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Wirtschaft

Kaspisches Roulett

Öl ist nicht nur ein Wirtschaftsfaktor, sondern auch ein Politikum. Am Kaspischen Meer rangeln Russland und westliche Staaten um den Zugriff auf das schwarze Gold.

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Ölförderung bei Baku

Russland, Kasachstan, Turkmenistan, Aserbaidschan und der Iran haben immense Öl- und Erdgasvorkommen am Kaspischen Meer. Die Aufteilung der Schätze ist nicht der einzige Streitpunkt: Die westliche Welt, allen voran die USA, kämpfen gegen Russland und den Iran um den Transport der Bodenschätze. Dabei geht es vor allem um die Unabhängigkeit von konkurrierenden Mächten in der Energieversorgung. Von den Zugriffsrechten auf das drittgrößte Ölfeld der Welt (nach dem Persischen Golf und Sibirien) hängt nicht nur sehr viel Geld ab, sondern auch Einfluss und Macht.

Riskanter Öltransport

Anfang Oktober 2002 erzielte der Westen einen wichtigen Teilsieg: Der Bau der BTC-Pipeline, vom aserbaidschanischen Baku über Tiflis in Georgien zur türkischen Hafenstadt Ceyhan am Mittelmeer begann. 50 Millionen Tonnen Öl sollen - an Russland vorbei - jährlich von Aserbaidschan in die Türkei transportiert werden.

Russland versuchte lange Zeit, die Pipeline zu verhindern. Das Öl sollte von russischen Tankern auf den westlichen Markt gebracht werden. So hätte Russland die Kontrolle über den umstrittenen Ölmarkt am Kaspischen Meer behalten.

Die Türkei wiederum hofft auf ihre neue Schlüsselrolle bei der Vermarktung des Öls. Sie machte daher massiv auf die Umweltgefährdung aufmerksam, die von russischen Öltankern am Bosporus ausgehe. Derartige ökologische Bedenken hinderten die Beteiligten allerdings nicht daran, die neue Pipeline durch erdbebengefährdetes Gebiet zu verlegen. Experten halten die Pipeline für ein riskantes Unternehmen. Die Pläne sehen vor, die Versorgungsline ab 2005 für die folgenden 40 Jahre zu betreiben.

Wirtschaftsfaktor und Politikum

Dr. Kirsten Westphal vom Institut für Politikwissenschaft an der Universität Gießen sagte DW-WORLD, dass die beteiligten Ölkonzerne, vornehmlich aus Großbritannien und den USA, das Projekt "BTC" (Baku-Tiflis-Ceyhan), "auf Biegen und Brechen verwirklichen".

Die Pipeline kostet voraussichtlich rund drei Milliarden Euro. Die Investitionen werden sich erst nach vier Jahren Betrieb auszahlen. Sie führt zudem durch kurdische Gebiete, was neuen Konfliktstoff bergen könnte. Eine Route durch den Iran zum Persischen Golf wäre finanziell deutlich günstiger, doch das amerikanische Embargo hindert westliche Firmen daran, im Iran zu investieren. Am Kaspischen Meer sind Ölpipelines eben nicht nur ein Wirtschaftsfaktor, sondern auch ein Politikum.

Eine unabhängige Ölversorgung

Russland und Iran treten im Kampf um die Ölreserven am Kaspischen Meer als Rivalen auf. Dabei gibt es viele gemeinsame Interessen, die die Länder eigentlich näher bringen könnten. Beide Länder betrachten die zunehmende Präsenz der USA im Kaukasus mit Argwohn. Russland fürchtet vor allem, dass es die Kontrolle über potentielle Reichtümer verliert. Der Iran, von Washington als Mitglied der "Achse des Bösen" ausgemacht, sorgt sich wegen der Stationierung amerikanischer Truppen rund um das Kaspische Meer. Und noch etwas eint die beiden Staaten: Washington legt Wert auf eine Ölversorgung, die sowohl von Russland als auch vom Iran unabhängig ist.

Nach Unabhängigkeit von Russland streben auch die ehemaligen Sowjetrepubliken am Kaspischen Meer. Die bestehenden Versorgungswege führen zumeist nach Russland – und dort nutzen die Ölgesellschaften die Pipelines gelegentlich als Druckmittel, indem sie den Hahn zudrehen.