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Aktuell Europa

Kasparow im Visier der Justiz

In Moskau muss sich Schachweltmeister Garri Kasparow wegen einer Protestaktion für "Pussy Riot" vor Gericht verantworten. Aber das ist nicht der einzige Vorwurf gegen den Regime-Kritiker.

Etwa 20 Unterstützer jubelten Garri Kasparow zu, als dieser das Moskauer Gerichtsgebäude betrat. Formell wird dem russischen Schachgenie bisher nur vorgeworfen, gegen die geltenen Bestimmungen zur Organisation einer Demonstration verstoßen zu haben. Der Putin-Kritiker wurde vergangene Woche bei einer Solidaritätskundgebung für die russische Punkrock-Band "Pussy Riot" festgenommmen.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat vor kurzem ein Gesetz zur Verschärfung des Versammlungsrechts unterzeichnet. So droht Teilnehmern an nicht genehmigten Kundgebungen eine Geldbuße von umgerechnet rund 7100 Euro, dass ist 150-mal so viel wie zuvor.

Die Staatsanwaltschaft beschuldigt den Kremlkritiker zudem, bei seiner Verhaftung einen Polizisten gebissen zu haben. Dazu gebe es Beweise und Augenzeugenberichte, sagte der Chef der regierungstreuen Organisation "Offiziere Russland". Im Falle einer Anklage wegen Tätlichkeit gegen einen Beamten drohen Kasparow bis zu fünf Jahre Haft.

Kasparow: Wahnsinn

Der Oppositionelle hatte die Vorwürfe als "Wahnsinn" zurückgewiesen und verwies auf entlastendes Video-Material. Die Bilder zeigen, wie ein Beamter Kasparow anscheinend auf den Kopf schlägt. Der Biss in die Hand eines Polizisten soll außerhalb der Sichtweite der Kameras stattgefunden haben. Die Polizei hat die Ermittlungsergebnisse an den Bundesermittlungsausschuss weitergegeben, der bereits gegen eine ganze Reihe anderer prominenter Putin-Kritiker vorgeht.

Nach Berichten eines russischen Privatsenders zeigte sich Kasparow vor Gericht kämpferisch. Im Vorfeld twitterte der Schachmeister ironisch: "Es tut mir leid, wenn der Polizist sich die Hand verletzt hat, als er mir auf den Kopf schlug." Der Putin-Gegner sagte, er wolle eine Verleumdungsklage einreichen und gegen seine Festnahme Beschwerde einlegen.

Bei einem Prozess gegen den Pussy Riot-Prozess wird Kasparow von Polizisten festgenommen (Foto: Reuters)

Bei einem Protest gegen den Pussy Riot-Prozess wird Kasparow von Polizisten festgenommen

Umstrittenes Pussy Riot-Urteil

Vergangene Woche wurden drei Musikerinnen des Punkrock-Kollektivs "Pussy Riot" des „Rowdytums“ aus religiösem Hass für schuldig erklärt und zu je zwei Jahren Lagerhaft verurteilt. Die drei Frauen wollten Berufung einlegen, lehnten aber ein Gnadengesuch an Präsident Wladimir Putin ab, sagte ihr Verteidiger. Sie hatten bei einem Kurzauftritt in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale ein "Punk-Gebet" gegen Putin aufgeführt. Das Urteil erntete weltweit Kritik.

Ins Visier der russischen Justiz ist auch US-Popstar Madonna geraten. Die Pop-Ikone hatte sich während eines Konzerts in St. Petersburg für die Rechte Homosexueller eingesetzt. Zudem bekundete sie lautstark ihre Verbundenheit mit "Pussy Riot". Seit Februar 2012 ist in der Stadt ein Gesetz in Kraft, das ein öffentliches Eintreten für Homosexualität verbietet. Sollte Madonna in einem Prozess verurteilt werden, könnte auf die Sängerin eine Geldbuße von umgerechnet 8,4 Millionen Euro zukommen.

lg/kle (afp, dapd, dpa)