen und Sopranistinnen eroberten ihr Terrain zurück, die früheren Stars gerieten in Vergessenheit.

Kastrationsboom in Italien

Schon in der Antike war bekannt, das die schöne hohe Stimme von Knaben durch eine Kastration vor der Pubertät erhalten werden konnte. Der Boom, der dann im 17. Jahrhundert einsetzte, ging auf ein ziemlich zweischneidiges Edikt des Papstes zurück. Die Kastration wurde zwar verboten, gleichzeitig wurden aber Frauen aus den Kirchenchören verjagt. Die Folge: es fehlten die hohen Stimmen. Hier witterten viele ehrgeizige Eltern DIE Chance: geblendet von den Aufstiegschancen, zwangen sie ihre Söhne zur illegalen Kastration, die viele nicht überlebten. Und von den anderen erreichte nur ein Bruchteil den erhofften Ruhm als Sänger.

Faszination Countertenor

Countertenor Andreas Scholl (Foto: Decca)

Countertenor Andreas Scholl

Der Reiz der hellen Männerstimmen blieb und ließ ab 1950 das Gesangsfach des Countertenors entstehen. Sänger wie Andreas Scholl, David Daniels und Philippe Jaroussky vermitteln heute einen guten Eindruck davon, wie die Bühnenstars des 18. Jahrhunderts gesungen haben - allerdings ganz ohne Kastration.

Autorin: Gudrun Stegen

Redaktion: Matthias Klaus

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