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Politik

Kasachstan: Las Vegas und das Glück im Wahllokal

Kasachstan ist das reichste der zentralasiatischen Länder. Besonders wer dem Präsidenten nahe steht kann auf schnellen Reichtum hoffen. Kritik daran endet für manche mit einer Kugel im Kopf.

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Schnell reich werden: Ölfeld in Kasachstan

Schnell verdientes Geld will auch schnell verjubelt werden. Deshalb will die kasachische Regierung eine neue Stadt bauen. Schana Ili soll eine Stadt werden für das Glücksspiel, ein kasachisches Las Vegas, siebzig Kilometer von der früheren Hauptstadt Almaty entfernt. 141 Kasinos gibt es bereits in Kasachstan, ein Viertel davon in Almaty, das sich gerade von einer grauen sowjetischen Stadt in eine Glitzermetropole aus Stahl und Glas verwandelt.

Karte Zentralasien Kasachstan Hauptstadt Astana Quelle: DW-WORLD

Schnell Geld verdienen, das kann man nämlich in Kasachstan zurzeit ganz gut. Die Wirtschaft brummt, gut geschmiert vom Öl. Das riesige Steppenland ist der reichste der zentralasiatischen Staaten. Die Öl- und Gasvorräte sind gewaltig und der Ölpreis ist hoch. Der kasachische Präsident Nursultan Nasarbajew findet deshalb, dass es keinen Grund gibt, mit seiner Regierung unzufrieden zu sein.

"Das schönste Schlangestehen, das wir erlebt haben"

Wahlen in Kasachstan

Schönes Schlangestehen: Wahl in Kasachstan.

Wer nichts anderes im Kopf habe, als das Land schlecht zu machen, der solle sich doch gefälligst nach Kirgisistan scheren. Da werde er dann schon sehen, wie es ist, wenn es wirklich schlecht ist, polterte der Präsident. In dem bitterarmen Nachbarland hat das Volk vor einem Jahr seinen Präsidenten weggejagt, nachdem der die Wahlen gefälscht hat. Und jetzt versinkt Kirgisistan im politischen Chaos. Dem kasachischen Präsidenten Nasarbajew hat diese Geschichte gar nicht gefallen. Und dehalb hat er genau hingeschaut, was sich in seinen Wahllokalen abspielt: "Ich habe beobachtet, dass die Menschen vor den Wahllokalen Schlange standen", stellte der Präsident zufrieden fest. "Sie sagten mir: 'Das ist das schönste Schlangestehen, das wir je erleben durften. Das finde ich sehr erfreulich."

Und das Ergebnis war für ihn noch erfreulicher. 91 Prozent der Stimmen für den alten und neuen Präsidenten hat man in den Wahlurnen gefunden. Auch wenn wieder einmal viele sagen, das sei gar nicht das, was in die Urnen auch reingeworfen wurde.

Eine neue Hauptstadt

Nursultan Nasarbajew Präsident Kasachstan

Kein Heiligenschein: Nasarbajew vor der kasachischen Flagge.

Das Problem des Präsidenten ist nämlich, dass in Kasachstan nicht alle gleich schnell reich werden. Genau genommen sind es die, die den Präsidenten am besten kennen, die auch am schnellsten reich werden. Drei kasachische Clans gibt es. Und die, die reich und mächtig sind in Kasachstan, die gehören fast alle dem gleichen Clan an wie der Präsident. "Traibalism" nennt man das in Kasachstan, abgeleitet vom englischen Wort "tribe" (Stamm). Doch neben den beiden anderen Stämmen fühlt sich noch ein großer Teil der Bevölkerung benachteiligt: Die Russisch- oder Deutschstämmigen. Sie machen fast die Hälfte der Bevölkerung aus und leben vor allem im Norden des Landes. Damit dort niemand auf dumme Ideen kommt, hat der Präsident deshalb vor einigen Jahren seine Hauptstadt in den Norden verlegt.

Doch auch dort ist der Präsident nicht vor Kritik geschützt. Er reagiert darauf dann gerne staatsmännisch gelassen: "Ich habe vor der Opposition Respekt, aber ich habe keine Absicht, sie zu dulden", zitiert Nasarbajew gerne den ehemaligen französischen Präsidenten De Gaulle - um sich dann großmütig zu distanzieren: "Da bin ich mit De Gaulle nicht einverstanden. Ich habe die Opposition geduldet, denn es sind unsere Landsleute."

Mysteriöse Morde an Oppositionspolitikern

Doch nicht alle seiner Freunde scheinen den Großmut des Präsidenten verstanden zu haben. Vor den Wahlen im Dezember 2005 wurde ein bekannter Oppositionspolitiker tot in seiner Wohnung gefunden. Selbstmord – sagt die Staatsanwaltschaft. Der Politiker muss sich demnach selbst zweimal in die Herzgegend und einmal in den Kopf geschossen haben. Mitte Februar wurde dann ein weiterer bekannter Oppositionspolitiker erschossen. Zusammen mit seinen Leibwächtern. Die staatliche Nachrichtenagentur berichtete zuerst, dass es ein Jagdunfall war. Aber viele haben sich gefragt, warum der Mann und seine Leibwächter denn in Handschellen auf die Jagd gehen.

Das kam auch dem Präsidenten komisch vor. Deswegen hat er öffentlich angeordnet, den Fall gründlich untersuchen zu lassen. Man hat die Täter dann schnell gefunden. Fünf Mitarbeiter des Geheimdienstes sollen den Mord auf eigene Rechnung begangen haben. Auftraggeber sei ein hoher Beamter. Er habe den Mord aus Rache begangen, weil der ermordetete Politiker ihn einen Trinker genannt habe. Das amerikanische FBI bescheinigte den Ermittlern "hohe Professionalität". Und auch den Anhängern der Opposition empfahl der Präsident, das Ergebnis zu glauben. Demonstranten liess er verhaften. Er wolle nämlich die "spezielle kasachische Form der Demokratie verteidigen."

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