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Fokus Osteuropa

Kasachstan schränkt russische Raketen-Starts ein

Astana hat Starts russischer Proton-Raketen vom Weltraumbahnhof Baikonur vorläufig ausgesetzt. Grund ist der Absturz einer Rakete am 6. September. Kasachische Umweltschützer warnen vor den Folgen des Unglücks.

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Umweltschäden durch Raketenstarts in Baikonur

Starts russischer Trägerraketen des Typs Proton vom kasachischen Raumfahrtzentrum Baikonur aus sind vorübergehend gestoppt worden. Am 6. September war eine Proton-Rakete mit einem japanischen Satellit an Bord zwei Minuten nach ihrem Start nahe der kasachischen Stadt Dscheskasgan im Gebiet Karaganda abgestürzt.

Nach Angaben des kasachischen Vizeministers für Umweltschutz, Sejnulla Sarsenbajew, handelte es sich dabei bereits um die sechste Panne mit einer Proton-Rakete in den letzten zehn Jahren. Deshalb wolle Kasachstan die Umweltauflagen gegenüber der russischen Seite, die das Raumfahrtzentrum Bajkonur mietet, nun verschärfen. Hinzu komme, dass das hochgiftige Heptil als Brennstoff für die russischen Trägerraketen verwendet werde, unterstrich Sarsenbajew. Der Vorsitzende der nationalen Raumfahrt-Agentur Kasachstans, der Kosmonaut Talgat Musabajew, stimmt ihm zu. Es hätten sich große Mengen des Giftstoffes über den Boden und in der Luft verteilt, erklärte er.

Ökologische Katastrophe

Nach Angaben des kasachischen Katastrophenschutzes waren von den anfänglich 649 Tonnen Heptil zum Zeitpunkt des Unfalls noch 218 Tonnen unverbrannt. Deswegen sind ausnahmslos alle kasachischen Beamten der Meinung, dass es sich um eine ökologische Katastrophe handele, auch wenn der Absturz in einem gering bevölkerten Gebiet passierte.

Dieser Ansicht ist auch der Leiter des unabhängigen Umweltschutz-Verbandes Tabigat, Mels Eleusisow. "Heptil ist ein sehr gefährlicher Stoff, bereits ein Gramm vergiftet einen Kubikkilometer Luft", betont der Ökologe. "Wenn man berücksichtigt, dass die erste Stufe der Rakete immer mit einem Rest von zwei bis drei Tonnen dieses Brennstoffes auf das Territorium Kasachstans stürzt, dann kann man sich vorstellen, welche Folgen dies hat", fügte er hinzu. Eleusisow ist der Meinung, dass Kasachstan trotz der Einnahmen zum Staatshaushalt die Starts von Proton-Raketen auf seinem Territorium nicht nur vorübergehend - bis eine Untersuchungskommission die Umstände des Absturzes geklärt hat - aussetzen, sondern grundsätzlich verbieten sollte.

War Präsident Nasarbajew in Gefahr?

Möglicherweise würde heute niemand in Kasachstan über die schädlichen Folgen der Proton-Starts sprechen, wenn nicht Premierminister Karim Masimow am 7. September eine diesbezügliche Erklärung abgegeben hätte. Es stellte sich heraus, dass die Regierung des Landes über den Start der Rakete nicht informiert war. Andernfalls hätte sie, so Masimow, den Start zu diesem Zeitpunkt nicht zugelassen, als Präsident Nursultan Nasarbajew sich zu einem Arbeitsbesuch in Dscheskasgan aufhielt. "Wie konnten wir es zulassen, dass die Proton-Rakete 80 Kilometer von Dscheskasgan abstürzt, wo sich in dem Moment das Staatsoberhaupt befand", sagte Masimow.

Der Chef des kasachischen Katastrophenschutz-Ministeriums, Wiktor Chrapunow, teilte mit, die vorläufigen Ergebnisse der Untersuchung der Regierungskommission zur Klärung des durch den Absturz der Rakete auf kasachischem Territorium verursachten Schadens würden schon bald bekannt gegeben.

Anatolij Weißkopf, Almaty
DW-RADIO/Zentralasien, 10.9.2007, Fokus Ost-Südost

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