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Fokus Osteuropa

Kasachstan: Schaden nach misslungenem Raketenstart

Am 27. Juli ist eine russische Rakete abgestürzt, die einen belarussischen Satelliten ins All bringen sollte. Dabei entstand Schaden für die Wirtschaft und Umwelt. Experten fordern ein Verbot des Treibstoffes Heptil.

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Russischer Weltraum-Bahnhof im kasachischen Baikonur

Die entlegende Siedlung Schanakala im Gebiet Kysylorda kam in letzter Zeit ins Gespräch, denn nur 34 Kilometer weit entfernt von ihr ging Ende Juli nach einem misslungenen Start vom Weltraumbahnhof Baikonur der Raketenträger "Dnjepr" nieder. Er hatte einen belarussischen Satelliten ins All bringen sollen. Am 27. Juli hatten die Bewohner von Schanakala eine heftige Explosion gehört. Einen Tag später suchten verschiedene Delegationen das Dorf auf - Experten des Föderalen Kosmos-Zentrums Russlands sowie des kasachischen Katastrophenschutzes, aber auch Ärzte und Vertreter der lokalen Behörden sowie einer Regierungskommission, die gleich nach dem Unfall gebildet worden war.

Wirtschaftlicher Schaden

Wie sich herausstellte, hatte sich die Rakete in den Erdboden gebohrt. Es entstand ein 15 Meter tiefer Krater mit einem Durchmesser von 50 Metern. Experten des kasachischen Katastrophenschutzes teilten mit, Raketenteile seien im Umkreis von 70 Kilometern verstreut worden. Iljas Omarow vom kasachischen Innenministeriums sagte in diesem Zusammenhang: "Die russische Seite hat die Bereitschaft erklärt, für den wirtschaftlichen Schaden, der dem Land durch den Absturz der Rakete entstanden ist, aufzukommen, darunter auch für die Kosten der Begutachtung der Umwelt."

Vorläufigen Angaben des Gouverneurs des Gebiets Kysylorda, Ikram Adyrbekow, zufolge beläuft sich der wirtschaftliche Schaden umgerechnet auf mehr als 262 Millionen Euro. Der Gouverneur sagte ferner: "Es ist mit drei kasachischen Forschungsinstituten vereinbart worden, dass sie ein Jahr lang den Gesundheitszustand der Menschen und die Umwelt überwachen."

Keine Alternative zu Heptil

Die Abgeordneten des kasachischen Gebiets Kysylorda richteten unterdessen einen Brief an die Führung des Landes mit der Bitte, vorerst kein Heptil mehr für Raketenstarts zuzulassen. In Kasachstan wird seit langen über ein Verbot des Treibstoffes Heptil gestritten. Noch Anfang dieses Jahres hatte der erste kasachische Kosmonaut, der heutige Parlamentsabgeordnet Tochtar Aubakirow seine Kollegen zu überzeugen versucht, dass von Heptil keine große Gefahr ausgehe. Jetzt erklärte er aber, Kasachstan sollte kein Heptil mehr verwenden. Da Russland aber keine Alternativen anzubieten hat, ist es kasachischen Beamten zufolge unwahrscheinlich, dass Heptil schon bald verboten wird.

Doppelte Kontrolle

Unterdessen ist in Bajkonur alles unverändert. Lediglich eine zusätzliche Vereinbarung wurde getroffen: Künftig sollen die Russen vor dem Start einer Rakete den kasachischen Spezialisten die Koordinaten der Stelle nennen, an der die erste Stufe der Rakete niedergehen soll. An jene Stelle sollen künftig gleich zwei Gruppen geschickt werden, eine russische und eine kasachische, die dann Heptil-Proben nehmen werden. Auf diese Weise sollen Raketenstarts von beiden Seiten kontrolliert werden. Kasachstan und Russland einigten sich darauf, die Vertragsbasis über den Weltraumbahnhof Bajkonur dahingehend zu ändern, damit auf mögliche Havarien schneller reagiert und deren Folgen besser beseitigt werden können.

Sarina Kosybajewa, Almaty
DW-RADIO/Russisch, 8.8.2006, Fokus Ost-Südost